Elektroniknet Logo

Markt&Technik Exklusiv-Interview

Wie Bürklin so richtig durchstarten will


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Vor Ort beim Kunden

Wie agiert der TechSupport?

Die Mitarbeiter aus dem TechSupport sitzen hier vor Ort in Oberhaching und unterstützen hauptsächlich telefonisch, können aber auch vor Ort beim Kunden sein, falls das ein Projekt erfordert.

Im Zuge der MRO-Sortimentserweiterung bietet Bürklin Elektronik einen Service für die Kabelkonfektionierung an. Wie wird dieser abgewickelt?

Die Kabelkonfektionierung wickeln wir mit externen Partnern ab. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Partnern, die je nach Applikationsbereich zertifiziert sind, etwa Automotive und Luft-/Raumfahrt. Wir beliefern die Kabelkonfektionäre mit den benötigten Komponenten und verkaufen das fertige Produkt an unsere Kunden. Der Kunde hat also nur einen Ansprechpartner und muss sich nicht um die Koordination kümmern.

Lange Zeit war Bürklin vor allem als lokaler Distributor in Bayern bzw. Deutschland bekannt. Streben Sie eine Internationalisierung an?

Wir liefern von unserem Stammsitz in Oberhaching aus bereits weltweit. Derzeit schaffen wir es zum Beispiel nach Südamerika per Luftfracht binnen drei Tagen. Momentan laufen Überlegungen, im Ausland lokale Logistik-Hubs zu installieren, um Kunden in Japan und Europa noch schneller bedienen zu können.

Sind dazu auch zusätzliche Niederlassungen geplant?

Im Augenblick nicht. Wir decken das Geschäft zentral von Oberhaching aus ab.

Wie bedienen Sie die ausländische Klientel personell?

Relevante Anbieter

Bürklin Elektronik
© Bürklin Elektronik

Wir haben für jeden Kunden eine zugeordnete Person und ein Backup. Das gilt natürlich auch für ausländische Kunden. Dabei unterstützen uns Muttersprachler für die wichtigsten Länder hier im Team vor Ort. Dieser Ansatz hat sich eigentlich sehr gut bewährt.

Sie sprachen eingangs davon, das eProcurement weiter forcieren zu wollen…

Ja, die Tendenz geht ganz klar in Richtung eProcurement. Viele Firmen wollen ihren Einkauf konsolidieren und weitmöglichst automatisieren. Wir bieten hier alle Möglichkeiten. Wir bieten EDI über geschlossene Netze, die einen automatischen Transfer aller Bestelldokumente erlauben. Ferner stellen wir eine OCI-Schnittstelle zur Verfügung, die den direkten Zugriff auf unseren Webshop über die ERP-Systeme der Kunden erlauben. Darüber hinaus stellen wir BMEcat mit eClass oder UNSPSC zur Verfügung mit der Integrationsmöglichkeit in den bevorzugten Marktplatz des Kunden.

Wichtig ist: Der Kunde soll nicht spüren, welche komplexen Abläufe dahinterstecken; für ihn muss es einfach sein, mit uns zusammenzuarbeiten. eProcurement ist dazu ein wichtiger Schlüssel.

Flankierend dazu werden wir unsere Webpräsenz weiter ausbauen inklusive Webtechnik und Suchmaschinenoptimierung. Unser Webshop soll auch weiter vereinfacht werden, sodass der Kunde noch einfacher und schneller das findet, was er sucht. Auch zu diesem Thema haben wir Personal aufgestockt.

Welche Rolle spielt die Historie der Firma Bürklin Elektronik als solider Mittelständler bei der Kundenbindung?

Das ist heute noch wichtiger als vor einigen Jahren. Die Kunden haben ein viel stärkeres Sicherheitsgefühl entwickelt und setzen auf nachhaltige Partner. Dadurch, dass wir sehr viel verändert haben in unserer Außendarstellung und auch kommunizieren, was wir tun, ist unsere Wahrnehmung beim Kunden auch signifikant gestiegen.

Gibt es Pläne, das Geschäft durch Übernahmen zu verstärken oder auch selbst an einen größeren Distributor zu verkaufen?

Wir ernten jetzt die Früchte unseres Veränderungsprozesses: Wir wachsen überproportional, verstärken unseren Marktanteil, arbeiten wesentlich intensiver mit den Herstellern zusammen und die nächste Generation der Familie Bürklin Elektronik ist bereits im Haus und im Geschäft tätig. Es gibt also keine Pläne und Notwendigkeit, über einen Verkauf nachzudenken. Umgekehrt sind zumindest derzeit aber auch keine Zukäufe geplant.

Woher kommen Ihre Marktanteile – vom Mitbewerb?

Durch unsere positiven Veränderungen der letzten zwei Jahre haben die Kunden festgestellt, dass es mit uns einfacher zu arbeiten ist als mit dem einen oder anderen Mitbewerber. Da spielt der Standortvorteil im Landkreis München schon eine wichtige Rolle. Zum Beispiel entwickelt sich das Auslandsgeschäft überproportional gut. Viele Kunden, auch im Ausland, schätzen die Zuverlässigkeit und die Unkompliziertheit, die wir vermitteln und praktizieren.

Es gibt immer wieder Warnungen, der Boom im Komponentengeschäft könnte in diesem Jahr zu Ende sein – Indikatoren sind zum Beispiel Doppelbuchungen. Wie sehen Sie die Situation?

Doppelbuchungen halten sich bei uns sehr in Grenzen. Wir wissen, dass die Maschinenbauer auf Jahre hinaus ihre Orderbücher gut gefüllt haben; insofern gibt es für uns derzeit keine Signale, dass der Boom ein schnelles Ende finden könnte.

Und wie sieht Ihr Blick in die Zukunft aus?

Wir sind noch lange nicht fertig mit unserem Veränderungsprozess. Wir haben noch einiges zu tun in der Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten und wollen unser Serviceangebot noch weiter ausbauen, etwa bei den Logistiklösungen. Dabei geht es nicht nur um klassische Logistik, sondern die Kunden wollen, dass man vorgefertigte Ware liefert, zum Beispiel Produkte, die bereits mit der Firm­ware ausgestattet sind.


  1. Wie Bürklin so richtig durchstarten will
  2. Vor Ort beim Kunden

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Bürklin GmbH & Co. KG