Schwerpunkte

Turck duotec mit neuen Beteiligungen

»Mehr als die sprichwörtliche Nasenlänge voraus«

21. Juni 2021, 13:18 Uhr   |  Karin Zühlke

»Mehr als die sprichwörtliche Nasenlänge voraus«
© Turck duotec

Philip Mirliaountas, Turck duotec: »Wir haben durch die Beteiligungen den Fokus klar auf die Zukunft gerichtet, und das haben wir im Corona-Jahr trotz Widrigkeiten in Gänze durchgezogen.«

Trotz der Corona-Krise konnte Turck duotec in den letzten zwölf Monaten ehrgeizige Pläne umsetzen – bis hin zu Beteiligungen an bahnbrechenden neuen Technologien. Arthur Rönisch und Philip Mirliaountas, beide Geschäftsführer von Turck duotec, im Gespräch.

Markt&Technik: Turck duotec hat sich durch Beteiligungen bei WiS, Smart Nanotubes, Quantum Technologies und ml&s sowohl technologisch als auch von den Produktionskapazitäten her verstärkt. Welche Strategie verfolgen Sie damit?

Philip Mirliaountas: Die Strategie ist definitiv begründet in unserer DNA, weil wir schon immer ein EMS-Unternehmen waren, das sich intensiv mit Fertigungstechnologien und Fertigungs-Know-how beschäftigt hat, um sich am Markt zu unterscheiden. Diese Stoßrichtung wollen wir verstärken und ausbauen, und zwar als EMS und „EMS Plus“, wie wir es nennen. Darunter verstehen wir fortschrittliche Fertigungstechnologien wie Dickschickt, COB und vor allem die Automation in der Produktion.

Parallel dazu setzen wir auf unsere Technologie-Kompetenz. Und dabei gehen wir sogar so weit, dass wir bis auf Chip- und Foundry-Level investiert haben, wie Sie an unseren Beteiligungen bei Smart Nanotubes, WIS und Quantum Technologies erkennen können. Die disruptiven Ansätze von Quantum Technologies und Smart Nanotubes beantworten viele Industrietrends und Digitalisierungswünsche unserer Kunden.

Hier bewegen wir uns deutlich weiter und tiefer in die Technologie hinein, als es so mancher Mitbewerber tut. Das heißt, der Kunde kann uns auf Technologie- oder auf Dienstleistungs-Ebene ansprechen, wir werden immer eine Lösung für ihn finden.

Sind nun alle Einkaufswünsche erfüllt oder noch weitere Investitionen geplant?

Mirliaountas: Wir werden sehen. Aktuell sehen wir uns mit diesem Portfolio gut aufgestellt und sind der Meinung, dass das in diesem Setup sehr gut zu uns passt.

Gehen Sie mit den Technologie-Beteiligungen noch einen Schritt vom ODM in Richtung OEM?

Arthur Rönisch: Wir sind natürlich weiterhin Dienstleister und werden nicht in Wettbewerb zu unseren Kunden treten, sondern im Gegenteil: Wir wollen unsere Kunden unterstützen, ihre Produkte schneller für den Markt zu realisieren. Das heißt, wir investieren auf unsere Kosten in solche Technologien, die wir unseren Kunden zur Verfügung stellen. Für uns ist deshalb wichtig, dass eine Technologie skalierbar und industrialisierbar ist.

Was ist das Besondere an Quantum Technologies bzw. an der Quantensensorik?

Rönisch: Mit der Quantensensorik wollen wir ganz neue Applikationen und Möglichkeiten erschließen. Quantum Technologies beschäftigt sich mit der sensitiven Material- bzw. Magnetfelddetektion sowie der Bearbeitung von Diamanten für die quantenbasierte Sensorik, sog. High-Density-NV-Zentren und deren Nutzung. Die hohe Detektionsempfindlichkeit und der weite Erfassungsbereich von z.B. Strom prädestinieren den Quantensensor für Anwendungsbereiche, für die es heute keine adäquate Lösung gibt. Der Sensor eignet sich beispielsweise für den Einsatz in Batteriemanagementsystemen in der E-Mobilität oder zur Strommessung in Hochspannungsnetzen. Hier zeichnet sich das entwickelte System durch das optische Funktionsprinzip aus, welches systemisch die galvanische Trennung sicherstellt. Darin unterscheidet es sich zu bekannten Technologien, die im Markt verfügbar sind, und damit ermöglichen wir unseren Kunden, neue Produktideen zu kreieren.

Das Gleiche gilt auch für die Smart Nanotubes Technologies. Gassensorik gibt es natürlich am Markt bei vielen Firmen, die sich auf CO-Sensorik, CO2-Sensorik etc. spezialisiert haben. Aber mit der Smart-Nanotubes-Technologie ist es möglich, viele Gase parallel zu detektieren. Der weltweit erste Mehrkanal-Gasdetektor-Chip ist im Vergleich mit derzeit verfügbaren Systemen wesentlich sensitiver, kleiner und energieeffizienter. Mit dieser neuartigen Sensorik sind wir im Markt mehr als die sprichwörtliche Nasenlänge voraus.

Mirliaountas: Das Disruptive sind noch nicht mal die Use Cases, sondern der Formfaktor von 10 × 10 Millimetern mit der Funktionalität einer elektronische Nase. Das heißt, die Geräte, die man zur Anwendung bringen kann, sind auf einmal so klein und bezahlbar, wie es sie bisher auf dem Markt noch nicht gab. Bisherige haben sie den Platzbedarf von Tischgeräten oder Schaltschränken. Mit diesem Chip können Sie die Funktion sogar in ein Smartphone oder auch in ein Schloss integrieren, im Auto anbringen etc. Die Technologie ist skalierbar und überall einsetzbar.

Wie sind Sie bei Quantum, Smart Nanotubes und WiS an den Firmen beteiligt?

Mirliaountas: Wir sind in beiden Fällen von Quantum Technologies und Smart Nanotubes der Industrialisierungspartner. Die Firmen laufen aber jeweils als eigene Marken weiter, da es sich um Investoren-Minderheitsbeteiligungen handelt. Die WIS – das steht für Wireless IoT Solutions in Berlin – ist hingegen eine Mehrheitsbeteiligung als Joint Venture mit der Prettl-Gruppe.

Welche Pläne haben Sie für die WIS?

Rönisch: Sensorik ist ja schon lange ein integrales Betätigungsfeld von Turck duotec. Für die Turnkey-Lösung fehlte uns allerdings bisher noch die Funktechnologie, zu der wir nun über das Leistungsspektrum der WiS Zugang haben. Es umfasst die Evaluierung von Wireless-Technologien sowie funktionalen und technischen Produktspezifikationen, die Erstellung von Prototypen und die Integration von Funkprotokollen in Produkte und Komponenten. Der Schwerpunkt liegt im Bereich der Wireless-Sensor-Netzwerke für die Anwendungsbereiche Smart Home, intelligent vernetzte Gebäude oder das IoT. Neben der generellen Funkkompetenz bietet WIS außerdem eine komplett skalierbare Narrowband-IoT-basierte Plattform für eine schnelle und kostengünstige Vernetzung von IoT-Lösungen.

Mirliaountas: Für alle drei genannten Technologie-Beteiligungen gilt: Wir wollen diese gemeinsam mit den Startups intensiv weiterentwickeln und in die Großserie überführen.

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1. »Mehr als die sprichwörtliche Nasenlänge voraus«
2. Ausbau des Produktions-Footprints

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