Kommentar

Ladepunkte für alle

11. April 2022, 14:00 Uhr | Irina Hübner
Irina Hübner ist Redakteurin bei der Elektronik automotive
Irina Hübner ist Redakteurin bei der Elektronik automotive
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»Ausbau der Ladeinfrastruktur weit hinter Bedarf«. »Eine Million öffentliche Ladeplätze notwendig«. »Tempo bei Ladeinfrastruktur muss sich verdreifachen«. Mit diesen und ähnlichen Aussagen machte der VDA in den letzten Monaten Schlagzeilen und forderte entsprechende politische Maßnahmen.

Doch entscheidet wirklich die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte darüber, ob das Ziel der Ampel-Koalition von 15 Millionen Elektroautos bis 2030 Wirklichkeit werden kann?

Ich persönlich glaube nein. Denn der typische Pkw wird hierzulande im Durchschnitt lediglich eine Stunde pro Tag bewegt. Im Alltag sollte es also höchst selten nötig sein, das E-Auto unterwegs zu »tanken« – sofern zuhause eine Lademöglichkeit besteht. Sicher, für längere Fahren ist  ein umfassendes Schnellladenetz entlang der Autobahnen wünschenswert. Aber Stromtankstellen an jeder Ecke könnten sich als unrentabel und unnötig erweisen.

Der politische Hauptfokus galt bislang tatsächlich der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Daneben konnten Eigenheimbesitzer von Fördergeldern profitieren. In Deutschland als Mieterland Nummer 1 der EU ist es jedoch ganz wesentlich, auch Bewohner:innen größerer Wohneinheiten das Zuhause-Laden zu ermöglichen. Denn nur dann kann die Antriebswende gelingen.

Bei den Verbänden scheint dies inzwischen angekommen zu sein. Der ZVEI, der ZVEH, der GdW und der VDA haben deshalb einen Leitfaden erarbeitet, wie sich der Ausbau der Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern und Quartieren forcieren lässt. Zwar existieren mittlerweile gesetzliche Grundlagen, die es Mieter:innen und Wohnungsbesitzer:innen erleichtern sollen, Wallboxen zu installieren. Allerdings genügt das allein nach Auffassung der Verbände nicht.Bis 2030 bleibt nicht viel Zeit.

Eine rasche Umsetzung der in der Publikation beschriebenen Maßnahmen könnte einen Baustein zum Erreichen der politischen Elektromobilitätsziele darstellen. Für Interessierte: Der Leitfaden steht unter anderem auf den Webseiten des ZVEI zum Download bereit.

 


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