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Hochschulen engagieren sich


Fortsetzung des Artikels von Teil 6

Besonderer Handlungsbedarf in Sekundarstufe I

Besonderer Handlungsbedarf in Sekundarstufe I

Prof. Dr. W. Bos, Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS), sieht besondern Handlungsbedarf bereits in der Schule, und zwar vor allem in der Sekundarstufe I. Laut dem Schulleistungstest TIMSS (Third International Mathematics and Science Study) am Ende der Grundschule ist bei unseren Schülern durchaus technisches Interesse vorhanden, und es werden gute Leistungen in Mathematik und Naturwissenschaften erbracht – auch im Vergleich zu anderen Ländern. Nur Korea, Japan, USA, Österreich und Australien schneiden besser ab. Wenige Jahre später, nach Abschluss der Sekundarstufe I, hat sich das Bild, das der Schülerleistungstest PISA zeigt, gedreht: Die deutschen Schüler sind zurückgefallen, Länder jedoch, die noch beim TIMSS deutlich schlechter abschnitten, haben sich verbessert. Beim IFS ist man nun der Frage nachgegangen, was die Länder, die sich so deutlich verbessern konnten, anders gemacht haben.

Üblicherweise geht man davon aus, dass sich die Leistung von Schülern durch die Klassengröße verbessern lässt. Und das ist auch so – allerdings nur in den Extremen, also besonders große Klassen wirken leistungsmindernd, und besonders kleine Klassen haben einen positiven Effekt. In dem Bereich dazwischen spielt die Klassengröße praktisch keine Rolle. Auch der Vergleich der Stundenzahl zeigte keine signifikanten Unterschiede – mehr Unterricht bringt nicht mehr Leistung. Das einzige, das wirklich einen Unterschied macht, ist das Interesse: Wenn es den Lehrern gelingt, Begeisterungsfähigkeit zu vermitteln, steigt die Leistung. Und hier liegen offensichtlich die Hauptdefizite an unseren Schulen.

Die vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V., ein freiwilliger, branchenübergreifender Zusammenschluss von Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbänden, will mit dem Modellprojekt »Wege zu mehr MINT-Absolventen« (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und alle Technischen Studiengänge) mehr Ingenieurnachwuchs gewinnen. Ein wichtiger Ansatzpunkt der Initiative sind die Studienabbrecherquoten, die bei den Ingenieurwissenschaften schon immer hoch waren, bei den Bachelor-Studiengängen überraschenderweise jedoch noch höher liegen – 32 Prozent Abbrecher bei den Maschinenbauern und 36 Prozent bei den Elektrotechnikern an Fachhochschulen und 34 bzw. 33 Prozent an Universitäten.

Es wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben mit dem Ziel, maximal zehn Hochschulen drei Jahre lang mit 50.000 Euro pro Jahr zu fördern. Jedes Projekt ist aber so angelegt, dass es auch über den Förderzeitraum hinaus Wirkung entfaltet. »Wenn es uns damit gelingt, die Abbrecherquoten zu halbieren, hätten wir knapp 8000 Ingenieure mehr pro Jahr«, sagt Melanie Tropp, Referentin Abteilung Bildung vbw.

Wo bleiben die Frauen?

Die Ingenieurwissenschaften sind männlich. Das war vor 40 Jahren so und hat sich bis heute wenig verändert. Bei den Elektrontechnik-Ingenieuren kommt der Frauenanteil kaum über 5 Prozent, bei den Maschinenbauern ist es ähnlich. Warum ist das so? Diese Frage wird seit Jahren, gestellt, Antworten gibt es viele, eine Veränderung hat es jedoch nie gegeben.

Laut Prof. Heather Hofmeister Ph.D., Soziologin an der RWTH Aachen mit Schwerpunkt Gender Studies, liegt es an den sogenannten Geschlechter-»Brillen«. Das sind einmal die biologischen Grundlagen – genau betrachtet aber sind die Gemeinsamkeiten der Geschlechter wesentlich größer als die Unterschiede. Zum anderen ist der Androzentrismus dafür verantwortlich. Darunter versteht man eine Sichtweise, die Männer in das Zentrum stellt. Das männliche Weltbild ist die Norm, die Frau gilt als Abweichung dieser Norm. Und so ist auch das Studium der Ingenieurwissenschaften strukturiert.

Hinzu kommt, dass es für Frauen wenig Rollenmodelle gibt, der Anteil von Professorinnen ist verschwindend niedrig. Prof. Dr. Detlef Müller-Böling vom CHE Centrum für Hochschulentwicklung kritisiert, dass man dabei vielleicht versucht habe, aus Frauen Männer zu machen und fordert als Konsequenz, das Ingenieurstudium weiblicher zu machen.


  1. Hochschulen engagieren sich
  2. Stärkung der Lehre auf breiter Basis
  3. Industrie ist Kern des Strukturwandels
  4. Ingenieure müssen ihr Image verbessern
  5. Männlicher Nachwuchs aus »bildungsfernen Schichten«
  6. Schlechte Perspektiven für Kinder aus »bildungsfernen« Familien