Europäische Energiewende

Nur ein Drittel der KI-Fachkräfte mit Green Skills

25. Februar 2026, 12:12 Uhr | Corinne Schindlbeck
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Künstliche Intelligenz gilt als Schlüsseltechnologie für die ökologische Transformation Europas. Doch wie viele KI-Fachkräfte bringen dafür relevante Umweltkompetenzen mit? Eine Analyse der Organisation Interface zeigt: Die Basis ist breit, die Spezialisierung jedoch begrenzt.

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Auch für die ökologische Transformation Europas gilt Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie. Sie soll Energieflüsse optimieren, Produktionsprozesse effizienter machen und Umweltwirkungen messbar reduzieren. Doch wie viele KI-Fachkräfte verfügen tatsächlich über die dafür nötigen Umweltkompetenzen? Eine Analyse des Thinktanks Interface - auf Technologie- und Regulierungsthemen spezialisiert mit Fokus auf Public Policy - zeigt: Die personelle Basis ist vorhanden – tief spezialisierte Green-KI-Expertise bleibt jedoch begrenzt.

Im Zentrum der Analyse steht die sogenannte Twin-Transition-Workforce – also KI-Fachkräfte, die zusätzlich über „Green Skills“ verfügen. Diese Kompetenzen sollen dazu beitragen, die Auswirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten auf die Umwelt zu reduzieren.
Green Skills umfassen Kenntnisse in erneuerbaren Energien, nachhaltiger Produktion, Umweltanalyse, Ingenieurwesen und regulatorischen Rahmenbedingungen. Auch technologiebezogene Fähigkeiten wie „Green Computing“ – der energieeffiziente Einsatz von IT-Systemen – sind Bestandteil der Systematik.

Zur Identifikation dieser Kompetenzen greift die Studie auf die europäische Taxonomie ESCO (European Skills, Competences, Qualifications and Occupations) zurück. ESCO dient als EU-weites Referenzsystem zur Klassifikation beruflicher Kompetenzen und ist mit internationalen Standards wie ISCO verknüpft.
Für die grüne Transformation definiert ESCO 604 relevante Skills, Kompetenz- und Wissenskonzepte. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Taxonomie einen vergleichsweise starken Schwerpunkt auf Primärindustrien sowie klassische Produktions- und Ingenieurfelder legt.

1,6 Millionen KI-Fachkräfte im Datensatz

Die Auswertung basiert auf einem Datensatz von Revelio Labs aus September 2025 mit 616 Millionen Berufsprofilen weltweit. Für Europa wurden rund 1,6 Millionen KI-Fachkräfte identifiziert. Davon verfügen 1.369.484 über mindestens eine ESCO-definierte Green Skill. Betrachtet man jedoch die Tiefe der Qualifikation, reduziert sich die Zahl deutlich: 830.506 Personen besitzen mindestens drei entsprechende Kompetenzen. Fünf oder mehr Green Skills weisen 554.698 Fachkräfte auf – rund ein Drittel der europäischen KI-Arbeitskräfte. 168.000 erreichen zehn oder mehr Green Skills.
Mit zunehmender Spezialisierung nimmt der Anteil damit klar ab.

Industriekompetenzen dominieren

Ein Blick auf die inhaltliche Verteilung zeigt deutliche Schwerpunkte. Zu den häufigsten Green Skills im KI-Umfeld zählen Lean Manufacturing (34.000 Personen), biokatalytische Prozesse (32.000) und erneuerbare Energien (31.000). Die Kompetenzen sind damit stark in industriellen und produktionsnahen Feldern verankert.
Demgegenüber sind Kenntnisse im Abfallmanagement, in Recyclingprogrammen oder im Umweltrecht nur in sehr geringem Umfang vertreten. Mehrere dieser Skills finden sich jeweils bei weniger als 30 KI-Fachkräften in der EU.

Auch geografisch ist Green-KI nicht gleichmäßig verteilt. Das Vereinigte Königreich weist mit über 16.000 KI-Fachkräften mit mindestens einer ESCO-Green-Skill die höchste absolute Zahl in Europa auf. Deutschland folgt mit rund 12.000, Frankreich mit etwa 8.000.
Auf Stadtebene führen London (4.200), Paris (2.200) und Berlin (2.100). Mehrere osteuropäische Staaten kommen jeweils auf weniger als 2.000 entsprechende Fachkräfte.

Unterschiede beim Frauenanteil

Neben der regionalen Verteilung untersucht die Analyse auch die Geschlechterstruktur. In Lettland liegt der Anteil von Frauen unter KI-Fachkräften mit Green Skills bei 52,6 Prozent, in Island bei 49,2 Prozent und in Finnland bei 48.6 Prozent.
In größeren Volkswirtschaften fällt der Anteil geringer aus:  Deutschland erreicht 21,6 Prozent, das Vereinigte Königreich 28,2 Prozent und Frankreich 29,4 Prozent. Malta weist mit 18,8 Prozent den niedrigsten Wert in der EU auf.

 

 


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