Der Fiat 500 wird 65

Wieviel Zukunft hat das Kultauto?

28. Juni 2022, 8:00 Uhr | Johannes Neudecker, dpa / ih
Die neue Fiat 500 Limousine.
Die neue Fiat 500 Limousine.
© Fiat

Egal ob Italien oder Deutschland: Der Fiat 500 ist Kult. Seit Jahrzehnten ist er für das Traditionsunternehmen aus Turin ein Verkaufsschlager. Für die Zukunft des kleinen Italieners fällte Fiat eine drastische Entscheidung – kann das gutgehen?

US-Schauspieler Tom Cruise sauste schon mit ihm für Dreharbeiten durch die Altstadt Roms, Pop-Star Jennifer Lopez klemmte sich in einem Werbespot hinter sein Steuer, und Papst Franziskus steigt regelmäßig hinten bei ihm ein. Der Fiat 500 geht zwar nicht als Luxus-Schlitten durch, aber ist seit Jahrzehnten ein Auto fürs Volk – und das nicht nur in Italien. Am 4. Juli 1957 rollten im norditalienischen Turin die ersten Modelle vom Band, damals unter dem Namen Fiat Nuova 500. Als »kleiner, großartiger Wagen« wurde er damals beworben. Ein »treuer Freund« – egal ob man ans Meer oder in die Berge fährt.

Bereits über 7 Millionen Fiat 500 verkauft

65 Jahre später ist der Cinquecento nicht mehr von den italienischen Straßen wegzudenken. Über die Jahre produzierte Fiat verschiedene 500-Varianten, vom Cabrio über die Sportversion bis zum in die Länge gezogenen »Giardineria« (Gärtnerei) – einer Art Kombi. Mehr als 7,1 Millionen 500-Modelle verkaufte Fiat seither, wie Unternehmenssprecher Marco Freschi erklärt.

Nachkriegsmobilität für alle

Für den Nuova 500 hatte das Unternehmen in den 50er Jahren einen konkreten Plan: Nach dem Zweiten Weltkrieg wollte Fiat ein Auto auf den Markt bringen, das den Menschen mehr Mobilität ermöglichte. Zuvor fertige die von Giovanni Agnelli gegründete Marke schon den Fiat 500, auch »Topolino« (Mäuschen) genannt, der aber aus Sicht mancher wegen seines überraschend hohen Preises nicht unbedingt ein Wagen für alle war. Konstrukteur Dante Giacosa musste für wenig Geld ein Modell als Konkurrenz zum Motorroller entwerfen. Am Ende rollte 1957 eine neue Version des 500 vom Band, mit einem Motor von rund 500 Kubikzentimetern Hubraum, zu einem Preis von etwas weniger als 500.000 Lire – so erklärt sich auch der Name.

Perfekt für den engen Stadtverkehr

»Der Fiat 500 ist ein absolutes Erfolgsmodell, so wie etwa der BMW Mini«», sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. »Er bildet Italien ab, hat sich immer wieder neu erfunden und als modernes Fahrzeug seiner Zeit angepasst.« Gerade im engen Stadtverkehr Italiens lässt sich der schlanke 500 geschmeidig durch die Gassen lenken. Viel Gepäck sollte man aber damals wie heute nicht dabei haben.

Heute ist Fiat Teil von Stellantis

Das Unternehmen ist mittlerweile Teil des Autokonzerns Stellantis, der im Januar 2021 aus der Fusion von Fiat Chrysler und der französischen PSA-Gruppe hervorging. Umsatz des börsennotierten Konzerns 2021: 152 Milliarden Euro. Die italienische Traditionsmarke reiht sich seitdem neben Opel oder Peugeot aus Frankreich ein.

Ziel: Bis 2027 rein elektrisch

Nun will Stellantis bei der Marke in den grünen Gang schalten. »Fiat hat eine Strategie und ein klares Ziel«, sagt Freschi. Bis 2027 soll die gesamte Marke rein elektrisch fahren.

Dudenhöffer hält die Entscheidung des Unternehmens für den richtigen Weg. »Wenn man ein Kultprodukt in die Zukunft tragen will, muss man es zukunftsfähig machen, ansonsten wird es zum Museumsstück«, sagt der Experte vom Duisburger Center Automotive Research. »Genau das passiert mit dem vollelektrischen Fiat 500.«

Bis zu 320 km Reichweite

Fiat probierte sich in den 90er Jahren mit dem Cinquecento Elettra schon einmal erfolglos mit einem E-Auto. Der Wagen hatte zwölf klobige Batteriezellen im hinteren Teil und schaffte anfangs eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h mit einer Reichweite von rund 60 km. Aufladen konnte man das Auto zu Hause an der Steckdose, was allerdings Stunden dauerte. Heute soll der Elektro-500 je nach Modell bis zu 320 km schaffen.

Die Kunden scheinen den Elektro-Fiat jedenfalls gut anzunehmen. In
Deutschland zählt er zu den am häufigsten angemeldeten Neufahrzeugen
in der Kategorie der vollelektrischen Autos.

Das Unternehmen will sich insgesamt einen umweltfreundlichen Anstrich verpassen. Zum Beispiel machte Fiat auf dem Dach seiner ehemaligen Fabrik im Turiner Stadtteil Lingotto aus der berühmten Teststrecke einen Garten. Dort, wo ab 1927 Ingenieure neue Modelle quasi unerkannt entlangrasen ließen, schmücken heute Zehntausende Pflanzen den Asphalt.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

- Fiat Group, dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH

dpa-News