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Wie wird die Verkehrswende zum Erfolg?

26. November 2020, 11:23 Uhr   |  Irina Hübner

Wie wird die Verkehrswende zum Erfolg?
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Emissionen sparen, Platz schaffen, mobil sein: Das Deutsche Institut für Urbanistik Difu hat exemplarisch für die Städte München und Hamburg untersucht, welche Maßnahmen besonders dazu beitragen können, dass die notwendige Verkehrswende ein Erfolg wird.

Der nach wie vor zunehmende Verkehr stellt Städte vor große Herausforderungen: Wie können Menschen vor Umweltbelastungen geschützt werden und trotzdem mobil sein? Und wie kann vermieden werden, dass kostbare innerstädtische Flächen durch Dauerparker und Lieferverkehr unverhältnismäßig hoch belastet werden? Für eine funktionierende Stadt sind Lieferverkehr und die Mobilität der Menschen schließlich wichtig.

Diesen und weiteren Fragen ging das Difu im Auftrag des Bundesumweltministeriums gemeinsam mit weiteren Partnern im Forschungsprojekt City2Share auf den Grund. Die Modellstädte München und Hamburg machten mit und testeten innovative Wege in eine mobile und zugleich umweltverträgliche Zukunft.

Car- und Bikesharing, Mobilitätsstationen, digitale Buchungs- und Informationssysteme aber auch stadtverträgliche Lastenradlogistik sind dabei Maßnahmen, die den Verkehr entlasten können und Verbesserungen für Stadtraum und Klimaschutz versprechen. Eine Reduzierung des Verkehrs kann nicht nur die Lebensqualität steigern, sie kann sogar ein Mehr an Mobilitätsoptionen eröffnen, wie das Forschungsteam City2Share herausgefunden hat.

In den beiden Modellstädten München und Hamburg wurden mehrere Maßnahmen parallel erprobt, beispielsweise

  • der Einsatz wohnungsnaher Mobilitätsstationen mit geteilten und elektrischen Mobilitätsangeboten (Bike- und Carsharing),
  • ein umweltverträglicher Lieferverkehr auf der Basis von Mikro-Depots und Lastenrädern sowie die
  • die Rückgewinnung und Aufwertung des kostbaren öffentlichen Raums, kombiniert mit einer umfassenden Bürgerbeteiligung.

Das Forschungsteam nahm in seiner Studie drei wichtige Zielbereiche besonders in den Blick.

Weniger Dieselfahrzeuge auf der »letzten Meile«

Ohne Wirtschaftsverkehr in all seinen Facetten ist eine funktionierende Stadt nicht denkbar. In den letzten Jahren wuchs insbesondere die Nachfrage in der Paketbranche sehr stark an, Treiber dafür ist der Online-Handel. Der Trend hält weiter an. Die Folge sind eine stetig wachsende Zahl an Lieferfahrten von den Paket-Depots am Stadtrand in die Innenstädte und zurück.

Dass es auch anders gehen kann, demonstriert das erfolgreiche UPS-Lieferkonzept mit Lastenrädern und Mikro-Depots. Es zeigt, wie CO2-Emissionen und Stickoxide gesenkt werden können. In der Projektlaufzeit wurden in München zwanzig herkömmliche Diesel-Zustellfahrzeuge ersetzt und so 108 Tonnen CO2 eingespart.

Mobilitätsstationen und vielfältige Verkehrsangebote als Alternative zur »Mobilitätsreserve Auto«

Häufig wird das eigene Auto nur als »Mobilitätsreserve« für Gelegenheiten wie größere Einkäufe, Besuche von Verwandten am Stadtrand oder Ausflüge ins Umland genutzt. Damit Carsharing-Angebote den privaten Pkw-Besitz ersetzen können, sind die zuverlässige Verfügbarkeit der Fahrzeuge in Wohngebieten und der richtige Fahrzeugmix als Ergänzung zum ÖPNV eine wichtige Voraussetzung. Mobilitätsstationen bündeln verschiedene Angebote und machen sie im öffentlichen Raum sichtbar. Ein Beispiel hierfür sind die »switchh-Punkte« in Hamburg.

Weniger parkende Autos – mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum

Mobilitätsstationen brauchen Platz im öffentlichen Raum. In der Regel geht dies zu Lasten von Kfz-Stellflächen. Das Forschungsteam des City2Share-Projekts verdeutlichte, dass weniger Parkplätze kein individueller Verlust sein müssen. Im Gegenzug kann Lebens- und Aufenthaltsqualität im Wohnviertel gewonnen werden. Der in diesem Rahmen temporär umgenutzte Münchner Zenettiplatz hat viel Zustimmung erhalten und die Verkehrswende im positiven Sinn erlebbar gemacht.

Eine kostenfrei erhältliche Abschlusspublikation fasst die zentralen Studienergebnisse des City2Share-Projekts anschaulich zusammen. Anhand vieler dokumentierter Beispiele erhalten Kommunalpolitik und -verwaltung anderer Kommunen Inspiration und Argumentationshilfen für passende Maßnahmen vor Ort.

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