Schwerpunkte

E-Ladenetz-Ranking des VDA

Stuttgart wehrt sich gegen schlechte Beurteilung

07. Dezember 2020, 17:39 Uhr   |  Gerhard Stelzer

Stuttgart wehrt sich gegen schlechte Beurteilung
© EnBW | Endre Dulic

Urbaner Schnellladepark der EnBW in der Keplerstraße in Stuttgart.

Stuttgart kritisiert das E-Ladenetz-Ranking des Verbandes der Automobilindustrie, bei dem die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg nur auf hintere Plätze kam. Gerade für die Heimat der zwei Automarken Mercedes-Benz und Porsche wäre das ziemlich peinlich gewesen.

Der Verband der Automobilindustrie hat letzte Woche ein neues Ranking zur Elektromobilität veröffentlicht. In diesem werden die Ladenetze in deutschen Städten und Landkreisen miteinander verglichen. Aus dem Referat Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität der Landeshauptstadt Stuttgart kommt heftige Kritik an der Statistik – sowohl bezogen auf die zugrundeliegende Datenlage als auch auf die angewandte Methodik. Das Referat beanstandet, dass die Datenlage »veraltet« und die Methodik »fehlerhaft« sei. Diese Mängel führten dazu, dass Stuttgart zu Unrecht auf einem abgeschlagenen Platz im Ranking gelistet sei.

Michael Hagel von der städtischen Koordinierungsstelle Elektromobilität erklärte nach Veröffentlichung des E-Ladenetz-Rankings durch den VDA, dass sich Stuttgart beim Thema E-Mobilität »in Wahrheit im Spitzenfeld der deutschen Städte« bewege. Er sagte: »Die Rohdaten, die der VDA für sein Ranking heranzieht, stammen von der Bundesnetzagentur. Diese Daten sind dünn und unvollständig – und damit nicht verlässlich.«

VDA-Zahlen für Stuttgart um Faktor 4 zu niedrig

So seien in Stuttgart beispielsweise in den Jahren 2012 und 2013 bereits Hunderte Ladepunkte errichtet worden. Die Bundesnetzagentur aber führt ihr Verzeichnis erst seit der Ladesäulenverordnung von 2016. »Daher sind die Zahlen zu den öffentlichen Ladesäulen um den Faktor vier zu niedrig«, konstatiert Hagel. Folglich liste der VDA für die Landeshauptstadt nur 100 öffentliche Ladepunkte. Die Wirklichkeit sehe indes anders aus: Nach Angaben des zuverlässigeren Datenmaterials des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft sind es 423 Ladepunkte (Stand Juni 2020). Hagel erklärt: »Stuttgart spielt in der Top-Liga mit München, Berlin und Hamburg.«

»Methodik zweifelhaft«

Darüber hinaus sei die Methodik zweifelhaft, so der städtische Experte für E-Mobilität. Er wundere sich: »Weitere Rohdaten – zum Beispiel zu Ladepunkten bei Unternehmen, Einzelhändlern, Arbeitgebern, Wohnungswirtschaft, etc. – führt der VDA in seinem Ranking gar nicht auf. Dabei haben gerade die Mitgliedsunternehmen des Verbands eine wesentliche Zahl an Ladepunkten errichtet. Am Automobil- und Zuliefererstandort Stuttgart haben Unternehmen wie Daimler, Porsche, Mahle und Bosch tausende Ladeeinrichtungen zur Versorgung der großen Firmenflotten geschaffen. Dies werde bei der Statistik aber gar nicht berücksichtigt und führt zu unkorrekten Ergebnissen – und damit einhergehend zu falschen Schlüssen.«

Öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur in Stuttgart

Normalladen (Wechselstrom bis 22 kW):

  • im Bestand 423 Ladepunkte (BDEW-Angaben, Stand Juni 2020)
  • davon rund 300 auf städtischen Flächen
  • Ausbauziel bis Ende 2021: weitere rund 700 Ladepunkte auf städtischen Flächen, Standortplanung und Genehmigung laufen bereits

Schnellladen (Gleichstrom mit 22 bis im Regelfall 50 kW):

  • im Bestand 12 Stationen (Verzeichnis Going Electric, Sommer 2020)
  • davon eine Station auf städtischen Flächen, Rest auf Landes- und
  • Privatflächen
  • Ausbauziel bis Ende 2021: weitere 20 Standorte auf städtischen Flächen, Standortplanung und Genehmigung laufen bereits

High-Power-Charging (Gleichstrom bis 350 kW)

  • erster Urbaner Schnellladepark (USP-BW) der EnBW in der Keplerstraße
  • ein weiterer USP-BW im Innenhof des Rotebühlgebäudes in Umsetzung

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

VDA Verband der Automobilindustrie e.V.