Schwerpunkte

Interview mit Bunsei Kure, Renesas

Auf eigenen Wegen

21. August 2018, 09:32 Uhr   |  Iris Stroh

Auf eigenen Wegen
© Renesas

Bunsei Kure, Renesas Electronics: »Um unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter zu steigern, sind wir auch immer offen für M&As. Wir haben ein spezielles Team, das eine Liste von möglichen Unternehmen überprüft, die sich hauptsächlich auf analoge Halbleiter spezialisiert haben.«

INCJ hat seine Anteile an Renesas deutlich reduziert, die Ergebnisse des letzten Jahres sind durchaus beeindruckend und Intersil ist integriert. Markt&Technik fragte bei Bunsei Kure, President und CEO von Renesas Electronics, nach, wie diese und andere Entwicklungen zu bewerten sind.

Markt&Technik: INCJ hat einen Teil seiner Anteile verkauft und ist nun zu weniger als 50 Prozent an Renesas beteiligt. Denso wiederum, Japans größter Tier-One, hat seinen Anteil auf 5 Prozent erhöht. Bringen diese Veränderungen Probleme für Renesas mit sich?

Bunsei Kure, Renesas: INCJ hält nach zwei Verkäufen von Renesas-Aktien nun noch einen Anteil von 33,4 Prozent. Damit befinden sich knapp 50 Prozent der Aktien im freien Umlauf, was gleichbedeutend damit ist, dass Renesas jetzt zu einem eigenständigen, globalen Halbleiterunternehmen geworden ist. Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass es durchaus positiv zu bewerten ist, wenn ein Unternehmen stabile Beziehungen zu seinen Aktionären hat. Wir glauben aber auch, dass es nicht unbedingt zu favorisieren ist, wenn bestimmte Kunden zu Aktionären werden und damit das Risiko steigt, dass dies die Unabhängigkeit des Managements einschränkt.

Heißt das, dass Renesas nicht wirklich glücklich darüber ist, dass Denso seine Anteile auf 5 Prozent erweitert hat?

Das kann man so nicht sagen. Unternehmen begrüßen durchaus, dass wichtige Kunden Aktien des Unternehmens halten, um stabile Aktionäre zu gewinnen. Dies zeigt, dass das technologische Know-how, Entwicklungsstrategien und -potenziale sowie andere Aspekte des Unternehmens hoch bewertet werden.

Renesas legt jedoch großen Wert auf die Wahrung der Unabhängigkeit seines Managements, da unsere Kunden und unsere Produkte so vielfältig sind. Deshalb ist es für uns erstrebenswert, wenn unsere Aktien so gehalten werden, dass kein Kunde diese Unabhängigkeit beeinträchtigen könnte. Den Erwerb von 5 Prozent der Renesas-Aktien durch das genannte Unternehmen sehen wir jedoch aufgrund des geringen Volumens als unproblematisch.

Die Ergebnisse für 2017 sind durchaus erfreulich. Der Umsatz mit Halbleitern stieg im Vergleich zum Vorjahr um 23,4 Prozent. Laut SIA wuchs der weltweite Halbleiterumsatz um 21,9 Prozent, wobei ein Großteil dieses Wachstums auf Preissteigerungen bei Speichern zurückzuführen ist. Wenn Renesas das Umsatzwachstum durch die Intersil-Übernahme abzieht, liegt dann das eigene Umsatzwachstum immer noch über dem Marktdurchschnitt?

Unser Halbleiterumsatz stieg 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 23 Prozent. 4 Prozent davon sind darauf zurückzuführen, dass Beeinträchtigungen infolge des Erdbebens aus dem Vorjahr eliminiert werden konnten. 10 Prozent des Umsatzwachstums geht auf die Integration von Intersil zurück und 2 Prozent auf Veränderungen der Wechselkurse. Das heißt, dass unser organisches Wachstum 7 Prozent betrug.

Dennoch stieg der Gewinn um gut 40 Prozent. Worauf ist diese enorme Steigerung zurückzuführen?

Unser Gewinn für 2017 stieg auf einer Non-GAAP-Basis um 40 Prozent, während sich unsere Betriebsgewinnquote um 4,2 Prozentpunkte auf 16,4 Prozent verbessert hat. Diese Steigerung hat sich folgendermaßen zusammengesetzt: Aufgrund höherer F&E-Ausgaben und SG&A-Kosten ergab sich ein Rückgang um 3,5 Prozentpunkte. Aus der Konsolidierung von Intersil ergab sich ein Plus von über 1 Prozent, währungsbedingt ergab sich ein knapper Prozentpunkt Plus und rund 6 Prozent sind auf Steigerungen von Umsatz und Produktion zurückzuführen.

Bei unserem letzten Treffen im Jahr 2016 war es das Ziel, die Bruttomarge von Renesas auf 45 Prozent zu steigern, jetzt werden 50 Prozent anvisiert. Wie soll diese weitere Steigerung gestemmt werden?

Wir planen, die Bruttogewinnmarge, die im Jahr 2016 46 Prozent betrug, auf ein langfristiges Finanzziel von 50 Prozent zu erhöhen. Dieses Ziel wollen wir folgendermaßen erreichen: 1 Prozent Plus durch die Konsolidierung von Intersil, das haben wir schon erreicht. Über 2 Prozent durch Umsatzwachstum, weitere, mehr als 2 Prozent durch die Optimierung unserer Produktionseffizienz und noch einmal gut 1 Prozent durch die Verlagerung des Produktmixes auf hochprofitable Produkte.

Seite 1 von 2

1. Auf eigenen Wegen
2. Weitere Vorteile durch die Intersil-Akquisition?

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Renesas wächst und schließt
MCUs auf Basis modernster Prozesstechnologie
Deutschland mit Berlin wieder vertreten
Renesas und Magna stellen 3D-Surround-View-System vor
Evaluierungskit für Blutdruckmessungen
Immun gegenüber Feuchtigkeit und Störsignalen

Verwandte Artikel

Renesas Electronics Europe GmbH, Intersil GmbH