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Interview Angst+Pfister Sensor and Power

»Ein Schritt in die gemeinsame Zukunft«

30. April 2021, 09:50 Uhr   |  Nicole Wörner

»Ein Schritt in die gemeinsame Zukunft«
© Pewatron

Thomas Röttinger, Angst+Pfister Sensors and Power: »Mit der Übernahme des Namens unserer Muttergesellschaft für das Sensors-and-Power-Geschäft wollen wir die Positionierung von Angst+Pfister in diesen Märkten forcieren.«

Seit 1. März 2021 ist der Sensorhersteller Pewatron auch namentlich mit seiner schweizerischen Muttergesellschaft Angst+Pfister verschmolzen und firmiert nun unter Angst+Pfister Sensors and Power. Geschäftsführer Thomas Röttinger über die Hintergründe, Pläne und Aussichten des Unternehmens.

Markt&Technik: Herr Röttinger, Pewatron gehört bereits seit einigen Jahren zur Angst+Pfister-Gruppe. Warum haben Sie sich jetzt zu der Umfirmierung entschieden und was versprechen Sie sich davon?

Thomas Röttinger: Die Angst+Pfister-Gruppe ist ein weltweit agierendes, mittelständisch geprägtes Unternehmen im Privatbesitz. Gemeinsam mit Angst+Pfister haben wir vor knapp 15 Jahren einen langfristig angelegten Entwicklungsprozess angestoßen – von einem breit aufgestellten Anbieter für mechanische und elektronische Komponenten hin zu einem Engineering-basierten und auf ausgewählte Schwerpunkte wie Elastomere, Dämpfungsprofile und Elektronik fokussierten Partner für OEM-Kunden. Sensoren und Power-Produkte, wie sie die ehemalige Pewatron angeboten hat, sind ein ganz wesentlicher Teil dieser Strategie. Mit der Übernahme des Namens unserer Muttergesellschaft für das Sensors-and-Power-Geschäft wollen wir dies noch stärker zum Ausdruck bringen und die Positionierung von Angst+Pfister in diesen Märkten entsprechend forcieren.

Wird Angst+Pfister Sensors and Power als eigenständiges Unternehmen agieren?

Ja. Wie der Name schon sagt, werden wir uns weiter auf Sensorik und Power-Produkte konzentrieren und auch entsprechend eigenständig agieren. Dort, wo vorhanden und sinnvoll, werden wir natürlich auch Synergien mit anderen Aktivitäten der Gruppe nutzen. So werden wir voraussichtlich ab Mai Sensoren und Power-Produkte auch über den Online Shop der Angst+Pfister-Gruppe anbieten.

Werden diese Synergien zu einem Stellenabbau führen? Oder hat es diesen sogar schon gegeben?

Zweimal nein. Wir sind ein Unternehmen, das auf nachhaltiges Wachstum ausgerichtet ist, basierend auf enger Kooperation mit unseren Kunden. In den letzten Jahren waren wir damit sehr erfolgreich und wir gehen davon aus, dass wir dies auch weiterhin sein werden. Natürlich nutzen wir Synergien, wo immer möglich. Kombiniert mit entsprechendem Wachstum und Austausch innerhalb der Gruppe führen diese aber nicht zu Stellenabbau.

Wie sieht es mit dem Branding aus? Bleibt der Name Pewatron als Marke bestehen?

Wir werden uns auf den Brand Angst+Pfister konzentrieren und dort, wo es sinnvoll ist, auch den Subbrand Angst+Pfister Sensors and Power kommunizieren. Die Marke Pewatron werden wir nur für einige bestehende Produkte weiterführen.

Inwieweit ändert sich mit der Verschmelzung der Unternehmensfokus? Werden Sie andere – vielleicht für ehemals Pewatron sogar neue – Märkte adressieren?

Wir werden uns weiter auf unser bestehendes Geschäft fokussieren: Sensorik, Power-Supply- und Antriebslösungen für Kunden in Medizin, Industrie und Transportation. Basis dafür sind Produkte von Herstellern wie Fujikura, NVE, Murata etc., ergänzt durch Geräte, die wir selbst entwickeln. Darüber hinaus entwickeln wir gerade zusammen mit den Elastomerexperten in der Angst+Pfister-Gruppe hochintegrierte Sensorlösungen zur Messung von Druck und Kräften in Oberflächen. Typische Anwendungen wären hier IoT-basierte Mengenbestimmungen im Bereich Logistik, Füllstände etc.

