Intel in Zeiten von IoT Auf dem Weg zum datenzentrierten Unternehmen

Die Smart Factory und Industrie 4.0 sind nur einige Märkte, auf die Intel in Zukunft im IoT-Umfeld abzielt.

Die KI-getriebene Welt verlange nach mehr als Prozessoren, so Hannes Schwaderer von Intel. Wie das Unternehmen neue Wachstumsfelder erobert, erklärt er im Interview mit Markt&Technik.

»Die Wachstumstreiber hat Intel identifiziert – und die Technologien, die künftig vorangetrieben werden müssen, um vom KI- und IoT-Wachstum zu profitieren.
Die CPU ist für den Endkunden nicht entscheidend, aber wenn wir nicht wissen, was genau entscheidend für den Endkunden ist, dann wird es auch für uns nicht einfach, CPUs zu verkaufen«, sagt Hannes Schwaderer, Head of Enterprise Sales Global Markets and Partners von Intel Deutschland. Das war schon vor zehn Jahren abzusehen. Deshalb hat Intel bereits sehr früh eine dedizierte Gruppe ins Leben gerufen, die sich darum kümmert, was genau für den Endkunden wichtig ist. Dass sie von Deutschland aus betreut wird, dürfte kein Zufall sein. Sie steht mit 160 bis 170 Unternehmen regelmäßig in Kontakt und leitet aus den Gesprächen sowie den daraus resultierenden Erkenntnissen ab, welche neuen Techniken Intel intern entwickeln müsste, um die künftigen Anforderungen der Kunden ihrer Kunden erfüllen zu können.

Denn schon vor zehn Jahren zeichnete sich ab, dass sich Marktsegmente bilden, die sich mit nur wenigen universellen Prozessoren alleine nicht mehr abdecken lassen. Der Siegeszug von IoT und seit einigen Jahren der künstlichen Intelligenz (KI) hat diese Entwicklung noch beschleunigt.

»Jetzt zeigt sich besonders augenfällig, wie wichtig es ist, die Wertschöpfungskette vollständig zu verstehen, um die Roadmaps für unsere CPUs und Chipsets, aber auch für den Einsatz neuer Technologien in unterschiedlichen Märkten aufstellen zu können. Zu diesen Märkten zählen unter anderem IoT, Chemie/Pharmazie, Industrie 4.0, autonomes Fahren, Cloud-Services, High-Performance-Computing und – nicht zu vergessen – auch das Bildungswesen«, erklärt Hannes Schwaderer.

Ausprobiert hatte Intel den neuen Ansatz bereits vor sieben Jahren auf dem damals sich entwickelnden Feld der Smart Grids. In Zusammenarbeit mit einem Energieunternehmen in Deutschland untersuchte Intel, wie sich das Netz digitalisieren ließe und welche Vorteile dies einem Versorger bringen würde. Eigentlich ein dankbares Feld, weil die Digitalisierung auf der Verteilnetzebene praktisch noch nicht eingezogen war. Asset-Tracking, die Überwachung der Auslastung der Schaltanlagen und sonstigen Komponenten, Predictive Maintenance – all dies war auf der Mittel- und Niederspannungsebene noch nicht angekommen. Genauso im Dunkeln lag, wie sich 1,2 Mio. einspeisende PV-Anlagen ins Niederspannungsnetz integrieren ließen.

»Wir haben im Rahmen der Zusammenarbeit eine Vorhersagemethode entwickelt, die Daten von Smart Metern genauso wie von Ortsnetzstationen und Mittelspannungstrafos gesammelt sowie Wettervorhersagen einfließen lassen, um eine verlässliche Vorhersage des Verbrauchs über drei Tage treffen zu können«, erinnert sich Hannes Schwaderer. Daraus hat sich jetzt ein Microgrid-Projekt entwickelt, das weit über den Pilotstatus hinausgeht. Zuerst wird es in Anzing bei München umgesetzt, von wo aus sich die Microgrids dann Schritt für Schritt über weitere Gebiete in Deutschland ausbreiten sollen.

Der datenzentrische Blickwinkel

Das eigentlich Interessante dabei: Intel hatte diesen Marktsektor nicht mehr nur aus Sicht des Prozessorherstellers betrachtet, sondern aus einer datenzentrierten Perspektive, wie Schwaderer erklärt. Das war gegenüber der bisherigen Tradition ein Bruch. Denn als Prozessorhersteller hatte Intel bis dahin die Entwicklung der PC- und Server-Märkte beobachtet und bewertet. Aus diesem Blickwinkel ließ sich der Total Available Market (TAM) relativ einfach überschauen und prognostizieren. »Wer in dieser statischen Welt wachsen wollte, konnte das nur über Verdrängungswettbewerb tun«, so Schwaderer.

Das Wichtigste aber entging dieser Blickweise, wie das Beispiel der Smart Grids gezeigt hatte: Erst aus der datenzentrischen Perspektive gerieten die Marktsektoren auf den Schirm, die das größte Wachstumspotenzial bieten. Erst so werden die Wachstumsdynamik und die Chancen dieser neuen Märkte offenbar. Dann geht es nicht mehr um Verdrängung, sondern darum, die Chancen der neuen Märkte rechtzeitig zu nutzen. Sie kann aber nur ein Unternehmen wahrnehmen, das über die Produktgruppe der Prozessoren weit hinausdenkt.