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Pilotprojekt in Frankfurt

Heizen mit Abwärme aus dem Rechenzentrum

08. Juli 2021, 16:50 Uhr   |  Heinz Arnold

Heizen mit Abwärme aus dem Rechenzentrum
© Julia Cebella/dpa

Mit Baggern wird eine Fläche im Frankfurter Stadtteil Gallus für den Bau von Wohnungen vorbereitet, die nach ihrer Fertigstellung mit der Abwärme eines benachbarten Rechenzentrums beheizt werden.

1300 Wohnungen sollen im Frankfurter Gallusviertel mit der in einem benachbarten Rechenzentrum zumindest zu 60 Prozent beheizt werden.

Dazu muss das 30 °C warme Wasser aus dem Rechenzentrum mit Hilfe zweier Wärmepumpen auf die nötige Temperatur von 70 Grad erhitzt werden und das Quartier an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich Telehouse, der Betreiber des Rechenzentrums, und Energieversorger Mainova sowie der Projektentwickler Instone Real Estate im Rahmen eines Pilotprojekts zusammengeschlossen. Auf dem ehemaligen Telenorma-Gelände entsteht das Quartier »Westville« mit 1.300 Wohnungen. Dort soll sich zeigen, ob die Abwärme von Rechenzentren auf diese Weise genutzt werden kann und mehr Effizienz möglich ist. Das wäre wünschenswert, denn die Rechenzentren nehmen nicht nur viel Stromauf, sie produzieren auch viel Abwärme. 60 Prozent der Energie für »Westville« soll aus dem Rechenzentrum von Telehouse kommen, den Rest stellt Mainova über ihr Fernwärmenetz bereit. 400 t Kohlendioxid könnten so pro Jahr eingespart werden. Immerhin handelt es sich um das größte Projekt dieser Art in Deutschland. Weil Telehouse für die bereitgestellte Energie kein Geld verlangt, könnten die Bewohner des neuen Viertels Geld sparen.  

Frankfurt ist ein bundesweiter Schwerpunkt für große Rechenzentren, die Platz an Unternehmen wie Google und Amazon vermieten. Die Stadt beherbergt auch einen der weltweit größten Internetknoten mit dem Namen DE-CIX. Home-Schooling und Online-Konferenzen in der Corona-Pandemie haben die Digitalisierung nochmals befeuert, am DE-CIX erreichte der Datenverkehr zuletzt Rekordwerte. Insgesamt zählt Frankfurt bereits mehr als 60 unternehmensunabhängige Rechenzentren von mehr als 30 Betreibern, weitere sind in Planung oder werden derzeit gebaut.

Mit einem weiterem Wachstum wird gerechnet. Um die Entwicklung künftig besser zu steuern, arbeitet die Stadt an einem Konzept, das nach der Sommerpause vorliegen soll, wie der Sprecher des Planungsdezernats, Mark Gellert, sagte. Die Rechenzentren sollen sich demnach in Clustern ansiedeln, auch, um die Verdrängung kleinerer Gewerbebetriebe zu verhindern.

Die Stadt will zudem erreichen, dass die Betreiber mehr in die Höhe als in die Breite bauen, um den Flächenverbrauch zu vermindern, und verlangt ansprechende Fassaden anstelle unansehnlicher Hochsicherheitsanlagen. Nicht zuletzt soll Energie-Effizienz und Abwärmenutzung verlangt werden - ein Thema, das die Branche auch von sich aus nach vorne treibe, sagte Gellert.

Auch eine stärkere regionale Abstimmung bei dem Thema wünscht sich Frankfurt. Im Umland machten zuletzt Großprojekte in Offenbach und Hanau von sich reden.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat errechnet, dass die Rechenzentren den Stromverbrauch der Region derzeit verdoppeln. Sie müssten so energieeffizient wie möglich betrieben werden, fordert die Organisation in einem Positionspapier. Bestehende Anlagen müssten auf den aktuell bestmöglichen Stand nachgerüstet und alle Anlagen nur mit Strom aus erneuerbaren Energien betrieben werden. Die Abwärme müsse breit genutzt werden – nicht nur in Pilotvorhaben. Derzeit entstehe Abwärme in der Größenordnung des Heizwärmebedarfs aller Wohngebäude in Frankfurt und der Nachbarstadt Offenbach, heißt es in dem Papier.

Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) erklärte, das Vorhaben sei in der Größenordnung bundesweit einmalig. Es zeige, was künftig im Sinne des Klimaschutzes möglich sein könne. Eine ähnliche Kooperation gibt es bisher im Bankenviertel, im Hochhaus Eurotheum, in dem die Abwärme eines Rechenzentrums für warmes Wasser und warme Heizkörper sorgt. Die Mainova kündigte an, in den kommenden Jahren andere Rechenzentren an das Fernwärmenetz anzuschließen. In das Vorhaben im Gallusviertel werde ein niedriger Millionenbetrag investiert.

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