Einkauf, Reparatur, Redesign

Wege aus dem Supply-Chain-Dilemma

8. Dezember 2022, 14:17 Uhr | Karin Zühlke
BMK
Der Wareneingang bei BMK: Das Unternehmen hat ein Sondereinkaufskommando geschaffen und verhinderte dadurch weitestgehend Line-Downs in der Produktion.
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Welche Möglichkeiten haben Unternehmen, aus dem Supply-Chain-Dilemma zu entkommen? Welche Strategien helfen, lieferfähig zu bleiben? »Es gibt vielfältige Wege, um dem Materialengpass zu begegnen«, so der Standpunkt von BMK; Ansatzpunkte sind u. a. Einkauf, Entwicklung sowie Aftersales und Reparatur.

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Andreas Schneider, in der Geschäftsleitung von BMK zuständig für den Vertrieb, bekräftigt die Wichtigkeit proaktiven Handelns: »Als Partner stellen wir uns gemeinsam mit unseren Kunden den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen. Neben den klassischen Kernkompetenzen wie der Bauteilbeschaffung und Fertigung ist mittlerweile das Störungsmanagement zu einer unserer Hauptaufgaben geworden. Komplexe Problemstellungen aus allen Bereichen der Supply Chain bestimmen unseren Alltag. Dazu gehören u. a. die Umsetzung oder Entwicklung technischer Problemlösungen, Alternativteilbeschaffung, Eskalationsmanagement, Qualitätssicherung sowie eine hochflexible Fertigungsplanung. Daneben ist BMK Logistikpartner und entlastet die Kunden bei einfachen bis hin zu komplexen Gerätemontagen. Wir sind heute mehr als ein klassischer EMS-Partner.«

Intelligente Beschaffung

Aktuell zeichnet sich ab, dass Teile für Automotive wieder leichter verfügbar sind, aber auch zu höheren Preisen. Unternehmen müssen Verfügbarkeit bzw. Sicherheit und Preis in die Waagschalen legen. Um eine Entscheidung zu treffen sind bestmögliche Marktinformationen in Echtzeit nötig.

Die Digitalisierung der Datenbeschaffung ist ein wichtiger Faktor. Durch eine API-Schnittstelle werden bei BMK, einem EMS-Unternehmen aus Augsburg, Marktdaten in Echtzeit intelligent verarbeitet und an den Einkäufer beim Kunden zur Entscheidung übermittelt. Wenn beispielsweise die Information einer Havarie eingeht, die einen Ausfall der Bauteillieferung bedeutet, erfolgt eine sofortige Prüfung von Alternativen. »Wir bei BMK haben eine Vielzahl an Logiken wie Liefertermin, Preis etc. definiert, nach denen die Daten automatisiert untersucht, aufbereitet und unseren Einkäufern angezeigt werden«, erläutert Daniel Wilde von BMK. Diese Automatisierung verkürzt die Entscheidungswege, verbessert die Entscheidungsgrundlage und sichert somit die Planung für einen konstanten Produktionsprozess.

Die Allokation könnte man auch als temporäre Nichtverfügbarkeit, also temporäre Obsoleszenz, bezeichnen. Aufgrund einer Nichtverfügbarkeit wird reagiert. Neben der oben beschriebenen Alternativsuche sind ein digitales PCN-Management, EOL-Buy und Langzeitlagerung Maßnahmen des reaktiven Obsoleszenzmanagements, um dem Supply-Chain-Dilemma zu entkommen.

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Andreas Schneider, BMK: »Wir sind heute mehr als ein klassischer EMS-Partner.«
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Trotz erschwerter Beschaffungskonditionen und regelmäßiger Verwerfungen in der Lieferkette stellt der Einkauf Weichen. Schnell und flexibel auf die sich stets verändernden Herausforderungen des Marktes zu reagieren ist entscheidend für die Sicherung und Planbarkeit der Bauteilbeschaffung. BMK hat beispielsweise ein Sondereinkaufskommando geschaffen und verhinderte dadurch weitestgehend Line-Downs in der Produktion. Der EMS in seiner Sandwich-Position zwischen Kunde, Distributor und Hersteller hat als Beschaffungsexperte ein weitreichendes Netzwerk, das einzelnen Unternehmen nicht zur Verfügung steht. Marktanalysen, z. B. zu Lieferzeit- und Preistendenzen, möglichen Auswirkungen durch Naturkatastrophen und politischen Gegebenheiten, fließen direkt zum EMS, sodass dieser schnell und strategisch die Lieferkette neu ausrichten und damit sichern kann.

Entwicklungskompetenz – vom Interposer zum Redesign

Ist bei Nichtverfügbarkeit eines Bauteils ein Alternativteil gefunden, kann dennoch ein komplettes Redesign notwendig werden, wenn Bauform oder Pinbelegung variieren. Die Umsetzung des Redesigns kostet jedoch Zeit und birgt auch Risiken in sich. PCBs müssen oft bis zu sechs Monate im Voraus bestellt werden. Eine Zwischenlösung kann ein sogenannter Interposer sein. Bei einem Kunden von BMK war der Originalprozessor kurzfristig nicht mehr verfügbar. Das neue Angebot bei Brokerbeschaffung lag bei 59 US-Dollar pro Stück. Der Ursprungspreis lag bei 0,50 Euro pro Stück.

Der Einkauf von BMK konnte ein Alternativteil aus China besorgen. Allerdings passte der alternative Prozessor von Bauform und Pinning nicht in die vorhandene Belegung. Die Entwicklung von BMK erstellte einen Interposer, dessen Bottom-Seite in Größe und Design dem ursprünglichen Prozessor entsprach. Die Top-Seite war so gestaltet, dass der alternative IC verbaut werden konnte. Mit dieser Zwischenplatine wurde die laufende Serien-Produktion der Baugruppe aufrechterhalten. Die Amortisation gegenüber dem Brokerkauf war bereits nach 50 Baugruppen erreicht.


  1. Wege aus dem Supply-Chain-Dilemma
  2. »Es ist ratsam, das Redesign proaktiv zu gestalten«

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