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Klimapolitische Maßnahme in der Kritik

CO2-Bepreisung bringt technologischen Wandel kaum voran

Welche Maßnahmen sind die sinnvollsten, um wirtschaftlich klimaneutral zu werden?
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Klimaneutral wirtschaften bis 2050. Um dieses Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, nutzen viele Staaten die CO2-Bepreisung als klimapolitisches Instrument. Auch Deutschland hat sie gerade für Verkehr und Wärme eingeführt. Doch die Wirkung dieser Maßnahme ist nicht so stark wie erhofft.

Zwar haben Kohlenstoff-Preissysteme in einigen Ländern zu sinkenden Emissionen geführt. Einen umfassenden technologischen Wandel bewirken sie alleine jedoch nicht. Um die erforderlichen Veränderungen voranzutreiben, ist eine sektorspezifische Förderung klimafreundlicher Technologien nötig – beispielsweise Änderungen des Strommarktdesigns und ein besseres Ladenetz für Elektroautos. Doch dafür braucht es erhebliche Investitionen.

Das sind die Ergebnisse einer Studie. Die Wissenschaftler Lilliestam (IASS/Uni Potsdam), Anthony Patt (ETH Zürich) und Germán Bersalli (IASS Potsdam) betrachteten dazu empirische Untersuchungen zu den Wirkungen der Kohlenstoff-Preissysteme in der EU, in Neuseeland, in der kanadischen Provinz British Columbia sowie den nordischen Ländern.

»Wir beobachten zum Teil beachtliche Senkungen der Emissionen, allerdings nicht durch die dringend nötigen Investitionen in CO2-freie Technologien, sondern durch einen Umstieg auf andere, etwas weniger CO2-intensive Nutzungen. Für die angestrebte Klimaneutralität ist ein Umstieg von Benzin auf Diesel oder von Kohle- auf Gasstrom aber praktisch irrelevant«, sagt Leitautor Johan Lilliestam. Um netto null Emissionen zu erreichen, seien größere, systemische Veränderungen nötig.

Hohe CO2-Preise bewirkten kaum Investitionen in CO2-freie Technologien

Die meisten der untersuchten Studien nennen zwar einen niedrigen CO2-Preis und eine zu große Zahl ausgegebener CO2-Zertifikate als Hauptursache für die unzureichende Lenkungswirkung der CO2-Bepreisung. Allerdings ist dies laut Lilliestam, Patt und Bersalli keine hinreichende Erklärung. Denn sogar in den nordischen Ländern mit ihren verhältnismäßig hohen CO2-Preisen war die Lenkungswirkung in Richtung eines technologischen Wandels nicht beobachtbar.

Einen Grund dafür sehen die Wissenschaftler darin, dass andere Politikmaßnahmen – vor allem Förderprogramme für erneuerbare Energien – die Energiewende in Schwung gebracht haben. Solche spezifischen Fördermaßnahmen boten Investoren stärkere Investitionsanreize als das gleichzeitig umgesetzte Kohlenstoff-Preissystem. Der durch die Fördermaßnahmen ausgelöste Ausbau führte zu starken Kostensenkungen – insbesondere für Wind- und Solarstrom. Zudem schwanken die Preise für fossile Energien oft stärker als der Aufschlag, der durch die CO2-Bepreisung entsteht. Diese Schwankungen, zum Beispiel des Benzinpreises, überschatten die Lenkungswirkung der CO2-Steuer.

Nur als Teil eines Maßnahmenpakets ist CO2-Bepreisung nützlich

Trotz der schwachen Bilanz sehen die Wissenschaftler zwei Chancen für CO2-Preise. »Einerseits können sie genutzt werden, um Einnahmen für dringend nötige Fördermaßnahmen und öffentliche Investitionen zu erzielen. Andererseits können sie in bestimmten Sektoren wie der Kohleverstromung dazu beitragen, dass die CO2-intensivsten Technologien endgültig ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wenn eine alternative Technologie bereit steht«, erklärt Lilliestam. Nicht als zentrales Instrument, aber als Teil eines breit angelegten Maßnahmenpaketes könne die CO2-Bepreisung also zu den Klimazielen beitragen.


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Universität Potsdam, ETH Zürich