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Feuer stoppt Auto-IC-Fab

»Schrecklich für die Lieferkette«

Die Fab von Renesas in Naka bei Tokio.
Die Fab von Renesas in Naka bei Tokio.
© Renesas

Chips für Autos werden noch knapper: In der Naka-Fab von Renesas ist ein Feuer ausgebrochen, das die Produktion für voraussichtlich einen Monat stoppen wird.

Hidetoshi Shibata, CEO und Präsident von Renesas, erklärte am vergangenen Sonntag, dass der Brand zu einem beträchtlichen Ausfall in der Fertigung und zu einer Störung in der globalen Chipversorgung insgesamt führen könnte. Vor allem Automobilhersteller sind betroffen. »Schrecklich für die Lieferkette«, sagte Masahiro Wakasugi von Bloomberg Intelligence.

Während Renesas von einem Ausfall von einem Monat spricht, fürchten die Analysten von Trendforce, dass die Aufräumungs- und Reparaturarbeiten deutlich länger dauern würden: Mit einem Fertigungsstopp von drei Monaten sei mindestens zu rechnen. Betroffen seien unter anderem PMICs, bestimmte V850-MCUs und die erste Generation der R-Car-SoCs, die alle für den Einsatz in Autos vorgesehen sind.

Jetzt ist die Produktion im Gebäude N3 – dort wird auf 300-mm-Wafern gefertigt – wegen des Feuers am 9. März vollständig gestoppt worden. Renesas wird sich nun darauf konzentrieren, den Reinraum zu reinigen und das zerstörte Equipment zu ersetzen. Die Produktion im zweiten Stock des N3-Gebäudes wurde zwar nicht beschädigt, kann aber nicht getrennt vom ersten Stock arbeiten. Wieviele Wafer zerstört wurden, ist derzeit noch nicht klar, Renesas will das in dieser Woche genau klären.

Die Lagerbestände an den in der Fab gefertigten ICs würden laut Renesas für einen Monat reichen. Danach ist anzunehmen, dass die Automobilhersteller die Auswirkungen des Feuers zu spüren bekommen. Die Naka-Fab musste in diesem Jahr die Produktion schon einmal im Februar wegen eines Erdbebens aussetzen.  aus oder

6,6 Prozent des Umsatzes macht Renesas mit dem Großkunden Toyota. Der japanische Automobilhersteller war bisher verhältnismäßig unbeschadet durch die Knappheit gekommen, weil er seit der Katastrophe von Fukushima besonderen Wert darauf gelegt haben soll, einen relativ hohen Lagerbestand an sensiblen ICs vorzuhalten.   

Zwei Drittel der im Gebäude N3 (Hitachinaka, Präfektur Ibaraki) gefertigten Chips könnten laut Renesas zwar grundsätzlich in eigenen Fabs und auch in Foundries produziert werden. Aufgrund der derzeitigen starken Nachfrage nach Chips und der begrenzten Kapazitäten könnte die Produktion momntan aber nicht vollständig in andere Fabs ausgelagert werden. Den Umsatzausfall wegen des Fertigungsstopps beziffert Renesas auf 17 Mrd. Yen (156 Mio. Dollar) pro Monat.

Das Feuer hätte zu keinem schlechteren Moment ausbrechen können. Denn Renesas ist mit einem Marktanteil von 20 Prozent einer der weltweit größten Hersteller von Controllern für den Einsatz in Autos. Weil Automotive-Chips insgesamt derzeit knapp sind, sind Automobilhersteller rund um die Welt gezwungen, ihre Bänder wegen IC-Mangels zeitweise stillzulegen.

Die Wettbewerber von Renesas, darunter STMicroelectronics, Infineon, NXP, TI und Microchip, könnten von dem Ausfall der Fab von Renesas nach Ansichten der Analysten von Trendforce nicht profitieren, denn weil die Automotive-Chips zur Zeit sehr knapp sind, arbeiten alle sowieso schon an der Kapazitätsgrenze.

Ein ungewöhnlich harter Winter in Texas hatte im Februar dort zu Stromausfällen geführt, was wiederum Infineon und NXP gezwungen hatte, ihre Fabs dort herunterzufahren. Diese Chips sind ebenfalls zu einem erheblichen Teil für den Einsatz in Autos vorgesehen: Infineon ist die Nummer 1 unter den weltweiten Herstellern von ICs für Autos, NXP die Nummer 3. Das hat die Lage für die Automobilhersteller noch verschärft. Infineon hat gerade bekannt gegeben, mit einem Umsatzausfall in Höhe eines hohen zweistelligen Millionenbetrages in Euro zu rechnen, weil die Fab in Austin wegen des Strommangels heruntergefahren werden musste.

Das Feuer ist nach Angaben von Polizei und Feuerwehr in Maschinen für die für die elektrochemische Abscheidung im ersten Stock des Gebäudes N3 ausgebrochen. Die Maschinen hätten sich durch einen plötzlichen Überstrom entzündet. Warum es dazu kommen konnte, ist noch nicht geklärt.

Vom Feuer ist laut Renesas eine Fläche von 600 m² im ersten Stock betroffen. Insgesamt nimmt der Reinraum dort 12.000 m² ein. Elf Maschinen seien zerstört worden, was 2 Prozent der dort installierten Maschinen entspräche. Außerdem sei die Versorgung mit reinem Wasser gestört und die Klimaanlage beschädigt worden. Menschen kamen nicht zu Schaden. Es hatte acht Stunden gedauert, bis das Feuer gelöscht werden konnte.

Das Gebäude N2, in der eine 200-mm-Linie arbeitet, und das Gebäude WT (Wafer Testing) auf dem Gelände der Naka-Fab sind nicht betroffen und arbeiten normal weiter.


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