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Nationale Sicherheit der USA gefährdet?

US-Präsident Trump soll Cypress-Kauf durch Infineon stoppen

06. März 2020, 11:08 Uhr   |  Frank Riemenschneider

US-Präsident Trump soll Cypress-Kauf durch Infineon stoppen
© Infineon

Dr. Reinhard Ploss, CEO von Infineon: Steht seine Übernahme von Cypress kurz vor dem Scheitern ?

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg sollen nationale Sicherheitsbehörden der USA Präsident Donald Trump empfohlen haben, die geplante Übernahme von Cypress Semiconductor durch Infineon zu blockieren. Der Aktienkurs von Cypress stürzte ab.

Laut Bloombergs Quellen seien die Behöden besorgt, dass der 8,7 Milliarden Dollar schwere Deal von Infineon für den amerikanischen Chiphersteller ein Risiko für die nationale Sicherheit darstelle. Infineon, das zuletzt 26 % seines Umsatzes in China generiert hat, habe versucht, mit der Regierung eine Vereinbarung auszuhandeln, die die Übernahme ermöglicht, konnte aber keine Einigung erzielen, sagte einer der Beteiligten zu Bloomberg.

Es war nicht klar, warum Beamte des Ausschusses für ausländische Investitionen in den USA, der ausländische Übernahmen von US-Unternehmen prüft, ein Risiko für die nationale Sicherheit durch das Geschäft sehen. Das Gremium reagiert jedoch besonders sensibel auf jede Transaktion, die es chinesischen Käufern ermöglichen könnte, in den Besitz fortschrittlicher amerikanischer Technologie zu gelangen.
Die Aktien von Cypress fielen zuvor um bis zu 21%, bevor sie schließlich bei 19,18 Dollar schlossen. Die Aktien fielen im erweiterten Handel am Donnerstag um weitere 10 %. Infineon-Aktien fielen heute in Frankfurt bis zu 5%.

Infineon hatte in der Vergangenheit eine Kooperation mit dem chinesischen Suchmaschinenbetreiber Baidu beim autonomen Fahren vereinbart, im Februar 2018 wurde ein Gemeinschaftsunternehmen für Leistungshalbleiter in Elektrofahrzeugen mit dem führenden chinesischen Autohersteller SAIC gegründet. Im August 2018 wurde dazu von Infineon eine neue Fabrik in Wuxi eröffnet.

Noch unangenehmer als diese Verflechtungen in die chinesische Wirtschaft könnten sich für Infineon ggf. auch die Geschäfte mit dem aus US-Sicht “staatlichen Spionagekonzern” Huawei erwiesen haben. Huawei ist einer der großen Kunden Infineons in China. Nach Angaben von Bloomberg erzielt Infineon alleine mit Huawei 1,3 Prozent seines Umsatzes, oder rund 100 Millionen Euro pro Jahr.

Cfius, das vom US-Finanzministerium geleitet wird, kann dem Präsidenten Blockaden empfehlen, um die nationale Sicherheit zu schützen. Der Kongress hat dem Gremium 2018 erweiterte Befugnisse zur Prüfung ausländischer Investitionen in US-Unternehmen erteilt.

Der in San Jose ansässige Halbleiterhersteller Cypress verkauft Komponenten an die Verteidigungsindustrie. Auf der Website werden mehrere Angebote hervorgehoben, die entweder für Kunden aus der Luft- und Raumfahrt und dem Verteidigungssektor geeignet oder dafür ausgelegt sind, einschließlich "Speicher für den Verteidigungsbereich", die "militärischen Betriebstemperaturbereichen standhalten können".

Die Trump-Administration hat ihre Prüfung von ausländischen Übernahmen von US-Unternehmen, insbesondere von Technologieunternehmen, verschärft. Trump hat zwei Übernahmen aus Gründen der nationalen Sicherheit blockiert, nämlich die feindliche Übernahme von Qualcomm durch Broadcom und den Verkauf von Lattice Semiconductor an einen von China unterstützten Investor. Im Jahr 2017 versuchte Infineon, Wolfspeed, eine Halbleitereinheit der US-amerikanischen Cree Inc. zu kaufen, aber der Deal wurde ebenfalls von Cfius blockiert.

Noch vor zwei Wochen hatte Infineon-CEO Dr. Reinhard Ploss erklärt, sein Unternehmen sei in „produktiven Gesprächen“ mit den Behörden in den USA. Auf der Hauptversammlung erklärte er, „Stand heute gehen wir davon aus, dass wir die Übernahme gegen Ende dieses oder Anfang des kommenden Quartals abschließen können.“ Ploss hatte die größte Transaktion der Firmengeschichte im  Juni 2019 angekündigt.

Sollte die Übernahme tatsächlich scheitern, dürften hohe Entschädigungszahlungen auf Infineon zukommen. Zudem sitzt der Konzern auf mehreren Milliarden Euro, die er sich durch eine Kapitalerhöhung sowie durch Anleihen für die Übernahme im Vorfeld besorgt hatte.

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