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Interview

»In jedem steckt ein Maker«

28. August 2019, 09:00 Uhr   |  Cornelia Meier

»In jedem steckt ein Maker«
© LuckyN | Shutterstock.com

Wir waren für Euch unterwegs und haben das FabLab Freising, einen Makerspace, unter die Lupe genommen. Betreut wird die offene Werkstatt unter anderem von Lukas Badura, Testingenieur bei Texas Instruments. Mit ihm haben wir über das FabLab und die dazugehörige Nachwuchsförderung gesprochen.

Wir sind heute im FabLab Freising. Was genau können sich unsere Leser darunter vorstellen?
Das FabLab Freising ist ein Makerspace, ein Treffpunkt für Maker und jeden, der einer werden will. Sie alle finden hier eine Menge Werkzeuge für ihre Projekte, etwa 3D-Drucker, einen Lasercutter und Lötstationen. Außerdem haben wir verschiedene Programmieradapter, um mit Mikrocontrollern zu experimentieren. Im FabLab treffen wir uns regelmäßig, um gemeinsam an unseren Ideen zu arbeiten. Leider wird es noch zu wenig genutzt. Wir hoffen deshalb, dass wir mehr Leute darauf aufmerksam machen können, die bald schon mit uns zusammen kreativ sein wollen.

Kann jeder ins FabLab Freising kommen oder muss man bestimmte Voraussetzungen erfüllen?
Das FabLab Freising ist offen für jeden, der gerne kreativ ist. Der Träger des FabLabs ist ein Verein, in dem man Mitglied werden kann. Andere Voraussetzungen müssen Mitglieder nicht erfüllen. Einmal im Monat haben wir auch einen »Tag der offenen Tür« zu dem jeder herzlich eingeladen ist.

Neben Deiner Tätigkeit als Testingenieur für Texas Instruments (TI) bist Du auch für die Zusammenarbeit mit dem FabLab Freising verantwortlich.
Ja, das ist tatsächlich eines meiner »Arbeitshobbys«, das von meinem Arbeitgeber sehr unterstützt wird. Als ich 2017 bei der Eröffnung des FabLabs Freising teilgenommen und das Potenzial erkannt habe, war mir sofort klar, dass wir uns als TI-Mitarbeiter dafür engagieren sollten. Schließlich ist eine der Top-Prioritäten von TI die Innovation. Innovation ist etwas, das schwer planbar ist, Innovation passiert – besonders an einem Ort wie dem FabLab Freising.

FabLab Freising Impressionen
© Cornelia Meier | WEKA FACHMEDIEN

Das FabLab Freising gibt es bereits seit 2017.

Ihr unterstützt das FabLab Freising ja nicht nur finanziell und als Betreuer, sondern seid auch an den verschiedenen Veranstaltungen und Events des Makerspaces be­teiligt. Was habt Ihr denn alles in petto?
Wir machen viele verschiedene Veranstaltungen. Letztes Jahr haben wir zum Beispiel für das Ferienprogramm Freising drei Workshops im FabLab Freising durchgeführt. Ziel war es, den Kindern beizubringen, wie ein Mikrocontroller programmiert wird. Das kam richtig gut an. 2018 haben wir außerdem erstmals einen Hackathon durchgeführt.

Das klingt aufregend. Gibt es beim Hackathon eine Aufgabe, die gestellt wird, oder sind die Teams frei?
Es gibt keine Aufgabe, aber ein Thema. Im letzten Jahr war es »Smart City« und es ging darum, Freising zu einer noch smarteren Stadt zu machen. Dabei konnten die Teilnehmer entweder mit einer Idee kommen oder die Betreuer des Hackathons haben eine vorgeschlagen. Es waren aber auch einige Start-ups dabei, die schon eine ganz konkrete Idee hatten. Das Event hat insgesamt 36 Stunden gedauert – von Freitagnachmittag um 15 Uhr bis Samstagabend um 20 Uhr.

Ein straffes Programm also.
Definitiv. Aber es ist einfach fantastisch zu sehen, wie Leute, die sich noch nie im Leben gesehen haben, plötzlich anfangen, miteinander zu arbeiten – und was da für tolle Ideen und fertige Produkte daraus entstehen.

Im September wird wieder ein Hackathon im FabLab in Freising stattfinden. Gibt es schon ein Thema?
Ja, dieses Mal geht es um den Themenkomplex »Smart Mobility« – also Mobilitätskonzepte. Die Veranstaltung findet in diesem Jahr am 20. und 21. September statt.

