Distributoren als Partner Herausforderungen gemeinsam meistern

Die Elektronikbranche generell und somit ebenso Entwickler im Embedded-Umfeld stehen vor großen Herausforderungen. Um sie zu meistern, unterstützen Distributoren ihre Kunden. Sie sind die Schnittstelle zwischen Hersteller und Anwender.

Trotz der zunehmenden Digitalisierung muss die Elektronikindustrie in nächster Zeit einige Herausforderungen meistern. Etwa im Bereich Automotive: Das Center of Automotive Management (CAM) hat ermittelt, dass 2019 der Kfz-Absatz weltweit um 3,7 Prozent zurückgegangen ist. Besonders der wichtige chinesische Markt verbuchte ein Minus von über acht Prozent. Ebenso hat sich in vielen anderen Branchen der Markt für elektronische Komponenten in den vergangenen Monaten tenden­ziell rückläufig entwickelt, nicht zuletzt aufgrund politischer Unsicherheiten wie dem Brexit oder den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China. Befeuert wird die Situation von der aktuellen COVID-19-Pandemie. Sie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die Wirtschaft weltweit noch einige Zeit in Atem halten – mit teils drastischen Zahlen. So erwarten etwa die Mitglieder der European Association of Automotive Suppliers (CLEPA) mehrheitlich Umsatzverluste in den kommenden drei Monaten von bis zu 40 Prozent. Eine Umfrage des ZVEI (Zentralverband der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie) ergab einen durchschnittlichen Umsatzrückgang von 14 Prozent.

Die Entwicklung der Märkte, strenge Regularien und der Erhalt funktionierender Lieferketten werfen Fragen auf, auf die die Unternehmen nachhaltige Antworten finden müssen. Hierbei können die Distributoren einen wich­tigen Beitrag leisten, was sich etwa am Beispiel der Qualitätssicherung innerhalb des Software Development Lifecycles zeigt.

Distributoren im Bereich Software-Entwicklung

Obwohl viele Unternehmen innerhalb der Softwareentwicklung gerne auf frei verfügbare Open-Source-Tools zurückgreifen, gibt es doch vor allem im Embedded-Bereich Segmente, in denen das nicht sinnvoll ist. Zur statischen Code-Analyse oder zum Nachweis der Testabdeckung sind oft spezielle Werkzeuge notwendig, die den Anforderungen der meist klein dimensionierten Hardware gerecht werden. Zudem müssen die Werkzeuge häufig den Ansprüchen einer späteren Produktzertifizierung genügen, etwa in der Luftfahrt oder in der Automotive-Branche. Hier sind in der Regel die spezialisierten Distributoren wie Verifysoft Technology der erste Ansprechpartner der Unternehmen. Sie vertreiben die Produkte nicht nur, sondern bieten ebenfalls professionelle Dienstleistungen rund um die Tools wie Implementierung, Qualifizierungsunterstützung oder Mitarbeiterschulungen an. Somit sind sie in einer guten Position, um bei den drängenden He­rausforderungen zu helfen.

Herausforderung 1: Mehr Effizienz

Stagnierende oder sogar rückläufige Märkte lassen sich von den Unternehmen nicht direkt beeinflussen. Dennoch sind für die Hersteller einige Stellschrauben verfügbar: Kosten, Effizienz, Differenzierung. Ein reines Kostenprimat – etwa mithilfe von Personalabbau oder Senken der Produktqualität – funktioniert meist nicht nachhaltig, das hat sich in der Vergangenheit oft gezeigt. Häufig gibt es jedoch Möglichkeiten, die Effizienz mit dem Ziel zu steigern, die Entwicklungsaufwände zu senken. In der Embedded-Entwicklung ist das zum Beispiel mit dem konsequenten Einsatz von statischer Code-Analyse möglich: Kommt diese frühzeitig und automatisiert innerhalb des Software Development Lifecycles zum Einsatz, lassen sich Fehler und Abweichungen von Programmierstandards sehr früh erkennen – und mit wenig Aufwand beseitigen. Allerdings ist ein entsprechendes Analyse-Tool ebenso in die Toolchain zu integrieren und auf den Bedarf der Anwender anzupassen. Wie das zu leisten ist, welche Checker wie und für welche spezifische Norm zu implementieren sind, und wie das Werkzeug zum Beispiel nachträglich auf bestehende Systeme anzuwenden ist, erfordert einiges an Fachwissen, über das der Distributor verfügt.

Herausforderung 2: Vorschriften und Normen

Embedded-Systeme dringen in immer mehr Lebens- und Geschäftsbereiche vor, in vielen Fällen sind sie kritisch. Nicht nur im übertragenen Sinn für ein Geschäftsmodell. Oft genug hängt die Gesundheit des Bedienpersonals oder des Benutzers von der korrekten Funktion ab, etwa bei der funktionalen Sicherheit. Die Gesetzgeber und Normierungsstellen reagieren darauf mit immer strengeren Vorschriften, das jüngste Beispiel dafür ist die Medical Device Regulation (MDR) für die Medizintechnik. Jedoch können ebenso generische Normen wie IEC 61508 mit komplexen Vorgaben aufwarten. Der Compliance-Nachweis und in vielen Fällen ebenfalls die Zertifizierung sind in immer mehr Bereichen über die komplette Supply-Chain hinweg obligatorisch. Vor allem für kleinere Hersteller ist das bereits heute lediglich mit erheblichem Aufwand zu leisten, Besserung ist nicht in Sicht. Hier sind die Distributoren als Partner gefragt, sie können geeignete Tools und die erforderliche Expertise im Umgang mit der Qualitätssicherung innerhalb der jeweiligen Branche bereitstellen. Etwa zum in vielen Fällen geforderten Nachweis der Testabdeckung, ein gerade bei Embedded-Systemen herausforderndes Feld. Hier lauern einige Hürden wie verfügbare Hardware-Ressourcen oder geforderte Testabdeckungsstufen.

