Fünf Automatisierungsprognosen für 2023

»Schlüsselfertige Lösungen sind die Zukunft«

12. Januar 2023, 17:27 Uhr | Anders Beck
Anders Beck, Vizepräsident für Strategie und Innovation bei Universal Robots
Anders Beck, Vice President für Strategie und Innovation bei Universal Robots
© Universal Robots

Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren in rasantem Tempo technologiegestützte Veränderungen eingeführt. In unserer immer digitaleren Gesellschaft sind die Offenheit für Technologie und die effektive Umsetzung neuer Prozesse der Schlüssel zum Erfolg für fast jedes Unternehmen.

In allen Branchen lassen sich rasche Veränderungen am Arbeitsplatz beobachten, sei es bei der Umstellung auf hybrides Arbeiten oder bei der Einführung neuer Technologien. Was können wir also im Jahr 2023 erwarten? Anders Beck, Vice President für Strategie und Innovation bei Universal Robots, stellt im Folgenden fünf Prognosen für das neue Jahr auf.

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1. Schlüsselfertige Lösungen werden die Automatisierung zugänglicher machen als je zuvor

In den letzten Jahren wurden zahlreiche anspruchsvolle Technologien entwickelt. Fortschritte in der Robotik, bei Machine Learning und in anderen Bereichen haben das Tempo dieses Wandels um ein Vielfaches erhöht. Obwohl diese Fortschritte versprechen, die Geschäftswelt zu verändern oder gar zu revolutionieren, stehen alle Technologieunternehmen vor derselben Herausforderung: Sie können nicht in allen Bereichen gleich gut sein.

Das gilt auch für die Robotik. Eine Automatisierungslösung auf Basis von Robotern erfordert die Entwicklung von Hardware, Software, Anwendungen, Sensoren und Schnittstellen, um nur einige Aspekte zu nennen. Deshalb wird 2023 das Jahr der schlüsselfertigen Lösungen sein. Original Equipment Manufacturers (OEMs), also Unternehmen, die neue Anwendungen und Produkte wie etwa Roboter auf der Grundlage bestehender Technologien entwickeln, werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Sie sind in der Lage, Innovationen voranzutreiben, indem sie Technologien kombinieren, um Komplettlösungen für die gängigsten Anwendungen wie Schweißen und Palettieren zu liefern. Das Ergebnis? Die Automatisierung wird anspruchsvoller und zugleich bedienerfreundlicher sein als je zuvor.

Ein gutes Beispiel dafür, wie dies funktioniert, ist Enabled Robotics, ein OEM mit Sitz in Dänemark. Seit 2016 kombiniert das Unternehmen zwei Arten von Spitzentechnologie, indem es kollaborierende Roboterarme (Cobots) auf autonomen mobilen Robotern (AMRs) montiert. Diese hybride Technologie wird nun in der Industrie, der Lagerverwaltung und der Produktion eingesetzt und bringt die Robotik in Serviceanwendungen und in die Krankenhaus-Intralogistik.

Letztlich erleichtern diese „Out-of-the-Box“-Lösungen den Unternehmen die Integration wichtiger Technologien, und die Möglichkeiten der Unternehmen erhöhen sich um ein Vielfaches, wenn es darum geht, Roboter an der Seite von Menschen arbeiten zu lassen.

2. Hersteller werden zunehmend auf modulare Produktion setzen

Traditionelle Industrieroboter spielen in einigen Fertigungsbereichen nach wie vor eine wichtige Rolle. Es zeichnet sich jedoch ein Trend hin zu flexibleren Produktionsmodellen ab. Dies liegt vor allem daran, dass herkömmliche Industrieroboter meist raumgreifend und fest montiert sind und sich Installation und Betrieb komplex gestalten.

Im Gegensatz dazu können Cobots eine ähnliche Bandbreite an Tätigkeiten ausführen wie herkömmliche Industrieroboter – sie sind aber kleiner, leichter und deutlich einfacher zu installieren. Die kollaborierenden Roboter sind so konzipiert, dass sie nach erfolgreich abgeschlossener Risikobeurteilung an der Seite von Menschen arbeiten können, und eignen sich besonders für Umgebungen, die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit erfordern. Darüber hinaus sind sie für Unternehmen, die Automatisierungstechnik einsetzen wollen, sehr kosteneffizient – ein wichtiger Aspekt im Hinblick auf das Jahr 2023.

