Alle Wege führen nach "Rome" AMD stellt neue EPYC-Prozessoren für Cloud-Anwendungen vor

In San Francisco präsentierte AMD seine neuen EPYC-Prozessoren der 2. Version, welche Platzhirsch Intel bei Cloud-Anwendungen in Rechenzentren wichtige Marktanteile abnehmen und Newcomer Arm mit seinen Neoverse-CPUs von Anfang an in Schach halten sollen. Die Chancen waren wohl nie so gut wie jetzt.

Es ist zweifellos das beste Prozessor-Design seit dem Athlon 64: Mit den Ryzen 3000 alias Matisse stellte AMD im Juli 2019 für den Konsumer-Bereich sehr leistungsstarke und energieeffiziente CPUs zu niedrigen Preisen vor. Basierend auf der neuen Zen-2 genannten Mikroarchitekur, die wir am Ende dieses Artikels im Detail und umfangreich analysiert haben, werden in 7 nm bei TSMC gefertigte Chips verkauft, die Platzhirsch Intel auf dank dessen eigenen Problemen mit dem seit Jahren verzögerten 10-nm-Fertigungsprozess seit langer Zeit einmal wieder richtig weh tun dürften.

Laut unseren Kollegen vom PC-Magazin hat Ryzen “eingeschlagen wie eine Bombe”, in einem weltweit bekannten Online-Shop soll der Marktanteil bei 75 % liegen.

Heute nun stellte AMD in San Francisco seine zweite Generation der EPYC genannten Server-Prozessoren basierend auf Zen-2 vor (Codename “Rome”). Damit will der (Noch-) CPU-Zwerg Intel in dem Bereich weh tun, wo der Chip-Riese am meisten Geld verdient und einen Marktanteil von 99 % hält, nämlich in den Rechenzentren im Bereich des explosionsartig steigenden Cloud-Computings, das mit BigData-Analyse (Stichwort: Industrie 4.0.) und KI-Anwendungen vom Automobil bis zum Gesundheitswesen auch für die Embedded-Branche immer wichtiger wird.

Mit riesigen Margen im Vergleich zum preissensitiven Konsumer-Segment sind die Xeon-Prozessoren für Intel die Lizenz zum Gelddrucken (Umsatzanteil 2018 über 50 %), auch weil AMD in der Vergangenheit vor allen Dingen technologisch nur bedingt konkurrenzfähig war, auch wenn schon die erste EPYC-Generation basierend auf der ursprünglichen Zen-CPU-Architektur deutliche Fortschritte brachte (siehe Bilderstrecke) und zumindest gegenüber (den älteren) Skylake-Chips von Intel konkurrenzfähig erschien. Mit Epyc V1 hatte man immerhin schon einen Prozessor, der bis zu viermal so leistungsfähig ist wie der letzte Opteron 6386 SE. Tatsächlich war der 2006 eingeführte Opteron der letzte wettbewerbsfähige Server-Prozessor vor EPYC.

Mit EPYC der 2. Generation könnte sich dies Szenario nun endlich einmal wieder grundlegend ändern. Die Prozessoren haben die technischen Eigenschaften, Energieeffizienz und eine Preisgestaltung, die sie für Rechenzentrums- und Cloudanbieter hochattraktiv erscheinen lassen dürfte und auch im Vergleich zu den aktuellen Intel-Pendants mehr als wettbewerbsfähig sind. Ein aktueller Bericht von DRAMeXchange ergab, dass AMD mit seinen Epyc-Prozessoren der ersten Generation nur einen Anteil von 2 Prozent am x86er-Markt erobern konnte und dass dieser Anteil 2019 auf bis zu 5 Prozent steigen dürfte.

Die auf den folgenden Seiten gezeigten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass AMDs Epyc “Rome” eine große Herausforderung für Intel in einer größeren Bandbreite von Märkten darstellen wird - was ziemlich genau das ist, was wir aufgrund der dritten Generation von Ryzen und der früheren Aussagen von AMD über Epyc 2 erwartet hatten.

Intels CEO Bob Swan hatte AMD jüngst als ein Unternehmen bezeichnet, das in der zweiten Jahreshälfte 2019 mehr Wettbewerb bietet, insbesondere im Rechenzentrum. Wir erwarten ein Szenario, in dem Intel seine Xeon-Preise senken wird müssen, entweder durch direkte Anpassung oder bei der Einführung von Cooper Lake (derzeit erwartet in der ersten Jahreshälfte 2020). Intels CPU-Preise sind in der Vergangenheit viel höher gewesen als die von AMD, aber es ist schwierig zu erahnen, um wie viel höher, denn die Listenpreise spiegeln nicht wider, was seine Volumenkunden tatsächlich bezahlen.

AMDs CTO Mark Papermaster und die EPYC-Chefarchitekten Mike Clark sowie Kevin Lepak präsentierten in 90 Minuten alle wichtigen Informationen, die wir auf der folgenden Seiten zusammengefasst haben. “Sensationelle Total Cost of Ownerchip” versprach Papermaster – wir schauen auf die Fakten.

Offenlegung: Die ELEKTRONIK hat auf Einladung von AMD an dem Launch-Event in San Francisco teilgenommen, die Reisekosten wurden zur Gänze von AMD bezahlt. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.