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Automatischer Notruf eCall

Alternative Hersteller-Notrufe verzögern Rettung

25. November 2020, 11:31 Uhr   |  Irina Hübner

Alternative Hersteller-Notrufe verzögern Rettung
© Shutterstock.com

Der automatische eCall landet direkt in der Rettungsleitstelle.

Der automatische Notruf eCall soll bei Unfällen schnelle Hilfe garantieren. Doch herstellereigene Notrufsysteme können die Rettung verzögern. Eine aktuelle ADAC Umfrage ergab, dass viele Autobauer auch künftig zuerst informiert werden wollen.

Der automatische, europaweite Notruf 112-eCall kann bei schweren Verkehrsunfällen ausschlaggebend dafür sein, dass Rettungskräfte rechtzeitig vor Ort sind und rettet auf diese Weise Leben. Wenn erst einmal die meisten Autos damit ausgestattet sind, erwartet die EU 2500 weniger Verkehrstote pro Jahr.Doch noch immer gibt es alternative Hersteller-Notrufe, die zunächst and die Zentrale des Autoherstellers gehen oder an dessen Dienstleister. Sie arbeiten nach Untersuchungen des ADAC nicht so effizient wie der direkte eCall an die 112.

Wie gehen die Automobilhersteller vor?

Seit April 2018 müssen Fahrzeugmodelle, die mit neuer Typgenehmigung auf den Markt kommen, mit dem europäischen Notruf eCall ausgerüstet sein. Doch nicht alle Neufahrzeuge haben eCall an Bord. Und selbst wenn die Fahrzeuge ein eCall-System verbaut haben, bauen manche Autobauer zusätzlich eigene Notrufsysteme ein und platzieren diese prominent .

Die Gründe: Die Hersteller wollen als Erste über Unfälle Bescheid wissen, um mit zusätzlichen Services und Angeboten Geschäfte machen zu können – etwa mit der Organisation des Abschleppdienstes, der Reparatur des beschädigten Autos oder der Bereitstellung eines Unfall-Ersatzwagens oder eines Neuwagens.

Beobachtungen des ADAC bei Crashtests

Bei Crashtests des europäischen Neuwagen-Bewertungsprogramms Euro NCAP im ADAC-Technik-Zentrum wurde festgestellt: Nach den Tests wurden Hersteller-Notrufe teilweise erst 58 Sekunden nach Auslösen der Airbags vom Callcenter beantwortet.
Dort muss dann zunächst die Position des Autos aus den übertragenen Standortdaten ermittelt werden, um diese anschließend an die eigentlich zuständige Rettungsleitstelle vor Ort weiterzuleiten. Denn nur diese schickt letztlich den Rettungswagen los. Bei einem realen Unfall geht durch dieses indirekte Verfahren wertvolle Zeit verloren.

Deutsche Hersteller nutzen eigenen Dienste

Eine aktuelle ADAC-Umfrage hat ergeben, dass insbesondere die deutschen Autohersteller den 112-eCall noch immer stiefmütterlich behandeln. Alle Importeure, die geantwortet haben, bieten hingegen ausschließlich den reinen 112-eCall an, der ohne Verzögerung an die nächst gelegene Rettungsleitstelle geht.

Ein weiterer Vorteil des 112-eCall ist, dass er ohne zeitliche Beschränkung aktiv ist, wohingegen manche Hersteller-Notrufe nach zehn Jahren oft kostenpflichtig verlängert werden müssen. Der ADAC bezweifelt, dass eine solche Verlängerung von Autobesitzern alter Autos durchgeführt wird. Ohne Vertragsverlängerung könnte es aber sein, dass bei einem Unfall kein automatischer Notruf mehr abgesetzt wird.
Verbraucher wiegen sich oft in falscher Sicherheit, wenn ihr Auto nur über das Herstellersystem verfügt.

Darüber hinaus sind aber auch datenschutzrechtliche Bedenken mit dafür verantwortlich, dass eCall bei vielen Autofahrern skeptisch gesehen wird. Dafür besteht aber aus Sicht des ADAC jedoch kein Grund. Der 112-eCall bucht sich erst nach einem schweren Unfall in das Mobilfunknetz ein und sendet dann Daten an die Rettungsleitstelle, nicht an den Hersteller. Der 112-eCall zeichnet auch keine Daten im Auto auf.

Der ADAC fordert deshalb, dass der 112-eCall für alle Neufahrzeuge verbindlich vorgeschrieben wird, nicht nur für neue Typgenehmigungen.

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