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Corona und das Auto

16. April 2020, 09:08 Uhr   |  Heinz Arnold

Corona und das Auto
© Markt & Technik

Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@weka-fachmedien.de

Die Auswirkungen der Pandemie haben die komplexen globalen Lieferketten zumindest teilweise zerrissen. Werden sie schnell wieder repariert sein?

Und ist das überhaupt gewünscht? Werden sie weniger global, um mehr vor Ort zu fertigen und die Auswirkungen künftiger Krisen wie Pandemien besser eingrenzen zu können? Das würde die Produkte wohl etwas teurer machen und könnte schnell dazu führen, dass angesichts des Preisdruckes wieder Business as Usual Einzug hält.

Oder werden die Konsumenten nach der Krise weniger Geld zur Verfügung haben und ihr Verhalten deshalb ändern? Werden sie sich keine teuren Autos mehr leisten wollen, sondern komplette Mobilitätskonzepte fordern, die sie kostengünstig von A nach B bringen, ohne viel Geld für ein Auto bezahlen zu müssen, das meistens nutzlos in der Garage steht? Vielleicht trägt die Krise aus diesem simplen Grund dazu bei, dass plötzlich ein echter Bedarf nach neuen Konzepten am Markt entsteht, der durch Incentive-Programme bisher nur mit sehr mäßigem Erfolg angestoßen werden konnte.

Solche Überlegungen werden vermutlich derzeit viele Unternehmen umtreiben – von den üblichen Verdächtigen wie Google, Amazon über Uber bis zu vielen Startups, aber auch Firmen aus ganz anderen Bereichen, etwa Versorger, die Großen der Erdölbranche, Betreiber von Tankstellennetzen, Autovermieter, Einzelhändler, um nur einige zu nennen. Es könnten sich übergreifende Partnerschaften etablieren, an denen gemessen auch Tesla eher eine Variante der etablierten Automobilindustrie wäre.

Wenn es so käme, so müsste derjenige, der am künftigen Mobilitätsgeschäft verdienen will, sich schnell für den Bedarf der Nach-Corona-Zeit rüsten. Innerhalb der neuen Netzwerke müssten die neusten Errungenschaften der Hochtechnologie für die Entwicklung neuer Service-Angebote eingesetzt werden.

Doch vielleicht kommt alles doch ganz anders: Übers Wochenende habe ich einen Artikel über „Superforecaster“ gelesen. Das sind Leute aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen, die über ein weltweites Auswahlverfahren gefunden wurden und deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass ihre Prognosen mit viel höherer Wahrscheinlichkeit eintreffen als die all der anderen professionellen Auguren. Vor allem wohl deshalb, weil sie sich keiner Ideologie und keiner Wunschvorstellung verpflichtet fühlen. Ein solcher deutscher Superforecaster prognostiziert, dass es zu keiner echten Trendwende käme, der Flugverkehr würde sich nach einiger Zeit erholen, Klimaschutz würde eher auf Eis gelegt, weil die Politiker gerade anderes zu tun hätten.

Das spräche aber auch nicht dagegen, dass die Krise die Einführung neuer Mobilitätskonzepte beflügeln, vielleicht erst wirklich anstoßen könnte, weil ein echter Marktdruck entsteht. Es wird sehr interessant sein zu verfolgen, welche Firmen aus welchen Branchen jetzt im Mobilitätsumfeld besonders aktiv werden.

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