Silikon mit weniger Stick-Slip-Effekt

Was dieses Kabel für die Medizintechnik so interessant macht

23. März 2026, 8:45 Uhr | Corinna Puhlmann-Hespen
Kabel-Innovation für medizinische Anwendungen
© Habia, Componeers

Silikonkabel sind aus der Medizintechnik kaum wegzudenken – doch ihre Oberfläche kann nach vielen Sterilisationszyklen unerwünscht stark haften. Eine neue Kabeltechnologie von Habia reduziert diesen Effekt und verbessert die Handhabung in sensiblen Anwendungen.

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Habia, Anbieter von kundenspezifischen Hochleistungskabeln, bringt unter der Bezeichnung »Silindo« eine weiterentwickelte Silikonkabeltechnologie auf den Markt – und adressiert damit eine materialtypische Herausforderung von Silikon: die ausgeprägte Oberflächenhaftung, insbesondere nach wiederholten Sterilisationszyklen.

  • Silikon hat unumstritten viele Vorteile: Es bietet hohe Hautverträglichkeit, geprüfte Biokompatibilität sowie ausgezeichnete Flexibilität in alle Richtungen. Darüber hinaus ist das Material autoklavierbar und hält mehr als 500 Sterilisationszyklen stand. Diese Eigenschaften machen es zur etablierten Lösung für patientennahe Anwendungen wie endoskopische und minimalinvasive Verfahren, Dialyse sowie Monitoring-Systeme zur Messung von Blutdruck, Puls, EKG oder Temperatur.
  • Das Material bringt aber auch Nachteile mit sich: Eine bekannte Einschränkung ist der sogenannte Stick-Slip-Effekt: Die Oberfläche neigt zu erhöhter Haftung auf Haut oder Instrumenten, die sich durch wiederholte Dampfsterilisation noch verstärkt.

»Silindo« reduziert genau dieses Haftverhalten signifikant, dank einer speziell entwickelte Oberflächenmodifikation, ohne die positiven Materialeigenschaften von Silikon zu verlieren. Das Resultat sind verbesserte Gleiteigenschaften bei gleichzeitig guter Flexibilität und Haptik, selbst nach mehr als 500 Autoklavierzyklen. Gleichzeitig verbessert die reduzierte Partikelhaftung das hygienische Profil.

Zusätzlich basiert Silindo auf einer angepassten Kabelarchitektur. Die Kombination aus optimierter Konstruktion, Hochleistungsmaterialien und patentierten Fertigungstechnologien ermöglicht eine hohe mechanische Belastbarkeit, selbst bei kleinen Abmessungen.

Die Leitungen sind gemäß ISO 10993-5 sowie ISO 10993-1 biokompatibel. Während ISO 10993-5 die Prüfung auf zytotoxische Wirkung, also mögliche Zellschädigungen, beschreibt, definiert ISO 10993-1 den grundlegenden Rahmen für die biologische Beurteilung von Medizinprodukten. Die Norm legt abhängig von Art und Dauer des Patientenkontakts fest, welche biologischen Tests erforderlich sind, und bildet damit die Basis für eine systematische Risikobewertung der Materialverträglichkeit.

Konkrete Anwendungen, spezifische Varianten

Je nach Einsatzgebiet kann man mit den neuen Hochleistungskabeln unterschiedliche technische Schwerpunkte unterstützen: 

  • Chirurgische Robotik: Die Silindo-Varianten für robotergestützte Systeme kombinieren Erfahrung aus der industriellen Robotik mit medizintechnischem Know-how. Sie integrieren unter anderem Glasfaserleitungen, Koaxialelemente, Einzelleiter und Zugentlastungssysteme und sind für erhöhte Zug- und Torsionsbelastungen ausgelegt.
  • Patientenmonitoring: Miniaturisierte und rauscharme Kabelkonstruktionen minimieren triboelektrische Effekte und Mi-krofonie, die durch Reibung, Torsion oder Vibration verursacht werden können. Dadurch wird die Stabilität der Signalqualität erhöht und eine hohe Sensibilität beibehalten.
  • Bildgebende Diagnostik: Die hochflexiblen Flachbandkabel für CT-, MRT- und Röntgensysteme behalten auch nach Millionen von Biegezyklen ihre elektrische und mechanische Zuverlässigkeit.
  • Dentale Anwendungen: Hybride Anschlussleitungen für Dentaleinheiten kombinieren elektrische Leitungen mit integrierten Medienführungen, etwa PTFE-Schläuche zur Wasser- oder Luftversorgung.

Silindo ist mit den gängigen Sterilisationsverfahren kompatibel, darunter Dampfsterilisation im Autoklav, Plasmasterilisation mit Wasserstoffperoxid, Gassterilisation mit Ethylenoxid, Gammasterilisation, Ultraschallsterilisation, Reinigung und Desinfektion in Automaten sowie Wischdesinfektion.

Dank der hauseigenen Fertigung kann Habia kundenspezifische Kabeldesigns entwickeln und diese in kurzer Zeit umsetzen. 

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