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Smarte Fertigung und Logistik

Ein Handschuh fürs IIoT

02. Juni 2021, 21:35 Uhr   |  Ute Häußler

Ein Handschuh fürs IIoT
© ProGlove

In der Produktion und Logistik wertschätzen Mitarbeiter, dass der ProGlove-Scanner fest auf dem Handrücken getragen wird - das spart Kraft und Zeit im Workflow.

Was aussieht wie ein einfacher Handgelenk-Scanner, ist bei ProGlove der Eintritt zu einer teilautomatisierten, Industrie-4.0-gesteuerten Produktion und Logistik – der intelligente Handschuh liefert mit dem Human Digital Twin eine digitale Prozesskette und die Verbindung zwischen Mensch und IIoT.

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Scannen ist wichtiger Bestandteil für das Tracking einer Fertigungs- oder Logistikstraße. Für die Produktion eines Autos muss ein Arbeiter beispielsweise bis zu 1000 Mal scannen – hauptsächlich für die Zuordnung und Identifikation von Einzel- oder Fertigteilen. Jeder Scan-Vorgang dauert mehrere Sekunden und nimmt einen erheblichen Anteil an Zeit und Kraft pro Mitarbeiter ein. 

Scan-Handschuh spart Gewicht, Zeit und Geld

Das Münchner Startup ProGlove hat für die Automatisierung der Fertigung und Logistik einen Handschuh entwickelt, der das Scannen deutlich vereinfacht und verkürzt. Der nur 40 g schwere ProGlove-Scanner wird fest auf dem oberen Handrücken getragen. Dadurch entfällt das ständige Anheben und Absetzen, das Scannen findet im Fluss der Produktion statt – ein einziger Mitarbeiter muss bis zu 1,5 Tonnen weniger Last pro Tag heben und spart pro Scanvorgang zwischen 3 und 4 Sekunden. Für einen Automobilhersteller können mit 1000 Scan-Vorgängen pro Auto und der Faustformel „1 Sekunde = 1 Euro“ so bis zu 4000 Euro Produktionskosten je ausgeliefertes Fahrzeug eingespart werden. 

Die ProGlove-Idee ist seit ihrer Markteinführung 2015 sowohl in der Fertigung wie auch in der Logistik gut angekommen: Mittlerweile nutzen unter anderem Bosch, Kuka, Lufthansa Technik, ThyssenKrupp, Volkswagen, DHL sowie die Lebensmittelhändler Penny und Carrefour den intelligenten Handschuh. Die Batterie hält derzeit bis zu drei Werksschichten, und die Scanner können „Over the Air“ Updates erhalten. In Corona-Zeiten nicht ganz unwichtig: Die Geräte funktionieren berührungslos und geben Licht- oder Audio-Impulse als Rückmeldung.

Weniger Aufwand in Logistik und Produktion

In der Teilelogistik des Volkswagen-Konzerns wird der Handscanner bereits an 40 Standorten auf vier Kontinenten eingesetzt. Jedes Ersatzteil muss innerhalb von 24 Stunden weltweit ausgeliefert werden; diese Maxime fordert eine fehlerfreie Logistik und transparente Warenbewegungen in Echtzeit. Am Beispiel des VW-Pool-Palettenlagers in Barnet nahe Kassel hat sich gezeigt, dass mit dem ProGlove-Scanner pro Jahr 3 Millionen Scan-Sekunden eingespart werden – das entspricht 833 Mannstunden und damit über 100 Arbeitstagen alleine in einem kleinen Teil der Werkslogistik an einem Standort. 

Der Scan-Handschuh bei BMW und Bosch

Bei BMW in Dingolfing konnten bei der Kommissionierung im Hochregallager für die weltweite Ersatzteillogistik ebenso enorme Effizienzsteigerungen mit dem IIoT-Handschuh erzielt werden. BMW spricht von 4000 eingesparten Logistik-Minuten pro Tag, das entspricht rund 67 Mannstunden. Neben dem zeitlichen Vorteil weist der bayerische Autobauer auf die gestiegene Sicherheit und das bessere Handling hin, da beide Hände zum Arbeiten und für einen sichereren und festeren Griff frei sind.

Auf ein besseres und sichereres Handling und einen optimalen Produktionsfluss durch den Scan-Handschuh weisen die ProGlove-Kunden Bosch Thermotechnik, Festo, Mahle, Kuka und Thyssen-Krupp hin. Bei allen genannten Fertigern kommt der Handschuh in der Produktionslogistik, also direkt an der Maschine und in der Montage, zum Einsatz. 

Bosch Thermotechnik fertigt im Werk Wernau beispielsweise pro Schicht rund 50 Produktvarianten mit über 400 Seriennummern und Komponenten in einer Produktionslinie. Bei 12.000 Scans pro Schicht reduziert sich mit dem Scan-Handschuh die Komplexität für den einzelnen Mitarbeiter. Der Scanner erfasst nicht nur alle Logistikprozesse, sondern erstellt auch eine elektronische Dokumentation und begleitet die komplette Montage. Die Scan-Daten des intelligenten Handschuhs münden Industrie-4.0-konform in ein elektronisches Schichtbuch, welches via Analytics der Fehlerminimierung dient und damit Standzeiten in der Produktion minimiert.
 

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