Kurs auf die erste Milliarde

»Jeden Monat neue Rekordzahlen in Billings«

23. Mai 2022, 15:00 Uhr | Karin Zühlke

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Viel Zuspruch für LogOn-Abteilung

Fulfillment steht und fällt mit der Logistik. Welche Stellhebel – sprich Optimierungen – sind da überhaupt noch möglich?

EBV hat vor einiger Zeit LogOn ins Leben gerufen; dabei handelt es sich um eine Division, die sich rein ums Logistik-Business kümmert. Bei Avnet Abacus haben wir vor über einem Jahr auch eine LogOn-Abteilung gegründet, mit dedizierten Mitarbeitern, die sich zu 100 Prozent um diesen Geschäftsbereich kümmern. Die Abwicklung findet zum Großteil in Serbien, genau gesagt Belgrad, statt. Damit haben wir die Kosten unter Kontrolle und können sehr interessante Logistikprogramme anbieten. Der Kunde bekommt von uns mehr Service als direkt vom Hersteller, der oft nicht die Möglichkeiten hat, spezielle Logistikprogramme mit den Kunden zu realisieren. Für uns ist das ein schöner Wachstumsmarkt.

Wie kommt das bei den Herstellern an?

Wir bekommen dazu viel Zuspruch von unseren Herstellern. Als Hintergrund: In der IP&E-Welt macht die Distribution traditionell einen kleineren Teil aus als das Direktgeschäft; anders als im Halbleitersegment, wo oft 70 bis 80 Prozent über die Distribution laufen.

In unserem Umfeld ist es genau anders herum. Aus der Vergangenheit haben also viele auch kleinere Kunden, die sie direkt betreuen. Das ist natürlich sehr kostenaufwendig für die Hersteller. Erstens sind sie nicht auf Logistik spezialisiert und zweitens ist das »Dollar-Kilogramm-Verhältnis« in IP&E komplett anders als bei den Halbleitern. Wir haben teils sehr schwere aber billige Produkte, wenn man die in kleinen Stückzahlen transportieren muss, ist das teuer. Anders als ein Hersteller können wir aber die Transporte zusammenfassen bzw. kombinieren und erzielen dadurch Einsparmöglichkeiten. Das schätzen unsere Hersteller also sehr.
Die Hauptmärkte für Elektronik weltweit sind weiterhin gesund und werden weiterhin zulegen.

Sehen Sie in nächster Zeit Wachstumsmöglichkeiten für die Elektronikindustrie oder wird der Markt ausgebremst durch all die aktuellen und vorher schon genannten globalen Herausforderungen?

Der Markt an sich ist sehr gesund. Betrachten wir das Beispiel »Automotive«: Es werden momentan zwar weniger Stückzahlen produziert, aber das Auto hat immer mehr Elektronikbedarf, und vor allem die Elektrifizierung der Mobilität treibt den Markt. So ist die Ladeinfrastruktur derzeit unser Hauptwachstumsmarkt. Auch der 5G-Rollout bringt neue Möglichkeiten mit sich. Militär und Aerospace ist – leider – seit zwei Monaten ebenfalls sehr wachstumsträchtig; auch die Medizintechnik hat mehr und mehr Fokus auf die Elektronik. Sie sehen also: Die Hauptmärkte für Elektronik weltweit sind weiterhin gesund und werden weiterhin zulegen.

Welche Neuerungen in der Struktur und Organisation gab es seit Ihrem Amtsantritt als President von Avnet Abacus vor vier Jahren?

Eine Maßnahme war die Zentralisierung des Lagers in Tongeren in Belgien. Wir haben zudem unsere Asset-Abteilung in München konsolidiert; zuvor war sie aufgeteilt auf mehrere Länder. Darüber hinaus haben wir die Internal Support Division in Belgrad aufgebaut. Und was für unsere Kunden am wichtigsten ist: Wir haben signifikant in Lager investiert. Demzufolge können wir heute ungefähr 65 bis 70 Prozent mehr Lager vorweisen als vor einem Jahr. Außerdem haben wir massiv unser Personal aufgestockt und noch mehr in die technische Expertise unserer FAEs investiert.

Wir nutzen inzwischen auch die Größe der Avnet-Familie besser, um unser Wachstum voranzutreiben. Beispielsweise arbeiten wir sehr eng mit Farnell zusammen, insbesondere bei NPIs. Das heißt: Farnell legt neue Produkt auf Lager, damit sind sie auch für Avnet Abacus verfügbar, etwa wenn es um Bemusterung von Kunden geht. Wir tauschen uns in der Folge eng aus, wie das Produkt am Markt angenommen wird, und sobald es in die Volumenphase geht, bevorraten wir das Produkt.

Wir arbeiten auch enger denn je mit EBV zusammen, was sicher auch mit meiner Vergangenheit dort zu tun hat. Mittlerweile sind wir zudem auch räumlich enger zusammengerückt.

Schließlich kenne ich keine Applikationen, die rein aus Halbleitern oder rein aus IP&E-Komponenten bestehen. Und wenn wir zusammenarbeiten, können wir hier unseren Kunden eine noch stärkere Lösung anbieten.

A propos Zusammenarbeit von EBV und Avnet Abacus: Kürzlich hat Avnet Abacus in einer Pressemitteilung verlautbart, die Kunden zum Thema »Single Pair Ethernet« gemeinsam unterstützen zu wollen. Ist das neu oder wollte man mit der Mitteilung einfach einen Akzent setzen?

Wir wollten damit einen Akzent setzen. Das ist lediglich ein technisches Beispiel von vielen, an dem aber sehr schön klar wird, allein mit Halbleitern oder IP&E wird man dem Thema nicht gerecht. Wir wollen in der Kommunikation aufzeigen, dass Spezialisten aus beiden Bereichen benötigt werden, um den Kunden umfassend zu unterstützen und ihm die beste Technologielösung zu bieten.

Geht es also wieder in Richtung eines integrierten Konzerns und weg vom Speedboat-Modell?

Nein, wir glauben in Europa an das Speedboat-Modell. Wir sind im Semiconductor-Segment Nummer eins in Europa, das ist auch dem Speedboat-Konzept zu verdanken. Wir werden weiterhin auf Spezialisierung setzen und das geht nur, wenn man einen Fokus hat. Und hierfür braucht man Spezialisten im Sales und in der Technik. Wenn man einfach alles auf einen Haufen wirft – sprich integriert – dann kann man das nicht derart erfolgreich umsetzen.

Wir arbeiten wie gesagt eng und intensiv zusammen und unterstützen einander, aber es ist nicht vorgesehen, dass wir eine Division werden. Mit unseren Spezialisierungen ist es uns möglich, die beste Unterstützung und den besten Service unseren Kunden und Herstellern zu bieten.

Abschließend ein Wort zur Zukunft der Distribution?

In der Distribution ist alles »Relationship«. Menschen kaufen bei Menschen. Auch in Zukunft wird nicht alles durch EDI und Software gelöst werden. Distribution ist keine Raketenwissenschaft, wenn man guten Service bietet und extra Leistungen in puncto Designunterstützung und Logistik, was der Hersteller selbst nicht immer leisten kann, kann man schneller wachsen als der Markt.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

  1. »Jeden Monat neue Rekordzahlen in Billings«
  2. Viel Zuspruch für LogOn-Abteilung

Verwandte Artikel

Avnet Abacus, EBV Elektronik GmbH & Co. KG