Automobilindustrie

Kreislaufwirtschaft kann CO2-Emissionen um 75 % reduzieren

16. März 2021, 12:05 Uhr | Irina Hübner
Eine Studie von Accenture hat sich mit dem Einsatz von Konzepten aus der Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie befasst.
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Methoden aus der Kreislaufwirtschaft könnten in Kombination mit der Elektrifizierung die CO2-Emissionen bis 2030 um bis zu 75 Prozent reduzieren. Gleichzeitig könnte der Einsatz nicht zirkulärer Rohstoffe um bis zu 80 Prozent pro gefahrenem Kilometer Meile sinken.

Das zeigt eine Studie von Accenture, dem World Economic Forum und dem World Business Council for Sustainable Development. Die Studie mit dem Titel »Raising Ambitions: A new roadmap for the automotive circular economy« zeigt, dass im Hinblick auf die gefahrenen Kilometer und den voraussichtlichen Fahrzeugbestand bis 2030 weltweit mit einem um 70 Prozent steigenden Mobilitätsbedarf zu rechnen ist. Die Automobilindustrie kann sich darauf vorbereiten und gleichzeitig zur Dekarbonisierung beitragen, um die globale Erwärmung auf weniger als 1,5 °C zu begrenzen. Dabei spielen Methoden der Kreislaufwirtschaft mit Blick auf Energie, Wasser, Abfall, Materialien, Fahrzeuglebenszyklus und -nutzung eine wichtige Rolle.

»Nach Methoden der Kreislaufwirtschaft hergestellte Fahrzeuge sind ein wichtiger Baustein, um das wachsende Mobilitätsaufkommen zu bedienen und gleichzeitig den Ressourcenverbrauch und die CO2-Emissionen auf ein nachhaltiges Niveau zu senken,« sagt Axel Schmidt, Senior Managing Director und Global Industry Sector Lead Automotive. »Viele Fahrzeughersteller haben bereits Netto-Null-Ziele in Richtung CO2-Neutralität. Die Roadmap für die automobile Kreislaufwirtschaft  muss ein Kernelement dieser Transformation sein.«

Laut der Studie stützt sich die Machbarkeit dieser Ziele auf folgende Säulen

  • Netto-Null-CO2-Emissionen über den gesamten Fahrzeuglebenszyklus (z.B. CO2-arme Materialien und Fertigung, Integration in das Stromnetz)
  • Ressourcenrückgewinnung und Schließung von Materialkreisläufen (z.B. Demontage am Ende eines Lebenszyklus und Rückführungslogistik, Recycling von Elektrofahrzeugbatterien)
  • Erhöhung der Fahrzeuglebensdauer und seiner Komponenten (z.B. Abo-basierte Nutzung, Wiederverwendung und Wiederaufbereitung im großen Maßstab)
  • Effiziente Fahrzeugnutzung hinsichtlich Zeit und Belegung (z.B. On-Demand-Modelle)

»Wir werden erleben, wie sich die Automobilindustrie über fünf verschiedene Stufen der Kreislaufwirtschaft auf den Netto-Nullpunkt zubewegt«, meint Alexander Holst, Managing Director für Sustainability Strategy bei Accenture. »Sowohl das Produkt als auch die Art und Weise seiner Verwendung in zunehmend dienstleistungsbasierten Modellen wird sich transformieren. Darüber hinaus entstehen Anreize entlang der Wertschöpfungskette, um sich weg von einer 'Take-make-waste'-Mentalität sowie reiner Optimierung in Silos und hin zu einer vollständig zirkulären Wertschöpfungskette mit Optimierungen auf Ökosystemebene zu bewegen.«

Die Herausforderungen entlang der automobilen Wertschöpfungskette überwinden

Die wesentlichen Hürden für die Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie hängen mit Kunden und Nutzungsverhalten, Geschäftsmodellen, Produktionsmethoden und -technologien sowie regulatorischen Faktoren zusammen. Die Studie skizziert zentrale Empfehlungen zur Überwindung der Herausforderungen entlang der automobilen Wertschöpfungskette:

  • Einigung auf einen gemeinsamen Rahmen zur Steuerung und Messung des Fortschritts
  • Neuausrichtung des Profitmotivs für das automobile Ökosystem – weg vom Verkauf von Produkten hin zum Verkauf von Mobilität und anderen Dienstleistungen
  • Schaffung von Datenstandards, Berichtsrahmen und Transparenzmaßnahmen, die den Kreislaufgedanken in der Fahrzeugentwicklung, dem Lebenszyklusmanagement und der End-of-Life-Verarbeitung fördern
  • Erprobung radikaler Lösungen, um die bestehenden Produktentwicklungszyklen zu überholen
  • Politische Rahmenbedingungen für die Systemtransformation

Die Studie ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von Accenture mit der Circular Cars Initiative (CCI) des World Economic Forum, die aus mehr als 40 Mitgliedsunternehmen und -organisationen der automobilen Wertschöpfungskette besteht. Gemeinsam haben sie einen systemischen Ansatz für Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft in der Automobilindustrie entwickelt. Ziel der Initiative ist es, die Zusammenarbeit zu fördern und einen Systemwandel zu einer Kreislaufwirtschaft anzustoßen.

»Die Automobilindustrie wird sich zusammen mit dem Mobilitätssektor tiefgreifend verändern müssen, wenn sie den prognostizierten 2,5-fachen Anstieg des Verkehrsaufkommens bis 2050 bei Netto-Null-CO2-Emissionen bewältigen will«, fasst Thomas Deloison, Direktor für Mobilität beim World Business Council for Sustainable Development, zusammen. »Wir glauben, dass die Circular Cars Initiative dazu beitragen wird, gemeinsame Wege zu finden, um diesen Wandel voranzutreiben.«

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