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Forscher zur Benzinpreisdebatte

»Eine Bremse wäre das falsche Signal«

RWI Essen Benzinpreisspiegel
Tanken ist seit einigen Monaten richtig teuer geworden, die Tankstellenbetreiber profitieren von den hohen Preisen aber nicht.
© Sandor Jackal/Adobe Stock

Die Preise an deutschen Tankstellen sind zuletzt enorm gestiegen. Die Gewinnmarge der Tankstellenpächter ist aber nicht entsprechend gewachsen – im Gegenteil. Für eine Benzinpreisbremse gibt es daher kaum Spielraum. Zudem wäre sie das falsche Signal im Kampf gegen den Klimawandel.

Während die Kraftstoffpreise in den vergangenen Monaten so stark in die Höhe geschossen sind wie schon lange nicht mehr, ist die Gewinnmarge von Tankstellenbetreibern nicht in gleichem Maße mitgezogen. Sie liegt aktuell sogar auf einem besonders niedrigen Niveau, wie der Benzinpreisspiegel des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeigt. Eine Benzinpreisbremse, wie sie von Teilen der Politik gefordert wird, halten die RWI-Experten daher für keine gute Idee. Zudem würde sie ein völlig falsches Signal im Kampf gegen den Klimawandel setzen. 

Die Ergebnisse des Benzinpreisspiegels sind in Kürze zusammengefasst:Die Preise für Benzin und Diesel sind liegen derzeit ähnlich hoch wie 2011, als die Rohölpreise mit knapp 120 US-Dollar pro Barrel das Maximum der vergangenen Dekade erreichten. Aktuell liegt der Preis für Rohöl der Sorte Brent bei rund 85 US-Dollar.

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Preise für Diesel und SuperE10 pro Liter sowie der Preis für Rohöl der Sorte Brent in Euro pro Liter für die Jahre 2017 bis 2021.
© RWI Essen

Unter anderem der kommissarische Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer fordert angesichts dieser hohen Preise eine Benzinpreisbremse. Dies würde allerdings eine Begrenzung oder Verringerung der Margen bei Kraftstoffen implizieren.

Gleichzeitig zeigt der RWI-Benzinpreisspiegel aber auch, dass die Marge an deutschen Tankstellen im Jahr 2021 besonders niedrig ist. Nach Angaben der Forscher ist die Differenz zwischen dem um Steuern und CO2-Preis bereinigten Preis für Diesel und dem Rohölpreis im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gesunken.

Am größten war diese Differenz im vergangenen Jahr, als die Rohölpreise infolge der Corona-Pandemie abstürzten. Die Marge lag dadurch zeitweise bei über 50 Cent pro Liter. Danach geriet die Marge bei Kraftstoffen durch die hohen Rohölpreise unter Druck.

Die Gründe für die derzeit hohen Preise liegen neben den hohen Rohölpreisen auch in einem schwächeren Euro sowie zu einem geringen Teil auch in der 2021 eingeführten CO2-Bepreisung fossiler Brenn- und Kraftstoffe, die Benzin und Diesel um rund sieben bzw. acht Cent je Liter verteuert.

»Eine Benzinpreisbremse, wie sie von Teilen der Politik gefordert wird, würde vor allem die mit der CO2-Bepreisung forcierten Bemühungen zur Treibhausgasreduktion ausbremsen«, meint der Leiter des Kompetenzbereichs Umwelt und Ressourcen am RWI, Manuel Frondel. »Eine Benzinpreisbremse wäre in Bezug auf die Verkehrswende das völlig falsche Signal.«


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