Mikroprozessoren Softbank kauft ARM für 28 Mrd. Euro

Simon Segars, CEO von ARM: "Wir können die Anzahl der Mitarbeiter hier im Vereinigten Königreich in den nächsten fünf Jahren verdoppeln."
Simon Segars, CEO von ARM: "Wir können die Anzahl der Mitarbeiter hier im Vereinigten Königreich in den nächsten fünf Jahren verdoppeln."

Der japanische Telekommunikations- und Medienkonzern Softbank Corp. möchte für umgerechnet 24,3 Mrd. Pfund den britischen Anbieter von Mikroprozessor-Bauplänen übernehmen.

Softbank bietet dazu 17 Pfund pro Aktie, was einem Aufschlag von 43 Prozent auf den Schlusskurs der Woche zuvor bedeutet. Der Zeitpunkt ist günstig, da das britische Pfund im Jahresvergleich rund 30 Prozent an Wert gegenüber dem Yen verloren hat, seit dem Brexit-Votum allein zehn Prozent.

ARM setzte im vergangenen Jahr 968,3 Mio. Pfund um und erwirtschaftete damit einen Gewinn von 339,7 Mio. Pfund. Der Kaufpreis von 24,3 Mrd. Pfund entspricht dem 25-fachen Jahresumsatz. Wenn man mit dem Jahresgewinn von 2015 den Kaufpreis wieder einspielen will, dauert es rechnerisch 71 Jahre.

ARM ist ein reiner Anbieter von Intellectual Property (IP) und verkauft keine Chips, sondern Lizenzen für Baupläne und kassiert anschließend Tantiemen für jede Chip-Implementierung. Das 1990 gegründete Unternehmen hat mittlerweile über 1300 Lizenzen an mehr als 300 Kunden vergeben. Fast alle Smartphones und Tablets arbeiten mit ARM-Prozessoren und langsam fasst ARM auch Fuß im Server-Markt. Insgesamt wurden weltweit bisher rund 90 Mrd. Chips mit ARM-IP verkauft.

Simon Segars, CEO von ARM, begründete seine Verkaufsempfehlung an die Aktionäre mit den Worten: „Ein Übernahmeangebot muss zwei Kriterien erfüllen. Der Preis muss wirklich attraktiv und überzeugend für die Aktionäre sein und es muss eine Zukunftsperspektive geben, die spannender ist, als wenn wir allein weitermachen würden. Das Übernahmeangebot von Softbank erfüllt beide Kriterien.“

Die Belegschaft von ARM ist seit der Gründung 1990 mit 12 Mitarbeitern auf nunmehr knapp 4000 angewachsen. Allein im Hauptquartier in der englischen Universitätsstadt Cambridge arbeiten rund 1600 Mitarbeiter. Neben dem hohen Preis führt Simon Segars, der 2003 Warren East als CEO abgelöst hatte, als weiteres wesentliches Argument die Zukunftsperspektive des Unternehmens mit einem finanzstarken Konzern im Rücken an: „Wir können die Anzahl der Mitarbeiter hier im Vereinigten Königreich, wo auch die Firmenzentrale bleiben wird, in den nächsten fünf Jahren verdoppeln.“ Laut Segars soll die Übernahme zunächst keinen Einfluss auf das Management-Team und die weitere Ausrichtung von ARM haben. Seiner Einschätzung nach erfordern neue Einsatzfelder für Chips mit ARM-IP erhebliche Investitionen, die ARM in dem Umfang selbst wohl nicht stemmen könnte. „Gesundheit, Landwirtschaft und Verkehr werden revolutioniert durch den Einsatz von energieeffizienten Chips im Rahmen einer vernetzten Infrastruktur“, erklärt Segars, auf welchen Gebieten noch Potenzial besteht.

Als Telekommunikationsanbieter ist Softbank am Thema Internet der Dinge besonders interessiert, um dort Geschäftsmodelle zu entwickeln. ARM hingegen gilt als Vorreiter bei IoT und kann so die Technologie-Seite abdecken.