Firmenpartnerschaft/Technologiebaukasten

Bosch Rexroth nimmt AMR ins Blickfeld

22. Juli 2022, 10:47 Uhr | Andreas Knoll
 Bosch Rexroth
Der modulare Baukasten Rokit von Bosch Rexroth umfasst Soft- und Hardwarekomponenten für die verschiedensten autonomen Fahrzeuge.
© Bosch Rexroth

Bosch Rexroth engagiert sich außer in der kollaborativen Leichtbaurobotik zunehmend auch im Markt für AMR: durch eine Zusammenarbeit mit dem österreichischen Hersteller Agilox und die Weiterentwicklung des Mobilrobotik-Baukastens „ROKIT“.

Zur Erschließung des dynamisch wachsenden Markts für autonome mobile Roboter (AMR) haben Bosch Rexroth und Agilox vor Kurzem eine Kooperation vereinbart. Die Zusammenarbeit ermöglicht Agilox einen schnellen Zugang zu zusätzlichen Märkten weltweit und vergrößert das Produktangebot von Bosch Rexroth in der mobilen Robotik. Die vorhandenen Produktportfolios beider Unternehmen ergänzen sich gut und werden kontinuierlich ausgebaut.

»Durch die Zusammenarbeit verbinden wir ein starkes Produkt und die Agilität eines Scale-ups mit der globalen Präsenz und Skalierfähigkeit eines Global Players«, sagt Enno Scharphuis, Leiter der Business Unit Assembly Technology bei Bosch Rexroth. Die AMR ermöglichen Transporte von Kleinladungsträgern bis hin zu Paletten aller Art, aktuell bis zu einem Gewicht von 1,5 Tonnen.

Der Markt für AMR wächst weltweit stark. »Kunden erwarten eine breite Produktpalette, kombiniert mit internationaler Präsenz in Produktion, Vertrieb und Service«, erläutert Enno Scharphuis. »Anwender erschließen mit mobiler Robotik Effizienzpotenziale in der Intralogistik und steigern die Transparenz beim Materialfluss.«

Durch die Partnerschaft bietet Bosch Rexroth jetzt sowohl AMR auf Basis der von Agilox entwickelten Schwarmintelligenz als auch – unter dem Namen »ActiveShuttle« – ein VDA-5050-konformes Produkt für Flottenmanagementsysteme an. »Beide Lösungen optimieren den Materialfluss in der Intralogistik entscheidend und fügen sich nahtlos in digital vernetzte Strukturen ein«, führt Enno Scharphuis aus.

Rokit als Baukasten für die mobile Robotik

Darüber hinaus hat Bosch Rexroth sein modulares, aus Soft- und Hardwarekomponenten bestehendes Mobilrobotik-Kit »Rokit« weiterentwickelt, mit dessen Hilfe sich fahrerlose Transportsysteme, Gabelstapler oder mobile Roboter schnell realisieren lassen. Den Schwerpunkt gelegt hat das Unternehmen dabei auf mehr Robustheit und noch einfachere Benutzerführung durch den »Rokit aXessor« über den gesamten Lebenszyklus: vom raschen Engineering über die Inbetriebnahme und Bedienung ohne Expertenwissen bis zum reaktionsschnellen Service. Zudem unterstützt Rokit jetzt auch den Dual-Laser-Einsatz sowie die Kompatibilität mit Reflektoren für spezielle Einsatzszenarien. Das neue Feature »Map Expansion« ermöglicht obendrein die Erweiterung bestehender Karten.

Der Rokit-Baukasten umfasst Soft- und Hardwarekomponenten für das autonome Fahren von Fahrzeugen der verschiedensten Architekturen und Größenordnungen. In einem offenen System fügen sich die Bausteine nahtlos in übergeordnete Steuerungen ein und unterstützen marktübliche Laserscanner. Der »Rokit Locator« erfasst die Fahrzeugposition in Echtzeit und erstellt eigenständig Umgebungskarten. Der »Rokit Navigator« plant dynamisch die Fahrwege und ermöglicht für die gesamte Flotte eine Reaktion auf Hindernisse. Der »Rokit Motor«, ein einbaufertiges Antriebsmodul für Nutzlasten bis zu einer Tonne, erweitert den Baukasten für mobile Roboter um eine leistungsfähige Standard-Hardware. Die Antriebe befinden sich bereits im Piloteinsatz.

Die verbesserte Benutzerschnittstelle des jetzt auch auf Chinesisch verfügbaren Rokit aXessor vereinfacht über intuitive Perspektivwechsel das Engineering sowie die Inbetriebnahme, den Betrieb und den Service der Fahrzeuge. Dafür ist kein Expertenwissen erforderlich. Der Rokit aXessor ermöglicht einen zentralen Zugang zu allen Rokit-Komponenten. In der Perspektive benötigen Anwender nach dem sicheren Login nur wenige Klicks für eine Express-Kartierung ohne bauliche Maßnahmen wie Reflektoren oder Streifen auf dem Boden. Wizard-gestützt weisen Anwender die in Minuten erfasste Karte allen betreffenden Fahrzeugen ihrer Rokit-Locator-Flotte zu. Die Visualisierung zeigt, wie viele und welche Fahrzeuge (Clients) auf dem in der Karte gezeigten Ausschnitt tätig sind. Auch der Betrieb erfordert kein Expertenwissen.

Der kostenfreie Rokit aXessor umfasst in der Basisversion alle Funktionen für Inbetriebnahme und Betrieb einer Flotte. Weitere Komfortfunktionen für den Betrieb großer Flotten übernimmt künftig die Erweiterung »Rokit aXessor Plus«. Das Graphical User Interface (GUI) läuft sowohl unter Windows als auch unter Linux.

Dual-Laser- und Reflektorbetrieb

Bereits im aktuellen Release unterstützt Rokit auch den Dual-Laser-Betrieb. Mittels des zweiten Lasers können Fahrzeuge sicher vorwärts und rückwärts fahren, ohne zu wenden. Auch weiterhin benötigt der Rokit Locator keine baulichen Einrichtungen, um zentimetergenau die Position innerhalb der kartierten Umgebung zu bestimmen. Optional können Reflektorstreifen die Robustheit der Laserlokalisierung an Schlüsselstellen erhöhen. Damit ist der Rokit Locator ohne bauliche Maßnahmen in Bereichen einsetzbar, die häufig eine Herausforderung für Laserlokalisierungstechniken darstellen.

Ebenfalls neu ist die Funktion »Map Expansion«. Sie erweitert bestehende Karten über einen grafisch geführten Mapping-Algorithmus. Ohne Expertenwissen und ohne Infrastrukturanpassungen kartieren Anwender damit neue Korridore oder zusätzliche Hallen und Außenbereiche.

Maßgeschneiderte Service-Pakete

Mit Service Level Agreements (SLA) für Rokit begleitet Bosch Rexroth OEMs und Endanwender durch den Betriebsalltag. Die SLA umfassen beispielsweise einen First Level Support mit weltweit garantierten kurzen Reaktionszeiten im Falle von dringendem Handlungsbedarf. Darüber hinaus enthalten sie kostenfreie Updates mit den neuesten Merkmalen und Funktionen des Rokit Locator. Die Abrechnung der Services erfolgt jährlich.

Die zentral über den Rokit aXessor bedienten Komponenten Rokit Locator, Rokit Navigator und Rokit Motor automatisieren autonom fahrende Fahrzeuge in der Intralogistik sowie mobile Roboter für die Fertigung und für Anwendungen im Handel und in Krankenhäusern. Der Baukasten soll künftig um weitere Module der mobilen Robotik erweitert werden. 


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