Schwerpunkte

High-Tech-Blitzableiter

Blitze mit Laserpulsen unschädlich machen

22. Juli 2021, 09:00 Uhr   |  Heinz Arnold

Blitze mit Laserpulsen unschädlich machen
© Trumpf/Martin Stollberg

Der Laser erzeugt eine Art Kanal in Gewitterwolken, durch die Blitze kontrolliert auf dem Boden einschlagen.

Mit Hilfe von Laserpulsen wollen Trumpf und die Uni Genf Blitze aus Gewitterwolken gezielt und kontrolliert ableiten, um Schäden zu verhindern.

Dazu finden im Lauf der nächsten Wochen auf dem Berg Säntis Wetterexperimente statt, mit dem Ziel, Blitze aus Gewitterwolken gezielt und kontrolliert abzuleiten und somit perspektivisch Schäden durch unkontrollierte Blitzeinschläge zu verhindern. Clemens Herkommer, Laseringenieur bei Trumpf Scientific Lasers in Unterföhring bei München, hat in den vergangen vier Jahren diesen bis dato einmaligen Super-Laser eigens für dieses Projekt entwickelt: »Der Laser-Blitzableiter ist einer der stärksten Laser seiner Klasse, die es derzeit gibt. Wir schießen mit tausend Laserpulsen pro Sekunden in die Wolken und wollen damit Blitze unschädlich und die Welt dadurch ein Stück weit sicherer machen«, sagt Herkommer.

Durch Blitzeinschläge in Flughäfen, Atomkraftwerken, Wolkenkratzern und Wäldern entstehen jährlich Schäden in Höhe von mehreren Milliarden Euro. Allein in den USA entsteht durch Gewitter und Blitzschlag ein wirtschaftlicher Schaden von 5 Mrd. Dollar jährlich, meist durch Störungen des Flugverkehrs und Schäden an Flugzeugen oder Hochspannungsleitungen. Aus diesem Grund hat die EU das Projekt »Laser Lightning Rod« ins Leben gerufen. Der Laser von Trumpf ist das Herzstück dieses Projektes. Er erzeugt eine Art Kanal in Gewitterwolken, das sogenannte Laser-Filament. Sobald sich ein Blitz aus der Gewitterwolke entladen möchte, lässt dieses Laser-Filament dem Blitz keine andere Chance, als durch den vorgegebenen Kanal kontrolliert auf dem Boden einzuschlagen. Die Entwicklung des Lasersystems hat rund 2 Mio. Euro gekostet.

Das ist der Superlaser von Trumpf

Trumpf Laser Blitzableiter
Trumpf Laser Blitzableiter 2
Trumpf Laser Blitzableiter 2 5

Alle Bilder anzeigen (8)

Per Helikopter auf die Bergspitze

»Wir haben in den vergangenen Jahren intensiv an diesem Laser gearbeitet und ihn für seinen Einsatz auf dem Säntis vorbereitet. Im Labor funktioniert der Laser einwandfrei. Wir sind sehr optimistisch, dass er auch in der Atmosphäre Blitze ableiten wird«, sagt Herkommer. Erste Ergebnisse erwarten die Projektpartner unter der Führung des Wetterforschers Prof. Jean-Pierre Wolf von der Universität Genf zum Ende des Sommers 2021.

Bereits der Transport des Lasers auf dem Säntis war ein Rekord-Unterfangen: Der Laser ist mit neun Metern Länge und rund fünf Tonnen Gewicht relativ sperrig. Um ihn auf die Wetterstation auf der Bergspitze zu transportieren, haben Clemens Herkommer und seine Projektpartner den Laser in mehrere Einzelteile zerlegt und ihn Ende Mai 2021 per Seilbahn und Helikopter auf den Gipfel gebracht. Nachdem sie die Laseranlange in den vergangenen Wochen wieder aufgebaut und in Betrieb genommen haben, haben nun die Wetterexperimente begonnen.

Der Berg und die Projektpartner

Dass der laserbasierte Blitzableiter auf dem Schweizer Berg Säntis installiert wurde, ist kein Zufall. Auf dem Säntis schlagen während der Gewitterhochphase in den Monaten Juni, Juli und August hunderte Blitze ein.

Gemeinsam mit Trumpf und Prof. Jean-Pierre Wolf arbeiten die Universität Genf, das französische Zentrum für wissenschaftliche Forschung (CNRS), die Beratung AMC, die Polytechnische Hochschule in Lausanne, das Luft- und Raumfahrtunternehmen Ariane Group sowie die Universität für angewandte Wissenschaften der westlichen Schweiz, HES an dem Projekt.

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Verwandte Artikel

TRUMPF Laser GmbH + Co. KG