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Gast-Kommentar

Warum vorgefertigte Rechenzentren besser als ihr Ruf sind

16. Juni 2020, 08:57 Uhr   |  von Reinhard Purzer, Geschäftsführer von Vertiv Deutschland

Warum vorgefertigte Rechenzentren besser als ihr Ruf sind
© Vertiv

Flexible RZ-Kapazitäten werden künftig ein Schlüsselkriterium sein.

Manche Vorurteile halten sich hartnäckig, auch in der Welt der Rechenzentren. So haben vorgefertigte, modulare Rechenzentren zum Teil noch immer einen schlechten Ruf, obwohl sie kostengünstig, zukunftsfähig und weltweit auf dem Vormarsch sind.

Die Kosten für ein vorgefertigtes, modulares Rechenzentrum, kurz PFM (pre-fabricated modular) sind deutlich geringer als die Kosten für ein konventionelles Rechenzentrum, weil die Konzeption punktgenauer stattfinden kann. Außerdem ist die Skalierung einfacher vorzunehmen, unabhängig davon ob bestehende Anlagen erweitert werden, eine bestehende Anlage modernisiert wird oder  ein neuer Standort aufgebaut werden muss.

Das alles ist heute durch ein modulares und standardisiertes Konzept vergleichsweise einfach möglich. In vielen Fällen ist die Erweiterung, Ergänzung oder Modernisierung sogar während des regulär laufenden Betriebs zu realisieren.

Reinhard Purzer
© Vertiv

Reinhard Purzer ist Geschäftsführer von Vertiv Deutschland

Durch die Effizienz, die modulare Rechenzentren bieten, sollten sie eigentlich bei allen Planungen als eine mögliche Alternative zumindest in Betracht gezogen werden.Das Ziel ist dabei nicht, konventionelle Rechenzentren zu verdrängen oder zu ersetzen.  Beide Ansätze ergänzen sich und können dem Nutzer eine für ihn passende Lösung liefern.

Denn die infrastrukturellen Möglichkeiten für Rechenzentren entwickeln sich mit gleicher Geschwindigkeit weiter, wie es auch in anderen Bereichen der IT vorangeht. Mit diesen Entwicklungen Schritt zu halten, ist für Unternehmen oft schwierig. Dazu wären laufende Investitionen in das bestehende Rechenzentrum erforderlich, verbunden mit einem erhöhten Ausfallrisiko während der Modernisierungsmaßnahmen. Eine Kombination aus modularer, vorgefertigter Erweiterung und bestehendem Rechenzentrum kann hier ein Schlüssel zum Erfolg sein. Um alle wichtigen Planungsmöglichkeiten in Betracht zu ziehen, ist es aber wichtig, die immer noch verbreiteten Vorurteile hinsichtlich der modularen Rechenzentren zu überwinden.

Vorurteil 1: Nur ein Nischen-Produkt?

Obwohl PFM-Rechenzentren weltweit auf dem Vormarsch sind, ist der aktuelle Anteil an modularen Lösungen noch vergleichsweise gering. Das kann sich aber bald ändern: Die 5G-Technologie ist nur eines von vielen Beispielen dafür, dass künftig flexible RZ-Kapazitäten immer gefragter sein werden. Und das gilt insbesondere auch für Entwicklungsländer. Schließlich erlauben es PFM-Rechenzentren, schnell neue Kapazitäten selbst am Edge aufzubauen  –  ohne die typischen Einschränkungen eines klassischen Konstruktionsprozesses, dafür mit verbesserter Systemintegration, Prüfung und Inbetriebnahme.

Vorurteil 2: Nur ein Container?

Auch wenn der Ursprung der PFM-Rechenzentren eine Container-Lösung war, ist dieses Vorurteil heute nicht mehr haltbar. Die Angst vor unästhetischen Anlagen darf in Zukunft nicht mehr dazu führen, dass die Option der vorgefertigten Lösung von Anfang an ausgeschlossen wird. Denn inzwischen bieten modulare Anlagen ebenfalls die ganze Bandbreite der Infrastruktur herkömmlicher Rechenzentren. Alle wichtigen Faktoren, von der Energieversorgung bis zum Thermal Management, sind auch bei PFM-Rechenzentren auf dem neuesten Stand sowie ästhetisch umgesetzt. Auch das Vorurteil, dass diese Art der Rechenzentren unsicher ist, basiert noch auf dem Bild, dass es sich um Container handelt. Da verwundert es nicht, dass die Idee entstehen kann, dass Unbefugte das Rechenzentrum mit einem Laster einfach abtransportieren könnten. Während der vergleichsweise einfache Transport vorgefertigter Rechenzentren natürlich ein wichtiges Merkmal dieser Lösung ist, mindert diese Tatsache aber nicht die Sicherheit. Selbstverständlich müssen alle konventionellen Sicherheitsmaßnahmen auch bei einer modularen Lösung umgesetzt werden. Dann steht sie den herkömmlichen Rechenzentren aber in Nichts nach.

Vorurteil 3: Nur eine geringe Leistungsfähigkeit?

Hinsichtlich der Leistungsfähigkeit muss sich die modulare Lösung ebenfalls nicht hinter anderen Rechenzentren verstecken. Die Inbetriebnahme wird beispielsweise vorab beim Hersteller getestet. Alle Komponenten, die in dieser Phase im Werk des Herstellers integriert werden, verringern die Wahrscheinlichkeit von Wartungsproblemen aufgrund von unsachgemäßem Einbau. Zusätzlich zertifiziert das Uptime Institute, die wichtigste Organisation für Zertifizierungen in der Rechenzentrumsbranche, Anlagen, die mit PFM-Lösungen arbeiten. So ist die Belastbarkeit eines modularen Rechenzentrums nicht nur ein Versprechen, sondern überprüfbar.

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