Im Gespräch mit Dr. Christiane Endrich

»Große Chance im Systemgeschäft«

15. November 2022, 8:00 Uhr | Karin Zühlke
Dr. Christiane Endrich
Dr. Christiane Endrich, Endrich Bauelemente
© Endrich Bauelemente

Dr. Christiane Endrich, CEO von Endrich Bauelemente, setzt einen deutlichen Akzent auf das Systemgeschäft für den Mittelstand – Software-Unterstützung inklusive. Ein Querschnitt durch das Dienstleistungs- und Produkt-Angebot ist auf der electronica zu sehen.

Markt&Technik: Seit gut einem Jahr hat Endrich das Management-Team kontinuierlich verstärkt. Was bzw. wer ist neu?

Dr. Christiane Endrich: Den technischen Part verantwortet Jens Mollitor als CTO. Markus Kummert ist als CSO für den Vertrieb zuständig, weil wir festgestellt haben, wir brauchen über den einzelnen Vertriebsorganisationen eine Person, die alle Fäden in der Hand hält. Und jüngst haben wir noch Alexandra Pfrommer hinzugewonnen als CFO für die Leitung Finanzen und Controlling. Somit sind wir mit mir sozusagen ein vierblättriges Kleeblatt im Management, das uns erfolgreich in die Zukunft führen soll.

Was gab den Ausschlag für die neue Struktur?

Wir wollen natürlich wachsen – wie alle. Aber darüber hinaus sehen wir, dass wir uns in der Distribution weiterentwickeln müssen. Eine große Chance und Wachstumspotenzial für uns sehen wir im Systemgeschäft.

Dieser Begriff wird ja bekanntlich von vielen strapaziert. Was genau verbirgt sich bei Endrich dahinter?

Das ist für uns eine funktionelle Einheit, die aus Produkten mehrerer Produktgruppen aus unserem Hause besteht und die neben der Hardware verschiedene Dienstleistungen sowie Software oder z. B. Unterstützung bei der CE-Zertifizierung beinhaltet.

Stemmen Sie das alles mit eigenen Ressourcen?

Zum Teil. Ergänzend verfügen wir dafür über ein Netzwerk an Dienstleistern, die wir je nach Produkt oder Applikation heranziehen können. Andererseits haben wir auch Software-Expertise im Haus, die wir weiter ausbauen.

Das alles ist für uns aber auch nicht ganz neu. Wir haben bereits einige anspruchsvolle Lösungen umgesetzt. Ein schönes Beispiel aus dem Automotive-Bereich: Wir haben eine technische Teillösung für eine Ladeschale realisiert für einen Kunden bzw. den Kunden bei der Realisierung umfassend unterstützt. Ein anderes Beispiel waren neue technische Features für Getränkeautomaten, die nicht mehr unbedingt zur Kernkompetenz unseres Kunden, der die Automaten entwickelt und baut, gehören. Kurzum: Unser Angebot richtet sich in erster Linie an mittelständische Kunden, die nicht alle Leistungen selbst im Haus haben.

Sie haben vorhin eine Automotive-Applikation angesprochen. Ist das nicht eher Tier-One- bzw. Direktgeschäft?

Wir sind traditionell sehr stark im Automotive-Umfeld. Über ein Drittel erwirtschaften wir immer noch mit Automotive-Kunden. Dabei handelt es sich um Einzelkomponenten oder kundenspezifische Produkte. Aber Automotive-Kunden sind in der Tat meist Konzerne, die technische Lösungen selber entwickeln können. Unsere Zielkunden für Systemgeschäft sehen wir daher eher im Mittelstand der Industrie.

Die Industrie ist breit gefächert. Wo sehen Sie konkret die Ansatzpunkte?

Dadurch, dass wir ein Netzwerk an Dienstleistern haben, sind wir auch nicht fokussiert auf eine Branche, sondern können breitbandig anbieten, was der Kunde benötigt.
Oft kommt der Kunde ja nicht mit dem Ansatz, »ich brauche eine Teillösung«, sondern mit der Anforderung, dass er ein Problem hat. Das kann erst mal ein Display sein, dann kommt der Touch hinzu, ein Netzgerät oder auch eine Anbindung an die Cloud für Predictive Maintenance und die Rückmeldung, wann der Automat leer ist. Für uns heißt das: Wie können wir in einem Puzzle die passenden Dienstleistungen zusammenfügen, um sie dem Kunden so bereitzustellen, wie er sie benötigt?

Vom Systemgeschäft ist der Weg zu eigenen Produkten nicht mehr weit.

Das ist richtig. Wir haben auch bereits eigene Produkte entwickelt, wie das Endrich IoT Board, für das wir sogar dieses Jahr den German Innovation Award bekommen haben. Das ist schon eine tolle Auszeichnung. Die Jury besteht aus namhaften Industrieunternehmen wie Festo und Siemens. Da waren wir natürlich stolz darauf.

Was kann das IoT Board?

Kurz zusammengefasst: Es gibt den Entwicklern die Möglichkeit, ihr Gerät smart zu machen. Mit diesem Board können sie es auf einfachem Weg testen und an bestehende Geräte anschließen. Für dieses Test Kit haben wir zudem eine kostenlose Endrich Cloud zur Verfügung gestellt.

Systemgeschäft, eigene Produkte – Fulfillment allein reicht also in der Distribution nicht mehr aus?

Auch wir machen Fulfillment, aber nur in geringem Maße. Das war für uns noch nie der Hauptantrieb. Wir sehen uns als Design-in-Distributor, der von Anfang an mit dem Kunden ins Gespräch geht, um die Bedürfnisse des Kunden zu verstehen.

Gilt das auch im Automotive-Segment?

Ja, viele unsere Kunden im Automotive-Segment sehen uns nicht als Fulfillment-Dienstleister, sondern als technischer Partner, der vor Ort ist.

Aber um auf Ihre vorige Frage zurückzukommen: Ja, die Distribution muss sich weiterentwickeln – Digitalisierung, Urbanisierung, Globalisierung. Der Mensch hat veränderte Bedürfnisse, und das bedeutet, unsere Kunden müssen sich auf diese veränderten Anforderungen einstellen und wir als Zulieferer müssen uns auch auf diese Bedürfnisse einstellen. Früher dauerte es viele Jahre, bis eine neue Entwicklung auf den Markt kam, aber jetzt geht alles viel schneller. Und wir müssen daher auch viel schneller reagieren.

Und woher kommt die Software-Expertise für das Systemgeschäft?

Wir werden das Thema auf jeden Fall ausbauen und dazu gezielt eine neue Firma gründen. Denn Software ist ein anderes Geschäft, das muss man aus meiner Sicht von der Distribution trennen.

Können Sie Ihre Stärke im Automotive-Segment auch in Richtung Elekroautos nutzen bzw. ausweiten?

Hier sind wir schon in sehr vielen Projekten involviert und liefern Komponenten in dieses Segment. Darüber hinaus gibt es diverse Zukunftsthemen, die auch wieder in die Nachhaltigkeit hineinspielen. Wir sehen beispielsweise auch Ernährung und Horticulture als spannenden Ansatzpunkte, an denen wir dran bleiben wollen und die richtigen Produkte für diese Anwendungen im Portfolio haben, etwa mit unserer Sparte Lighting. Man muss immer schauen, dass man solche neuen Technologien im Auge hat, um hier auch die passenden Technologien liefern zu können.

Endrich Halle C3, Stand 301

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