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Isar Aerospace startet Produktion

08. September 2020, 06:07 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

Isar Aerospace startet Produktion
© Andrey Armyagov | shutterstock.com

Weltraumsatellitenüberwachung zum Beispiel für Wetterprognosen.

Im Münchner Süden entsteht ein neues Raumfahrtunternehmen. Gestern eröffnete das Start-up Isar Aerospace die Produktion für Trägerraketen im Beisein von Ministerpräsident Markus Söder. 2021 soll die erste Rakete in den Weltraum starten.

Nach zwei Jahren Entwicklungszeit wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht: Die Produktion der ersten Trägerrakete startet. 2018 gründeten Josef Fleischmann, Markus Brandl und Daniel Metzler – alle drei haben Luft- und Raumfahrt an der technischen Universität München (TUM) studiert – ihr Start-up Isar Aerospace. Die Trägerraketen sollen in den nächsten Jahren zehntausende Kleinsatelliten ins All befördern. Sie sind konzipiert, um zum Beispiel eine bessere Internetverbindung zu gewährleisten oder Erdbeobachtungsdaten zu generieren. Die Kleinsatelliten werden in niedrigen Erdumlaufbahnen in etwa 500 km Höhe ausgesetzt – das ermöglicht es, schnelle Daten auf die Erde zu übermitteln.

Zwei Antriebsstränge

Die Trägerrakete der TUM-Ausgründung ist besonders leicht und effizient: Sie ist 27 Meter lang und hat einen Durchmesser von zwei Metern. Für den Antrieb ist ein Cluster an Triebwerken zuständig, welches das Start-up mithilfe von 3D-Druck kostengünstig und vollautomatisiert fertigt. Betrieben werden sie mit neuen, leichten Kraftstoffen. Sie verbrennen in den Brennkammern unter hohem Druck sehr sauber und effizient. Das erste Cluster hat neun Triebwerke mit 150 s Verbrennungszeit und einer Schubkraft von 675 kN, das zweite ein Triebwerk mit 300 s Verbrennungszeit und 95 kN. »Wir erzielen auf diese Weise einen sehr hohen Wirkungsgrad«, betont Metzler.

Isar Aerospace
© Isar Aerospace Technologies GmbH

Die Gründer von Isar Aerospace (v.l.n.r.): Josef Fleischmann, Markus Brandl und Daniel Metzler.

Großes Interesse

Die Idee für die Trägerrakete entstand 2017 in den Werkstätten der TUM. Zusammen mit seinem Team hatte Metzler ein kleines Triebwerk für eine Forschungsrakete entwickelt. Als Reaktion auf einen Film zum Projekt, gab es zahlreiche Anfragen aus der Industrie. Elon Musk muss sich also warm anziehen: Laut Metzler gibt es bereits ein Kundeninteresse im Wert von mehreren hundert Millionen Euro.

Prototypen der Triebwerkskomponenten entstanden in der High-Tech-Werkstatt MakerSpace in Garching. Der Clou: Das Team setzt lediglich eine Art von Triebwerk in mehreren Clustern ein. Bisherige Raketen setzen dagegen auf unterschiedliche Triebwerke. Mit dem Trick sparen die jungen Gründer sowohl Entwicklungs- als auch Produktionskosten.

Benötigtes Startkapital investierten zunächst UnternehmerTUM Venture Capital Partners sowie private Investoren. Gefördert wurde das Start-up außerdem vom Business Incubation Center der ESA in Oberpfaffenhofen.

Produktion eröffnet

Nach zwei Jahren Entwicklungszeit wurde am 07. September ein wichtiger Meilenstein erreicht: Die Produktion der ersten Rakete beginnt. Im Beisein von Ministerpräsident Dr. Markus Söder und TUM-Präsident Prof. Dr. Thomas F. Hofmann eröffneten die jungen Unternehmer ihre Produktionshallen auf einer Fläche von 4.500 Quadratmetern in Ottobrunn bei München. Gelingen soll die Produktion zunächst mit 100 Mitarbeitern – weitere sollen dazukommen.

Auch der nächste Meilenstein ist bereits in Sichtweite: 2021 soll die erste Transport-Rakete, beladen mit Kleinsatelliten, in den Orbit starten. Wenn alles nach Plan verläuft, kann direkt danach die Serienproduktion beginnen – 20 Raketen will Isar Aeropace dann pro Jahr bauen.

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