Kommentar zu Osrams Siteco-Verkauf Innovativer Klotz am Bein?

Mit Siteco hat Osram sein Leuchtengeschäft verkauft. Die Sichtweisen von Käufer und Verkäufer könnten dabei unterschiedlicher nicht sein.

Ein Leuchtenhersteller passt nicht mehr zum Image eines innovativen Konzerns. So sieht es Osrams Vorstandsvorsitzender Olaf Berlien. Den Verkauf von Siteco an den Finanzinvestor Stern Steward Capital bezeichnete er als Chance, um der Ex-Tochter ein möglichst reibungsloses Fortbestehen zu ermöglichen und gleichzeitig das Osram-Profil in Richtung Photonik-Champion zu schärfen. High-Tech und Leuchtengeschäft passen offenbar nicht mehr zusammen.

Auf der anderen Seiten steht der Investor. Der sieht die Übernahme als Investition in innovative Beleuchtungstechnik »engineered and made in Germany«. Tatsächlich schreibt Siteco mit seinen 900 Mitarbeitern seit dem abgelaufenen Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen. Mehr als 200 Millionen Euro Umsatz stehen zu Buche. Ist mit Leuchten also doch noch ein Geschäft zu machen?

Fragezeichen hinter dem Verkauf

Davon war man bei Osram zumindest 2011 noch überzeugt. Unter Geschäftsführer Wolfgang Dehen übernahm der Münchner Lichtkonzern Siteco, um seinen Marktzugang für LED-Leuchten zu verbreitern. Das dem Osram-Hauptsitz nahe gelegene Siteco aus Traunreut ist auf Lichtsysteme für Gewerbe-, Industrie- und Straßenbeleuchtung spezialisiert, unterhält ein Sensorik-Portfolio und entwickelt intelligente Lichtsteuerungs- und Datenmanagement-Systeme. Gerade datenbasierte Geschäftsmodelle sind der Bereich, in dem die Konkurrenten Signify und Zumtobel Wachstumsmärkte erkannt haben und sich positionieren.

Auch Osram selbst ist hier aktiv. Warum man sich nun von einer Firmentochter trennt, die offenbar alle Ressourcen für das Entwickeln von datenbasierten Dienstleistungen unter einem Dach vereint, erscheint auf den ersten Blick nicht ganz nachvollziehbar.

Aber natürlich eröffnet das Kapital aus dem Verkauf auch neue Möglichkeiten für neue Investitionen in Forschung und Entwicklung oder strategische Zukäufe. Über die Zahlungsmodalitäten wurde zwar Stillschweigen vereinbart, die Einnahmen dürften aber im Bereich zwischen 150 und 200 Millionen Euro liegen. Für die Übernahme des italienischen Autoleuchtenherstellers Olsa, der mit 240 Millionen Euro vergleichbar viel Umsatz wie Siteco erwirtschaftete, zahlte der kanadische Automobilzulieferer Magna vor rund einem Jahr 230 Millionen Euro.