Die Cobot-Industrie wird laut einer Studie bis 2026 voraussichtlich auf 2,2 Milliarden US-Dollar anwachsen. Cobots verändern weiterhin die Art und Weise, wie Tätigkeiten beim Verpacken, Palettieren, Schweißen und in der Montage erledigt werden. 2023 wird daher deutlich werden, dass auch größere Unternehmen Cobots einsetzen, um ihre Produktion flexibler zu gestalten. Das Gewicht und die Vielseitigkeit von Robotern werden die Schlüsselfaktoren für diejenigen sein, die nach neuen Automatisierungslösungen suchen – damit gewinnen rekonfigurierbare Roboterarbeitszellen an Bedeutung.

3. Cobots mit höherer Traglast und größerer Reichweite erweitern das Einsatzspektrum

Auch wenn immer mehr Unternehmen Cobots in der Automatisierung einsetzen, werden sie weiterhin hohe Nutzlasten handhaben wollen. Die Hersteller tragen dieser Entwicklung Rechnung und bringen Cobots mit höherer Nutzlast und größerer Reichweite auf den Markt. Diese werden auch im Jahr 2023 Bereiche der Fertigungsindustrie verändern und das Arbeitsleben vieler Mitarbeiter verbessern.

Ein Beispiel für einen besonders leistungsfähigen Cobot ist der UR20, den Universal Robots ab 2023 ausliefert. Mit seiner ausgezeichneten Bewegungssteuerung, der hohen Nutzlastkapazität von 20 kg und einer Reichweite von bis zu 1750 mm ist er für den Einsatz in Palettier- und Schweißanwendungen prädestiniert.

4. Der Anstieg der Installation von Industrierobotern wird trotz globaler Unsicherheiten anhalten

Der IFR World Robotics Report 2021 zeigt, dass die Installation von Industrierobotern im Jahr 2021 einen historischen Höchststand erreicht hat und gegenüber dem Vorjahr um 31 Prozent gestiegen ist. Insgesamt haben sich die weltweiten jährlichen Roboterinstallationen zwischen 2015 und 2021 mehr als verdoppelt. Das langsamere Wachstum im Jahr 2022 in der gesamten Branche ist größtenteils auf globale Unsicherheiten zurückzuführen, die durch die Pandemie und die Verknappung elektronischer Komponenten ausgelöst wurden.

Es ist davon auszugehen, dass sich der Aufwärtstrend bei der Roboterautomatisierung 2023 fortsetzen wird. Warum? Weil Unternehmen auf der ganzen Welt mit einem Arbeitskräfte- und Fachkräftemangel konfrontiert sind. Und weil wir uns mitten im Übergang zur Industrie 5.0 befinden, in der die Zusammenarbeit mit Robotern nachhaltigere und widerstandsfähigere Unternehmen schaffen wird – mit dem Menschen im Zentrum.

5. Der Kunde wird im Mittelpunkt der Produktentwicklung stehen

Obwohl wir ausgiebig über die Zusammenarbeit mit Robotern am Arbeitsplatz sprechen, ist die menschliche Zusammenarbeit der Motor der Innovation.

Kunden kennen ihre eigenen Anforderungen besser als jeder andere. Das bedeutet, dass Robotik-Unternehmen die Endkunden noch stärker in die Produktentwicklung einbeziehen werden als bisher. Aus diesem Grund hat beispielsweise Universal Robots seine Produktentwicklungsteams umstrukturiert und konzentriert sich darauf, die Probleme der Kunden zunächst zu verstehen und auf dieser Basis neue Lösungen zu entwickeln.

Gemeinsame Projekte, bei denen Robotik-Unternehmen und Kunden bei der Entwicklung spezifischer Lösungen zusammenarbeiten, werden im Jahr 2023 und darüber hinaus ebenfalls zunehmen. Letztlich können die Kunden so direkt Einfluss auf das Produkt nehmen, das sie kaufen, während sie gleichzeitig den Herstellern wertvolles Feedback liefern – diese werden damit in der Lage sein, ein Produkt zu entwickeln, von dem der gesamte Markt profitiert.

Die Zukunft der Cobots

Mehr denn je müssen Unternehmen ihren Willen zur Weiterentwicklung und ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellen, um am Markt zu bestehen und zu expandieren. Auf dem Weg ins Jahr 2023 werden sie sich zunehmend auf Technologie und Innovation verlassen, bei denen schlüsselfertige Lösungen im Mittelpunkt stehen, um neue Wege zu beschreiten – all das macht 2023 zu einer spannenden Zeit für die Automatisierung.


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