Herausforderung 3: Lange Lieferketten

In den vergangenen Jahren sind in vielen Bereichen die Lieferketten extrem gewachsen und zum Teil fragmentiert. Das Ziel dabei ist nachvollziehbar: Beschaffungskosten sowie die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten senken. Nicht erst die aktuelle Krise zeigt jedoch, dass hiermit erhebliche Risiken verbunden sind. Die bereits erwähnte Umfrage des ZVEI ergab, dass 70 Prozent der Befragten eine leicht gestörte Lieferkette meldeten. Bei jedem zehnten Unternehmen ist die Supply Chain bereits stark beeinträchtigt oder gar gerissen. Mittelfristig wird der hohe Stellenwert des niedrigsten Einkaufspreises nicht mehr durchzusetzen sein, Liefertreue und Qualität gewinnen innerhalb der Supply Chain zunehmend an Bedeutung.

Daraus ergeben sich zwei Fragen: Wie kann ein Unternehmen seine eigene Lieferkette wirtschaftlich vertretbar verkürzen? Und: Wie kann ein Unternehmen davon profitieren und selbst Teil neuer Lieferketten werden? Die eigene Supply Chain aktiv zu managen, dürfte für das Gros der Marktteilnehmer keine große Herausforderung sein und wird von strategischen Überlegungen bestimmt. Um sich als Zulieferer für neue Kunden zu empfehlen, müssen Qualität und Liefertreue – auch bei Neuentwicklungen, Kleinserien und bei Losgröße 1 – ein Differenzierungsmerkmal am Markt sein. Ebenso sind hier die Distributoren gefragt. Sie können ihre Kunden aktiv unterstützen, die Time to Market ohne Qualitätseinbußen zu straffen. Mit aufeinander abgestimmten Tools, Integrations- und Automatisierungshilfen sowie mit dem unabdingbaren Prozess-Know-how.

Herausforderung 4: Mehr Ressourcen für Innovation

Die Unternehmen sind gefordert, in der Entwicklung neuen Ansätzen zu folgen. Agile Methoden sind aktuell in der Embedded-Entwicklung noch nicht allgemein üblich, haben ihre Machbarkeit jedoch im Zusammenspiel von Hard- und Softwareentwicklung bereits unter Beweis gestellt. So etwa die Einführung von DevOps als Unternehmenskultur und agiler Methoden wie Continuous Integration/Continuous Deployment als konkrete Abbildung: Es ermöglicht letztlich, weniger Ressourcen im täglichen Klein-Klein der Entwicklung zu binden, Routineaufgaben zu automatisieren und so mehr Innovationskraft freizusetzen. Distributoren sind gefordert, die dafür notwendigen Tools nicht nur anzubieten, sondern ebenfalls die erforderlichen Kompetenzzentren aufzubauen. In der Embedded-Entwicklung treffen viele Faktoren zusammen, die es in
der herkömmlichen Anwendungs­entwicklung so nicht gibt: strenge Normen für das Entwickeln und die Qualitätssicherung, Sicherheitsvorgaben, Branchenstandards, fest definierte Voraussetzungen beu der Hardware. Alle Aspekte im Detail und in ihrer gegenseitigen Abhängigkeit zu durchdringen, ist gerade für kleinere Hersteller schwer möglich. Hier haben die Distributoren die Chance, sich als Dienstleister und Partner zu etablieren und so neue Ansätze in der Entwicklung möglich zu machen.

Distributoren sind gefordert

Die Herausforderungen der Elektronik- und Embedded-Branche sind zu meistern – Distributoren jeder Prägung sind gefordert, ihre Kunden dabei aktiv zu unterstützen. Letztlich sind sie es, die in ihrem Segment das nötige Fachwissen in der erforderlichen Tiefe haben. Gerade spezialisierte Anbieter wie Verifysoft Technology, die einen scharfen Fokus auf ein Gebiet haben, sind in der Lage, Optimierungsmöglichkeiten zu identifizieren und mithilfe von Tools und Prozessen nutzbar zu machen. Hierfür müssen sich die Distributoren als Partner begreifen, die nicht nur Produkte vertreiben, sondern als Dienstleister langfristig ihre Kunden unterstützen. Sie müssen entsprechende Kompetenzen aufbauen, wenn das nicht bereits geschehen ist. Außerdem müssen sie die Kompetenz bei ihren Kunden vor Ort einbringen. Klar ist: Herausforderungen am Markt gehen alle Marktteilnehmer an, entlang der kompletten Supply Chain. In ihr besetzen die Software- und Hardware-Distributoren eine neuralgische Stelle.

 

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