Wie Laser-Spezialisten kooperieren

So kommt der richtige Strom in den Laser

19. Juli 2022, 9:28 Uhr | Heinz Arnold
Schumacher Elektromechanik
Rafath Shala, Mitarbeiter von Schumacher, an der Dampfphasenlötmaschine des Unternehmens
© Schumacher Elektromechanik

Im Münchner Raum haben sich zahlreiche Unternehmen rund um die Laser-Technik angesiedelt, die eng kooperieren, wie der Laser-Hersteller InnoLas Laser und Stromversorgungsspezialist Schumacher Elektromechanik zeigen.

Stromversorgungen für Laserquellen sind nicht einfach zu realisieren. Denn anders als Labornetzteile sind sie Konstantstrom-geregelt und werden zusätzlich gepulst. Zudem benötigen Blitzlampen sehr hohe Zündspannung von teilweise 10 kV. Gepulste CW-Dioden wiederum benötigen sehr hohe Ströme – bis zu ca. 500 A sind nichts Besonderes – und eine außerordentlich hohe Stabilität. »Die Anforderungen, die Laserquellen an die Stromversorgungen stellen, sind also sehr speziell, deshalb können Standard-Stromversorgungen in vielen Fällen nicht eingesetzt werden und kommen höchstens einmal als Ausgangsbasis für eine Laser-Stromversorgung infrage«, erklärt Hans Schumacher, Geschäftsführer von Schumacher Elektromechanik. Zudem nützt auch die »nackte« Stromversorgung nichts, denn sie muss mit den übrigen Komponenten, beispielsweise der Kühlung, harmonieren, und auf die jeweiligen Anforderungen eines Lasers abgestimmt sein.

Hans Schumacher muss es wissen, denn seit vielen Jahren hat sich sein Unternehmen auf die Entwicklung und die Fertigung von Stromversorgungen für Laser spezialisiert – und zwar für High-End-Laser, wie sie in der Industrie, in der Medizintechnik und im wissenschaftlichen Umfeld benötigt werden. Die Produktion ist nach der ISO-Norm 13485 zertifiziert, die zu Herstellung und Vertrieb von medizinischen Geräten berechtigt. »Da gibt es unzählige Einstellmöglichkeiten und Parameter, deshalb liefern wir alles aus einer Hand«, erklärt Schumacher. »Die Anwender müssen sich also nicht damit herumschlagen, die vielen verschiedenen Komponenten verschiedener Hersteller aufeinander abzustimmen.«

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+
InnoLas
Das Gebäude von InnoLas in Krailling bei München
© InnoLas

Dass Stromversorgungen für Laserquellen etwas Besonderes sind, wird schon bei einem Rundgang durch die Firma Schumacher in München-Pasing deutlich: Von der Erstellung des Leiterplatten-Layouts über die Bestückung der Leiterplatten – je nach Stückzahl mit der Hand oder auch über SMD-Bestückungsautomat – bis zum Einbau der Komponenten ins fertige Stromversorgungsgehäuse und dem Crimpen der Kabel geschieht alles in eigener Regie. Diese Fertigungstiefe ist gerechtfertigt, weil es sich in vielen Fällen um sehr spezifisch auf die jeweiligen Einsatzfälle zugeschnittene Produkte handelt. Deshalb kommt es darauf an, die Kontrolle über möglichst viele Fertigungsschritte zu haben. »Auch die richtigen Kabel mit den richtigen Anschlüssen und den jeweils richtigen Längen schnell herstellen zu können, denn wenn nicht alle Komponenten genau aufeinander abgestimmt sind, funktionieren die hochspezialisierten Stromversorgungen nicht«, so Schumacher.

Genau das mag Hans Schumacher an diesem Geschäft: Er tüftelt gerne selber an neuen Problemen, erstellt dafür die erforderliche elektronische Schaltung und layoutet die Leiterplatte. Das Unternehmen verfügt über einen entsprechenden vollautomatischen SMD-Bestückungsautomat und eine Dampfphasenlötmaschine, um die Leiterplatten auch entsprechend zu bestücken.

Hans Schumacher
Hans Schumacher, Geschäftsführer von Schumacher Elektromechanik: »Dass wir alle Ressourcen im eigenen Hause vorhalten, hilft enorm – und wir haben inzwischen einen riesigen Schatz an Know-how angesammelt; diesen Vorsprung kann niemand einfach mal nebenbei aufholen.«
© Schumacher Elektromechanik
Kelnberger Reinhard
Reinhard Kelnberger, Geschäftsführer von InnoLas Laser: »Die LMU und die TU München sind sehr gut aufgestellt, was Forschung und Ausbildung im Bereich Lasertechnik anbelangt.«
© InnoLas

Das ist für ihn ein durchaus übliches Vorgehen: mit einer speziellen Entwicklung für einen bestimmten Kunden mit seinen spezifischen Anforderungen zu starten. Was als Kleinserie beginnt, wird in vielen Fällen über die Zeit auch für weitere Kunden interessant, und plötzlich kann Schumacher 1000 Stück pro Jahr verkaufen. Zudem ist es nicht erforderlich, einen neuen Stromversorgungstyp jedes Mal von Grund auf neu zu entwickeln: »Meist sind 80 Prozent der Entwicklungen bereits in der Vergangenheit durchgeführt worden, der Aufwand lässt sich so also doch in Grenzen halten«, sagt Schumacher.

Allerdings räumt er auch freimütig ein: »Die technische Umsetzung ist für uns der Antrieb, erst dann kommt das Geld.« Genau das hat dem Unternehmen eine einzigartige Stellung auf dem Markt verschafft: »Dass wir alle Ressourcen im eigenen Hause vorhalten, hilft enorm – und wir haben inzwischen einen riesigen Schatz an Know-how angesammelt; diesen Vorsprung kann niemand einfach mal nebenbei aufholen.«

Zudem hat sich eine außerordentlich fruchtbare Zusammenarbeit mit InnoLas Laser ergeben, die bequemerweise nur wenige Kilometer entfernt in Krailling bei München ansässig ist. InnoLas Laser hat sich auf die Entwicklung und Fertigung hochpräziser Laserquellen spezialisiert, die im industriellen Umfeld, an Universitäten und in der Forschung zum Einsatz kommen. Reinhard Kelnberger, der InnoLas Laser 1995 gegründet hat und das Unternehmen heute leitet, bestätigt, was Hans Schumacher bereits angesprochen hat: »Laserquellen benötigen zumeist einzigartige Stromversorgungen.« So kamen InnoLas und Schumacher schon vor mehr als 20 Jahren in Kontakt und arbeiten seitdem sehr eng zusammen.

Ganz zufällig war das nicht. Denn München ist eines der Zentren der Laser-Forschung in Deutschland und Europa. Reinhard Kelnberger ist jedenfalls vom Entwicklungsstandort München begeistert: »Die LMU und die TU München sind sehr gut aufgestellt, was Forschung und Ausbildung im Bereich Lasertechnik anbelangt. Zudem gibt es an der TH München einen Studiengang Photonics, der sehr praxisnah orientiert ist. Somit haben wir am Entwicklungsstandort München einen großen lokalen Vorteil – auch wenn es darum geht, gut ausgebildete Mitarbeiter zu rekrutieren.«


  1. So kommt der richtige Strom in den Laser
  2. Die Zusammenarbeit hat sich über zwei Jahrzehnte bewährt

Das könnte Sie auch interessieren