Kommentar: Dieser Kater wird dauern Politik hat Renault-Merger zerstört

Fertigung bei Renault
Fertigung bei Renault

Nach dem geplatzten Merger mit Fiat Chrysler (FCA) steht Renault als Unternehmen mit hohem Einfluss von Seiten des Staates ziemlich alleine da.

Der französische Staat hält 15 Prozent an Renault. Eine französische Besonderheit: Nach dem »Loi Florange« erhält der Staat Stimmrechte, die dem doppelten des eigentlichen Anteils von 15 Prozent entsprechen. Und er mischt sich vehement ein. So hat haben seine zwei Vertreter im Verwaltungsrat im Rahmen der Verhandlungen mit  Fiat Chrysler Forderungen gestellt, auf die FCA nicht eingehen wollte – deshalb ließ FCA den Merger nach dem Motto „lieber ein Ende mit Schrecken“ plötzlich und  mit einem lautem Knall platzen.

Nissan hätte ein Zusammenschluss wohl ebenfalls wenig gefallen, weil das die Stellung Renaults in der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi gestärkt, die eigene geschwächt hätte. Die Vertreter des französischen Staats wollten nach eigener Aussage Nissan vom Wert des Mergers auch für die Allianz überzeugen und hätten dafür noch etwas Zeit benötigt – die die FCA nicht geben wollte.

Ob die Überzeugungsarbeit gelungen wäre? Nissan dürfte weiterhin befürchten, dass Frankreich den dominanten Einfluss Renaults zumindest bewahren, wenn nicht ausbauen will. Dass Nissan über den Einstieg in die Verhandlungen mit FCA nicht informiert wurde, dürfte das Misstrauen noch verstärkt haben. Die Allianz wurde also durch den Verlauf der Merger-Verhandlungen weiter geschwächt, das Misstrauen wurde nicht beseitigt – im Gegenteil.  

Eine unrühmliche Rolle spielt der Staat als Aktionär. FCA konnte Renault als staatsgelenktes Unternehmen vorführen, mit dem eine Zusammenarbeit unter diesen Bedingungen nicht möglich ist. Auch die Position von Ghosn-Nachfolger Jean-Dominique Senard ist nach dem chaotischen Verhandlungsverlauf während der Aufsichtsratssitzung in der Nacht vom vergangenen Mittwoch auf Donnerstag beschädigt: Welche Autorität kommt ihm zu, wie weit reicht die des Staates?

Währenddessen hat sich Hiroto Saikawa, Präsident und CEO von Nissan, weitgehend zurückgehalten – er war ja gar nicht involviert. Das dürfte nach seiner Einschätzung allein schon genug aussagen. Es sickerte aber durch, dass Nissan über den geplatzten Merger in dieser Form nicht unzufrieden ist. Saikawa sieht seine Hauptaufgabe jetzt darin, Nissan wieder auf Spur zu bringen. Für die schlechten Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres hat er schon einmal Carlos Ghosn verantwortlich gemacht.

Der Verlierer ist Renault. Während die Automobilhersteller weltweit unter dem Druck der Veränderungen – Elektrifizierung, autonomes Fahren, neue Mobilitätskonzepte – Kooperationen ausloten, um die hohen Investitionen in die Zukunft aufbringen zu können, steht Renault allein da. Als ein Unternehmen, das nicht nur vom Management sondern auch vom Staat gesteuert wird und deshalb ein schwieriger Partner wäre. Was auch einiges über die französische Industriepolitik im Allgemeinen aussagt. Renault jedenfalls dürfte noch lange unter dem Kater nach der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag zu leiden haben. Frankreich insgesamt auch.