Nodar: Entwicklungskit

3D-Vision-Plattform für automatisiertes Fahren

25. Januar 2023, 10:45 Uhr | Iris Stroh
3D-Vision-Plattform
Die Leistungsfähigkeit der 3D-Vision-Plattform von Nodar im Vergleich zu anderen Sensormodalitäten.
© Nodar

Nodar hat eine Software entwickelt, die es möglich macht, mit zwei weit auseinander liegenden Kameras über sehr weite Entfernungen (über 1000 m) auch noch kleinste Objekte mit einer hohen Genauigkeit zu detektieren.

Nodar (Native Optical Detection and Range) hat die so genannte »Hammerhead«-Technologie (Hammerhead: Hammerhai) entwickelt. Der Name wurde gewählt, weil Hammerhaie aufgrund ihrer weit auseinander stehenden Augen eine besonders gute Tiefenwahrnehmung haben. Und genau diese Tatsache nutzt die Hammerhead-Technologie von Nodar, wobei der Abstand zwischen den hochauflösenden Kamerasensoren 1,5 bis 3 m oder sogar noch mehr betragen kann.

Stereokameras sind nicht neu, doch bislang war kein großer Abstand zwischen den Kameras möglich, weil die gegenseitige Ausrichtung der beiden Kameras bei zu großer Distanz nicht gewährleistet werden konnte. Aber je weiter die Kameras auseinander liegen, desto besser ist die Tiefenwahrnehmung. Dementsprechend kalibriert Nodar mit patentierten Signalverarbeitungsalgorithmen jedes Videobild automatisch und kann so Fehlausrichtungen aufgrund von Stößen, Vibrationen oder Temperaturschwankungen sowie aufgrund von Fertigungstoleranzen von bis zu ±3 Grad kompensieren. Nodar ist überzeugt, dass mit zwei Kameras und der entsprechenden Software im Vergleich zu einem entsprechenden Lidar-System die Kosten um den Faktor 10 reduziert werden kann. Hinzu kommt noch, dass Hammerhead laut Dr. Leaf Jiang, CEO von Nodar, auch bei schlechtem Wetter oder bei Nacht besser abschneidet als ein LiDAR-Sensoren, er stellt also grundsätzlich in Frage, ob LiDAR überhaupt noch notwendig ist.

Mit Hammerhead ist es möglich, dass der OEM die zwei Kameras völlig unabhängig voneinander mit großem Abstand in sein Fahrzeug integriert, beispielsweise in die Außenspiegel oder in die Frontscheinwerfer. Dr. Jiang, CEO von Nodar, erklärt: »Damit ist es zum ersten Mal möglich, nahezu jedes Hindernis - vom Ziegelstein bis zum umgestürzten Lkw - Hunderte von Metern im Voraus und mit außergewöhnlicher Genauigkeit zu erkennen, so dass genügend Zeit für ein Ausweichmanöver bleibt.« Konkret soll Hammerhead mithilfe der Bilder der Kameras High-Fidelity-3D-Punktwolken in Echtzeit erzeugen und somit Objekte mit einer Größe von 10 cm in einer Entfernung von 150 m zu erkennen, aber auch Objekte in einer Entfernung von bis zu 1.250 m noch zu detektieren. Dr. Jiang ist überzeugt, dass mit dieser Technologie die Einführung von Fahrzeugen mit einem L3-Automatisierungsgrad einen deutlichen Schub erhalten wird. Wobei sich Hammerhead natürlich auch für andere Anwendungen eignet, dazu zählt Dr. Jiang beispielsweise vollständig selbstfahrende Nutzfahrzeuge, bis hin zu UAVs (unbemannte Luftfahrzeuge), Züge, Baukräne, Innenraum-Robotik etc.

Entwicklungskit: Einfach ausprobieren, ob es funktioniert

Das Entwicklungskit umfasst alles, was zur Evaluierung des Hammerhead-Systems benötigt wird. Es ist mit einer 1, 2, oder 5-MPixel-Kameras ausgestattet, wobei auch andere Kameras genutzt werden können. Für die Software ist auf dem DevKit ein Orin-Prozessor von Nvidia integriert. Aber auch hier betont Dr. Jiang, dass durchaus auch andere Prozessoren zum Einsatz kommen können, wie zum Beispiel von Renesas oder Ambarella. Darüber hinaus umfasst das DevKit natürlich noch die Visualisierungssoftware, APIs zur Erfassung von Echtzeitdaten, Datenprotokollierungsfunktionen und die restliche Hardware wie Objektive, Montageleiste oder Kabel. Dr. Jiang abschließend: »Mit dem neuen Hammerhead-Entwicklungskit können Partner unsere hochpräzise Stereo-Vision-Technologie schnell bewerten und integrieren.«


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