Stichwort Entwicklung: Legt künftig der Mutterkonzern die Produkt- und Technologie-Roadmap fest oder haben Sie das weiterhin selbst in der Hand?

Die Frage impliziert einen gewissen Interessenskonflikt, den wir bei uns im Haus bisher nicht gesehen haben. Wir legen die Produkt- und Technologie-Roadmap als Team bestehend aus unserem Produktmanagement, dem Group Engineering und den Entscheidungsträgern auf Management-Ebene fest – inklusive unserem Eigentümer Christof Domeisen.

Was ändert sich für die Kunden – deren Aufträge im Falle der ehemaligen deutschen Pewatron GmbH ja jetzt den schweizerischen Zollbedingungen unterliegen?

Dieses Thema haben wir bereits vor Jahren gelöst. Wir bedienen Kunden in der EU wo gewünscht über unsere Niederlassungen in den entsprechenden Ländern und können damit die Ware wie jedes andere in der EU ansässige Unternehmen EU-verzollt anbieten. In unserem Fall wäre das dann die Angst+Pfister Sensors and Power Deutschland GmbH.

Pewatron war das, was man im klassischen Sinn als stabilen deutschen Mittelständler bezeichnet. Nun sind Sie Teil eines weltweit agierenden Konzerns. Ist das heutzutage das Beste, was ein Mittelständler tun kann? Wie sehen Sie generell die Zukunft des deutschen Mittelstands?

Mit etwas über eintausend Mitarbeitern und als inhabergeführtes Unternehmen sehen wir die Angst+Pfister-Gruppe immer noch als mittelständisch an. Ich persönlich sehe auch die Zukunft des deutschen beziehungsweise europäischen Mittelstands nach wie vor positiv. Gerade in der Sensorik gibt es viele Beispiele, wie sich mittelständisch geprägte Unternehmen zu globalen Champions entwickelt haben und gleichzeitig ihre Eigentümerstruktur und Firmenphilosophie beibehalten konnten. Gleichzeitig wird es aber immer wieder Fälle geben, in denen sich Nachfolgeregelungen im Rahmen der Eigentümerfamilien als schwierig erweisen und sich ein Verkauf an meist größere Unternehmen als die sinnvollste Lösung darstellt.

Werfen wir zum Schluss noch einen Blick auf die aktuelle Geschäftssituation. Wie sind Sie bisher durch die Corona-Zeit gekommen?

Ein großer Teil unseres Medizingeschäftes mit Drucksensoren besteht aus Lieferungen an Hersteller von Beatmungs- und Patientenüberwachungsgeräten. In diesem Bereich hatten wir im Jahr 2020 natürlich einen nie da gewesenen Bedarf, der die Rückgänge in anderen Bereichen mehr als kompensiert hat. Die Lager bei unseren Kunden und deren Endkunden für diese Medizingeräte sind jetzt voll, was zu einer Bedarfsanpassung bei den Komponenten führt. Das kompensieren wir derzeit sehr gut in anderen Marktsegmenten. Zum Beispiel sehen wir aktuell eine massive Erhöhung des Bedarfs im Bereich Pneumatik. Vor allem die Verschärfung der Emissionsvorschriften für LKW treibt derzeit die Nachfrage für unsere Druck- und Positionssensoren.

Wie geht es – auch angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie – weiter? Was dürfen wir als Nächstes erwarten?

Es wird positiv weitergehen – davon bin ich überzeugt. Wenn wir uns daran erinnern, welche volkswirtschaftlichen Schreckensszenarien wir vor gut einem Jahr zu Beginn des Lockdowns an die Wand gemalt haben, dann ist die europäische Industrie bis auf wenige Ausnahmen viel besser durch die Pandemie gekommen als erwartet. Die derzeitigen Ausschläge nach oben – Stichwort: Bauteilknappheit – werden sich aus unserer Sicht in den nächsten Monaten noch etwas verstärken und dann voraussichtlich Ende des Jahres 2021, wenn auch die entsprechenden Kapazitäten geschaffen sind, wieder normalisieren. Falls uns seitens der Finanzmärkte und eventuell neuer Varianten des Coronavirus kein Strich durch die Rechnung gemacht wird, werden Konsum und industrielle Produktion sicher weiter steigen.

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