Beim FabLab Freising geht es aber nicht nur um den Spaß am »Machen«, sondern auch um die MINT-Förderung.
Das FabLab ist aus meiner Sicht schon eine Stufe darüber. Die MINT-Förderung passiert früher. Aber auch da engagieren sich viele TI-Mitarbeiter. Die Initiative »Freising macht MINT« wurde vor einigen Jahren gegründet. Einmal im Monat an einem Samstag finden dort bis zu sieben verschiedene Workshops statt. Die Plätze sind oft schon nach einer Stunde vergeben. Zum Glück gibt es viele Freiwillige in Freising und von TI, die diese Initiative unterstützen. Im Rahmen von »Freising macht MINT« bieten wir zum Beispiel einen Workshop mit dem grafikfähigen Taschenrechner von TI an, mit dem man auch programmieren kann. Auf diese Weise lässt sich ein Roboterfahrzeug – der TI Innovator Rover – steuern oder auch beliebige andere Coding- und Making-Projekte umsetzen. Das kommt bei den Kindern, Jungen wie Mädchen, super an.

Es ist also gar nicht so, dass die junge Generation vor Technik zurückschreckt. Es fehlen eher die Möglichkeiten, um sich auszuprobieren.
Richtig. Wir haben gelernt, dass es immer toll ist, wenn sich etwas bewegt. Ein paar LEDs blinken lassen, ist auch okay, aber da lässt das Interesse schnell nach. Ein selbstfahrendes Fahrzeug motiviert die Kinder viel mehr – und sie kommen immer wieder.

Du bist neben Deinem FabLab-Engagement auch Teil des »TI Campus Teams«. Kannst Du uns hierzu ein paar Worte sagen?
Die Campus Teams sind entstanden, als ich vor zwölf Jahren bei TI angefangen habe. Als ich in Landshut studiert habe, hatte ich nur wenig Bezug zur Industrie. Auch mit der Frage, was ich nach dem Studium machen soll, habe ich mich schwergetan. Aus diesen Erfahrungen heraus haben wir begonnen, innerhalb von TI Teams zu gründen, die an Univer­sitäten gehen und einfach mal zeigen, was wir machen. Dazu führen wir mit den Studenten Workshops durch, betreuen Praktika und halten Vorlesungen. So sehen die Studenten schon während ihrer Ausbildung, welche Firmen es gibt und welche Möglichkeiten diese für sie bereithalten.

Das Engagement in den Campus Teams ist – wie auch die Arbeit im FabLab – freiwillig. Das heißt, jeder TI-Mitarbeiter, der möchte, kann mitmachen. Ich finde es toll, dass unsere Geschäftsleitung uns dabei unterstützt und uns dafür Zeit und Ressourcen gewährt. Mittlerweile haben wir ein eingespieltes Team, mit dem wir entweder Studenten zu uns einladen und Firmenführungen bzw. Workshops machen oder direkt an die Unis gehen. So bringen wir den Studenten bei, wie sie
mit aktuellen Techniken arbeiten können, und auf der anderen Seite stellen wir uns als Arbeitgeber vor.

Cornelia Meier und Lukas Badura im Gespräch.
© Tobias Schlichtmeier | WEKA FACHMEDIEN

Elektronik neo Redakteurin Cornelia Meier (l.) und Lukas Badura im Gespräch.

Wie kann ich mir als Student einen Workshop mit Euch vorstellen?
Wir bieten meistens zwischen 20 und 30 Plätze an. Wenn wir einen Workshop bei uns in der Firma machen, dann läuft es folgendermaßen ab: Die Studenten kommen zu uns und bekommen eine kurze Firmenvorstellung. Danach gehen wir durch unsere Wafer Fab, die wir hier in Freising haben. Dort lernen die Studenten, wie Wafer produziert werden und erfahren mehr darüber, wie ein Halbleiter entwickelt wird. So bekommen die Studenten einen Einblick, was sie später mit ihrer Ausbildung anfangen können. Anschließend gibt es ein Mittagessen – und dann wird programmiert.

Dann geht es also ans Eingemachte?
Genau, abhängig davon, wie weit die Stu­denten in ihrem Studium sind, stellen wir ihnen entsprechende Aufgaben. Dafür haben wir im letzten Jahr das »TI-RSLK« auf den Markt gebracht. Das Robotics Systems Learning Kit, von dem es bald eine neue Version geben wird, lässt sich auch schon mit Grundwissen programmieren. Dieses Jahr haben wir das Kit beim Girls‘ Day eingesetzt und es kam wirklich super an. Nachdem wir den Schülerinnen erklärt hatten, wie die Programmstruktur aussehen muss, damit der selbstfahrende Roboter sich bewegt, wollten sie mit dem Programmieren gar nicht mehr aufhören.

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1. »In jedem steckt ein Maker«
2. »Ein Spirit, den es sonst nirgendwo gibt«

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