Interview »Irgendwann werden wir eine Dienstleistungsfirma sein«

Im Gespräch mit Hannes Niederhauser äußerte dieser: »Mit IT-Dienstleistungen kann man keinen Blumentopf gewinnen.«
Im Gespräch mit Hannes Niederhauser äußerte dieser: »Mit IT-Dienstleistungen kann man keinen Blumentopf gewinnen.«

Hannes Niederhauser, CEO von Kontron/S&T, hat ganz klare Vorstellungen von Geschäftszielen und Technologien. Wir sprachen mit ihm darüber, wie sich sein Unternehmen und der Markt entwickeln werden – und erhielten erstaunlich konkrete Antworten.

Es erinnert ein wenig an die Geschichte von Apple und Steve Jobs. Der Apple-Gründer hatte sein eigenes Unternehmen verlassen müssen und war dann, nachdem mehrere CEOs es heruntergewirtschaftet hatten, wieder zurückgekehrt, um es bis zu seiner heute anhaltenden Hochform zu entwickeln. Hannes Niederhauser hat Kontron zwar nicht gegründet, aber im Jahr 1999 kurz vor der Pleite von BMW gekauft und neu ausgerichtet. Als das Unternehmen zu den Top-Playern von Embedded- und Telekommunikations-Computern aufgestiegen war, zog sich der Ingenieur Niederhauser zurück und überließ den Chefsessel den Kaufleuten. Vor gut zwei Jahren war Kontron dann ein Sanierungsfall und Niederhauser – inzwischen CEO des österreichischen IT-Dienstleisters S&T – kaufte Kontron zurück.

Elektronik: Anfang des Jahres hat Kontron/S&T mit einer Akquisition überrascht: Plötzlich tauchte die »Kontron Electronics« in der Firmengruppe auf. Was hat es mit dieser Akquisition auf sich und wo kommt Kontron Electronics her?

Hannes Niederhauser: S&T hat dieses Jahr knapp eine Milliarde Euro Umsatz gemacht. Wir wollen bis 2023 zwei Milliarden machen. Um dieses Ziel zu erreichen, wollen wir 400 bis 500 Millionen an Umsätzen akquirieren. Die Umsätze müssen natürlich zu uns passen, müssen also Synergien ergeben. Genau das war bei der Exceet Group der Fall, einer luxemburgischen Holding mit sieben Gesellschaften. Drei davon haben wir gekauft und die umsatzstärkste davon, die ehemalige Exceet Deutschland, bildet die jetzige Kontron Electronics.

Elektronik: Was haben diese Gesellschaften, was Kontron bisher nicht hatte?

Hannes Niederhauser: Sie haben unter anderem spezielles Know-how bei Arm-Prozessoren und auch bei Raspberry-Pi-Systemen und bieten Fertigungskapazitäten für Low-Volume/High-Mix. Damit kann man Steuerungssysteme bauen, die noch um einiges günstiger sind als das, was Kontron bisher im Angebot hat. Außerdem bringen die drei Gesellschaften mit rund 40 Ingenieuren wertvolles Engineering-Know-how im Hard- und Software-Bereich mit.

Elektronik: Wieviel von der Umsatz-Milliarde der S&T-Gruppe entfällt auf Kontron?
Hannes Niederhauser: Die Kontron, die wir vor zwei Jahren gekauft haben, ist jetzt Teil der S&T Gruppe. Der Bereich „IoT“ der Gruppe besteht heute aus der ehemaligen Kontron und Teilen von S&T. Die Produkte aus diesem Bereich vermarkten wir unter dem Namen Kontron. Das sind etwa 600 Millionen Umsatz.

Elektronik: Woher erwirtschaftet S&T die restlichen 400 Millionen?

Hannes Niederhauser: Das ist der Umsatz mit IT-Dienstleistungen. S&T ist ein IT-Dienstleister, etwa vergleichbar mit Atos oder Bechtle, aber mit Schwerpunkt auf Österreich und Osteuropa.

Elektronik: Wie kommt es, dass der IoT-Bereich mehr Umsatz macht als das Kerngeschäft von S&T?

Hannes Niederhauser: Mit IT-Dienstleistungen kann man keinen Blumentopf gewinnen, weil die Margen begrenzt sind. Wenn man die Technologie anderer Firmen verkauft, dann verdienen daran hauptsächlich die anderen. Unser Ziel war es deshalb, eigene Technologie ins Unternehmen zu holen. S&T hatte seinerzeit damit angefangen, Firewalls für Maschinen zu bauen, also das, was man heute „Industrial Internet of Things“ nennt. 2015 kam uns dann Kontron „vor die Flinte“, weil es dem Unternehmen damals nicht so gut ging. Das war eine ideale Ergänzung, denn Kontron baute zu dieser Zeit isolierte Embedded-Systeme, während S&T die Software für die Vernetzung hatte. Also haben wir nach der Akquisition den IoT-Bereich von S&T mit Kontron zusammengelegt und das macht die zirka 600 Millionen Umsatz im vergangenen Jahr.

Elektronik: Kontron hatte früher schon eine Phase mit vielen Zukäufen, die dann in die Krise geführt haben, weil offenbar die Integration der zugekauften Firmen nicht so richtig funktionierte. Nun haben sie wieder drei weitere Standorte – geht der Wildwuchs jetzt von vorne los?

Hannes Niederhauser:  Nun ja, was ist Wildwuchs? Akquisitionen sind grundsätzlich nichts schlechtes, wenn man die richtigen Firmen kauft und sie vernünftig integriert. Für mich bedeutet das: Unternehmergeist, viele Ingenieure und viele kreative Ideen. Die können sich auch mal überlappen. Sie können das gerne Wildwuchs nennen – ich würde es als „kreative Ursuppe“ bezeichnen. Ich bewerte Firmen nicht danach, ob alles aufgeräumt ist, sondern nach Cashflow, EBIT, Wachstum und Technologie. So lange das alles nach oben geht, ist der Wildwuchs gut. Geht es nach unten, ist es keine kreative Ursuppe mehr, sondern Chaos. Diese Gratwanderung muss man eben schaffen.