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Ein Auto zum Ausziehen?

Renault plant verlängerbares Elektroauto Morphoz

02. März 2020, 17:17 Uhr   |  Ute Häußler

Renault plant verlängerbares Elektroauto Morphoz
© Renault

Die Renault-Studie Morphoz ist elektrisch angetrieben und kann auf Knopfdruck um 40 Zentimter verlängert und um 50kWh Batterieleistung aufgestockt werden.

Das Elektroauto auf Reisen 40 Zentimeter ausziehen wie eine Couch? Und dazu einen frisch geladenen Akku für zusätzliche Kilomter einsetzen? Was klingt wie eine Fiktion, hat Renault gestern als Studie »Morphoz« der Öffentlichkeit vorgestellt.

Mit dem Morphoz zeigt Renault ein modulares und wandelbares Elektroauto, welches einen Ausblick auf die nächste Auto-Genration des französischen Konzerns geben soll. Das Außergewöhnliche daran: Auf Knopfdruck lässt sich der Morphoz um 40 Zentimeter verlängern und wird vom Stadtfahrzeug zur Reiselimousine. Durch den gewonnenen Platz sollen zusätzliche Batteriepacks für mehr Reichweite sorgen, auch Kofferraum und Fußraum werden deutlich größer.

Die Crossover-Studie ist zunächst 4,40 Meter kurz und ausgefahren 4,80 Meter lang, der Radtstand verlängert sich dann von 2,74 Meter auf 2,93 Meter. Dafür fährt das Heck hinter der C-Säule aus, und der Vorderwagen rollt um 20 Zentimeter nach vorn. Während die Hinterräder unverändert ihre Position halten, machen die Vorderräder die Vorwärtsbewegung mit. Eine 40-kWh-Batterie bietet in der Basisversion 400 Kilometer Reichweite, mit der Verlängerung entsteht unterhalb des Innenraums Raum für zusätzliche Akkus mit 50 kWh Kapazität, so dass die gesamte Batteriekapazität des Morphoz auf 90 kWh steigt. Damit kann die Studie 700 Kilometer auf der Autobahn zurücklegen. Parallel zur Akku-Kapazität steigt auch die Leistung des Elektromotors: Statt 100 kW stehen der Langversion 160 kW zur Verfügung.

Leider kann der Fahrer sein Auto noch nicht selbst verlängern, für den Wechsel muss eine Renault-Station angefahren werden. Dort soll es nach Angaben des Unternehmens dann aber schnell gehen: Vollautomatisch und “in Sekundenschnelle” wird das Auto verlängert und die zusätzlichen Batterien durch eine Klappe im flachen Unterboden installiert. Aufgeladen werden kann der Morphoz per Induktion. Renault sieht vor allem junge Familien als Zielgruppe der Fahrzeugstudie. Aber auch Shared-Mobility-Anbieter hat der französische Autobauer im Blick: Um die gemeinsame Nutzung zu erleichtern, verzichtet der Hersteller bei dem Concept Car auf Zündschlüssel oder Zugangs- und Startkarten, als digitaler Fahrzeugschlüssel dient stattdessen das Smartphone.

Platzsparende Elektroplattform und Autonomes Fahren

Der Renault Morphoz basiert auf der modularen Plattform CMF-EV der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi, die ausschließlich für die zukünftigen Elektrofahrzeuge der Partner konzipiert wurde.Die CMF-EV Plattform kombiniert besonders flache Antriebsbatterien und platzsparendes Design, was zu einer deutlich geringeren Fahrzeughöhe und mehr Aerodynamik führt. Ebenso verbessern laut Renault die bodennah im Fond angeordneten Batteriepacks die Gewichtsverteilung und damit die Fahrdynamik.Der kompakt bauende Elektromotor nimmt deutlich weniger Platz in Anspruch als ein Verbrennungsmotor, ebenso eröffnet der nicht benötigte Getriebetunnel deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten im Innenraum und bei der Sitzanordnung. Das Ergebnis für Käufer sollte mehr Platz für weniger Geld bei verhältnismäßig kleinen Automaßen sein.

Renault plant neben dem variablen Karosserie- und Raumkonzept auch den umfangreiche Einsatz von künstlicher Intelligenz. Das Fahrzeug soll mit Sensoren, den Fahrer bereits bei der Annäherung erkennenund identifizieren, er muss nur noch winken, um die Tür zu entriegeln. Die Sitze sollen dann automatisch in die passende Position fahren. Im Innenraum soll der Fahrer verschiedene Funktionen per Touchscreen, Sprachbefehl oder Handgesten steuern können.

Das Smartphone des Fahrers soll in der Studie als wichtige Datenquelle dienen, zumindest, wenn der Besitzer dies erlaubt. Künstliche Intelligenz soll in Echtzeit Daten und Bilder von Sensoren und Kameras mit Rundumblick verarbeiten, anstelle konventioneller Außenspiegel verfügt der Morphoz etwa über Kameras, deren Bilder auf Monitore im Innenraum projiziert werden. Gleichzeitig werden sie von der künstlichen Intelligenz ausgewertet und mit weiteren Sensordaten abgeglichen. Sie sollen den Fahrer vor Fußgängern warnen, oder auf Radfahrer im toten Winkel hinweisen.

Neben der Sicherheit möchte Renault mit vielen weiteren digitalen Funktionen und möglichen persönlichen Einstellungen ein modernes und auf die individuellen Bedürfnisse aller Insassen ausgerichtetes “Fahrerlebnis” bieten. Der Konzern betont den Datenschutz, setzt aber auf die freiwillige Vernetzung der Nutzer, um Navigations- und Musikdienste bequem und persönlich zu gestalten.

Abgesehen von den technischen Raffinessen eines modernen, digital vernetzten elektronisch angetriebenen Autos sieht die Morphoz-Studie schnittig aus. Renault hat viel Wert auf das Design gelegt. Es bleibt abzuwarten, ob und wann der Morphoz auf den Markt kommt und wie die Auto-Käufer darauf reagieren.

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