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Renommierte Auszeichnung

And the ‘Technik-Oscar’ goes to….

10. Februar 2021, 14:01 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

And the ‘Technik-Oscar’ goes to….
© DFKI

Informatik-Professor Philipp Slusallek.

Auch für technische Verdienste werden 'Oscars' der Academy of Motion Picture Arts and Sciences vergeben. In diesem Jahr werden die Grundlagenforschung und die technische Entwicklung der »Intel Embree Ray Tracing Library« prämiert, geleistet von drei ehemaligen Informatik-Doktoranden aus Saarbrücken.

Die „Academy of Motion Picture Arts and Sciences“ verleiht nicht nur Schauspielern und Filmemachern die als „Oscar“ bekannte Auszeichnung, auch für technische Verdienste werden Oscars vergeben.

In diesem Jahr werden die Grundlagenforschung und die technische Entwicklung der „Intel Embree Ray Tracing Library“ prämiert. Drei der Preisträger haben bei Philipp Slusallek an der Universität des Saarlandes promoviert. Der Uni-Professor und DFKI-Forscher hat die preisgekrönte Ray-Tracing-Technologie in den letzten zwei Jahrzehnten wesentlich vorangetrieben. Heute liefert diese vielen Hollywood-Filmen und Computerspielen die perfekten Bilder und ist seit kurzem zudem in fast allen Grafikprozessoren zu finden.
 
Bei der virtuellen Preisverleihung am 13. Februar werden Sven Woop, Carsten Benthin und Ingo Wald den „Technik-Oscar“ entgegennehmen. Alle drei haben vor über einem Jahrzehnt an der Universität des Saarlandes zum Thema Ray-Tracing promoviert.

Gemeinsam mit Attila T. Áfra und Manfred Ernst werden sie dafür ausgezeichnet, dass sie die „Intel Embree Ray Tracing Library“ mitentwickelt oder vorbereitend dazu geforscht haben. Die Software-Bibliothek wurde von Intel hauptsächlich für die eigenen Prozessoren (CPUs) entwickelt, ist aber als Open Source-Plattform weltweit für alle Filmproduzenten und anderen Anwendungen frei zugänglich. Sie wird insbesondere genutzt, um Animationsfilme und virtuelle Spielwelten möglichst realistisch aussehen zu lassen. Zum Einsatz kam sie beispielweise bei internationalen Kino-Hits wie Lego Batman, Spider Man und The Grinch sowie in dem Computerspiel Cyberpunk 2077.
 
„Bei Trickfilmen oder virtuellen Rollenspielen kommt es darauf an, Oberflächen mit all ihren Schattierungen und Reflexionen korrekt abzubilden. Auch muss in jeder Szene neu berechnet werden, welche Objekte für den Betrachter sichtbar sind und wie sich der Lichteinfall bei einer Bewegung verändert“, erläutert Philipp Slusallek, der als Computergrafik-Professor der Saar-Universität mit seinem Team die dafür grundlegende Ray-Tracing-Technologie maßgeblich entwickelt hat.

Im Jahr 2001 veröffentlichte er gemeinsam mit Ingo Wald und Carsten Benthin eine erste wissenschaftliche Publikation zum Thema „Interactive Rendering with Coherent Ray Tracing". In den folgenden zwei Jahrzehnten arbeiteten Saarbrücker Forscher an dem Thema weiter und konnten allein in den vergangenen beiden Jahren vier Publikationen dazu auf der weltweit größten Computergrafik-Konferenz, der Siggraph in Los Angeles, präsentieren.
 
Bereits 2003 gründeten die aktuellen Oscar-Preisträger zusammen mit Professor Slusallek die Firma „inTrace“, die das Ray-Tracing-Verfahren anfangs an die Automobilindustrie vermarktete. „Damit konnten erstmals die verschiedenen Varianten einer Innenausstattung von Fahrzeugen fotorealistisch simuliert werden“, erläutert Slusallek. Durch die hohe Rechenleistung, die das Ray-Tracing-Verfahren den Computern abverlangt, wurde Intel auf die Saarbrücker Forscher aufmerksam. Mit 12 Millionen Dollar förderte das Unternehmen im Jahr 2009 den Aufbau eines Intel Visual Computing Institute an der Saar-Universität – und warb die drei Nachwuchsforscher Carsten Benthin, Sven Woop und Ingo Wald von der Firma inTrace ab. Die beiden erstgenannten Saarländer blieben nach einem Ausflug in die USA ihrer Heimat aber treu und bauten von Saarbrücken aus die „Intel Embree Ray Tracing Library“ auf. Ingo Wald ging in die USA und wechselte 2018 nach einem Jahrzehnt bei Intel zum Konkurrenten Nvidia, wo er heute federführend an deren Ray-Tracing-Technologie mitarbeitet.
 
Philipp Slusallek setzt heute das Verfahren für vielfältige Anwendungen am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Saarbrücken ein, wo er inzwischen auch geschäftsführender Direktor ist. „Wir nutzen Real-Time Ray Tracing heute unter anderem auch dazu, um sehr schnell synthetische Sensordaten zu erzeugen, mit denen KI-Systeme trainiert und validiert werden können. Das Verfahren wird aber auch für die Radarsimulation verwendet, die beim Autonomen Fahren eine wichtige Rolle spielt. Zudem können Tageslichtsysteme in der Architektur damit optimiert werden", erklärt Professor Slusallek.
 
 

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