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Geschäftsjahr 2020

Infineon mit Umsatzwachstum, aber weniger Gewinn

09. November 2020, 09:12 Uhr   |  Frank Riemenschneider

Infineon mit Umsatzwachstum, aber weniger Gewinn
© Infineon

Infineon konnte einen Umsatz über 8,5 Mrd. Euro vermelden, allerdings bei deutlich geringerem Gewinn.

Der deutsche Halbleiterhersteller Infineon hat den Abschluß seines Geschäftsjahres 2020 präsentiert. Dem Umsatzwachstum um knapp 7 Prozent stehen fast 50 Prozent weniger Gewinn als im Vorjahr entgegen. In China wurde ein Allzeit-Rekord-Umsatzanteil von 29 % erzielt.

Infineon konnte seinen Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2020 auf fast 8,6 Mrd. Euro steigern, rund  500 Mio. Euro oder 6,7 % mehr als im Vorjahr. Das Betriebsergebnis sank jedoch von  1,16 Mrd. Euro auf nur noch 570 Mio. Euro, so dass die Umsatzrendite von 14,5 auf 6,8 Prozent sank.

Betrachtet man die Umsatzentwicklung der Geschäftsfelder Automotive (ATV), Industrial Power Control (IPC), Power & Sensor Systems (PSS) und Connected Secure Systems (CSS), ergab sich kein einheitliches Bild.

ATV konnte um 1 % auf 3,54 Mrd. Euro Umsatz zulegen, IPC verlor 1 % auf 1,4 Mrd. Euro, PSS wuchs um 8 % auf 2,65 Mrd. Euro. Connected Secure Systems wuchs um gleich 48 % auf  953 Mio. Euro Umsatz.

Im Vergleich zum Vorjahr stellte sich die Entwicklung der Gewinnmargen sehr unterschiedlich dar.  Die sogenannten Segmentergebnisse (also das Betriebsergebnis in den einzelnen Geschäftsbereichen ohne diverse Kosten wie Gerichtskosten, Wertminderungen von Vermögenswerten, Beteiligungen an Tochtergesellschaften u.v.m.) entwickelten sich wie folgt: ATV erzielte mit 155 Mio. Euro gleich 62 % weniger als im Vorjahr, IPC gewann mit 256 Mio. Euro 2 % gegenüber 2019, PSS mit 636 Mio. Euro 9 % gegenüber 2019, nachdem schon 2019 10 % mehr Gewinn erzielt wurden als 2018. CSS legte nach ganz schwierigen Jahren 2018 und 2019 (-27 % Ergebnis in 2019 und -15 % Ergebnis in 2018 jeweils im Vergleich zu den Vorjahren) auf 122 Mio. Euro zu und gewann damit 58 % im Ergebnis. Die Gesamtergebnis-Marge sank damit von 16,8% auf nur noch 13,7%, was allerdings der schwierigen Rahmenbedingungen während der Corona-Krise immer noch mehr als vorzeigbar ist.

Mit Wirkung zum 1. April 2020 hat sich der Name des Segments „Power Management & Multimarket“ in „Power & Sensor Systems“ geändert. Die Namensänderung hat keine Auswirkungen auf die Organisationsstruktur, die Strategie oder den Geschäftsumfang. Mit Wirkung zum 1. August 2020 hat sich der Name des Segments „Digital Security Solutions“ in „Connected Secure Systems“ geändert. Die Namensänderung trägt der Integration des Geschäftsbereichs „IoT, Compute Wireless“ von Cypress und der damit einhergehenden Erweiterung des Produktportfolios sowie des Geschäftsumfangs Rechnung.

In Forschung & Entwicklung investierte Infineon im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,11 Mrd. Euro, was 168 Mio. Euro mehr als im Vorjahr sind und mit 13 % des Umsatzes einen höheren Anteil darstellt als 2019 (11,8 %) und 2018 bzw. 2017 (jeweils 11 %).

Asien weiter in Führung

Interessant ist ein Blick auf die regionale Umsatzverteilung: Mit insgesamt 61 % (37 % Greater China, 9 % Japan, 15 % restliches Asien) wurde Europa (zusammen mit Afrika und nahem Osten 27 %, davon 12 % Deutschland) einmal mehr und zwar deutlicher als jemals zuvor abgehängt. 2012 lag der Umsatzanteil in Deutschland noch bei 23 %. Alle Festland-China und Hongkong steht nach einem Allzeit-Rekordanteil des Umsatzes in Höhe von 29 % für mehr als ein Viertel des Umsatzes von Infineon, ein Ergebnis u.a. aus der “Umsetzungsstärke” des Landes in den Bereichen erneuerbare Energien und Elektromobilität. In den USA wurden 10 % Umsatz erzielt.

In Japan wächst Infineon insbesondere im Bereich Automotive seit Jahren stärker als der Markt, was laut CEO Dr. Ploss viel mit der herausragenden Qualität zu tun hat, die z.B. von Toyota immer wieder ausgezeichnet wird.

Kerngesund sieht nachwievor die Konzernbilanz aus, im Vergleich zu 2019 hat sich Infineons Finanzlage sogar noch verbessert. Vermögenswerten in Höhe von 22 Mrd. Euro (inklusive 1,85 Mrd. Euro Geldmittel, 1,38 Mrd. Euro Finanzinvestitionen und 4,1 Mrd. Euro für Anlagen und Gebäuden) stehen nur Verbindlichkeiten in Höhe von 11,78 Mrd. Euro gegenüber. Damit ergibt sich ein Eigenkapital in Höhe von 10,2 Mrd. Euro,  run 1,6 Mrd. Euro mehr als noch im Vorjahr.

Mit 46.665 Mitarbeitern zum Ende des Geschäftsjahres nähert sich Infineon langsam aber sicher der 50.000-MA-Marke und wuchs in 12 Monaten natürlich primär durch die Akquisition von Cypress bedingt um mehr als 5.000 Mitarbeiter, davon arbeiten 9.262 in Forschung und Entwicklung.

Der Vorstand hat eine gegenüber 2019 eine verringerte Dividendenausschüttung in Höhe von 0,22 Euro pro Aktie (statt 0,27 Euro) vorgeschlagen.

Im Geschäftsjahr 2021 erwartet Infineon bei einem unterstellten EUR/USD-Wechselkurs von 1,15 einen Umsatz von etwa 10,5 Milliarden Euro plus oder minus 5 Prozent. Darin enthalten ist die erstmalig erfolgende Konsolidierung von Cypress für ein gesamtes Geschäftsjahr. Gegenüber dem Umsatz im Geschäftsjahr 2020 beträgt der Umsatzanstieg im Mittelpunkt der Umsatzspanne etwa 2 Milliarden Euro. Zu diesem Umsatzanstieg wird das Segment ATV etwas mehr als die Hälfte beitragen. Der weitere Anstieg wird je zur Hälfte von den Segmenten PSS und CSS getragen. Bei IPC wird ein leichter Umsatzanstieg erwartet. Im Mittelpunkt der Umsatzprognose wird die Segmentergebnis-Marge etwa 16,5 Prozent betragen.

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