Rad und Auto Abstandsmessung mit Arduino-System

Radfahrer fühlen sich durch schnelles und enges Überholen von Kraftfahrzeugen unsicher.
Radfahrer fühlen sich durch schnelles und enges Überholen von Kraftfahrzeugen unsicher.

Kfz müssen beim Überholen von Radfahrern mindestens 1,5 m Abstand halten. In Berlin wurde jetzt mit einem Arduino-System gemessen, ob sich Kfz-Führer daran halten.

Die Gesetzeslage sieht vor, dass ein Autofahrer, der einen Radfahrer überholt, »je nach dessen Fahrweise und seiner eigenen Fahrgeschwindigkeit ausreichenden Seitenabstand einhält, mindestens 1,5 bis 2 Meter«. Allerdings wird die Einhaltung dieser Regel weder kontrolliert noch Verstöße geahndet, denn es gibt keine Möglichkeit, ihre Einhaltung zu überwachen.

Zu dichtes Überholen durch Kraftfahrzeuge ist einer der Hauptgründe, warum sich Radfahrer auf der Straße unsicher fühlen. In Berlin hat nun der Tagesspiegel in Zusammenarbeit mit nicht näher genannten Experten ein Arduino-System entwickeln lassen, das diese Messaufgabe übernimmt. Drei Ultraschall-Sensoren messen die Abstände links und rechts des Radfahrers. Sie messen alle Überholvorgänge bis etwa drei Meter Abstand. Ein Bluetooth-Modul sendet die Daten auf das Smartphone, das am Lenker befestigt ist. Wird ein Überholvorgang erkannt, dann löst das Smartphone ein Foto aus, sodass später erkannt werden kann, ob ein Kraftfahrzeug überholt hat oder ein anderes Objekt die Sensorik beeinflusst hat. Das kann z.B. vor einer Ampel der Fall sein, wenn der Radfahrer rechts an den wartenden Autos bis zur Ampel vorfährt. Diese Vorgänge werden natürlich nicht als Überholungen gezählt.

Jeder Vierte unterschreitet Mindestabstand

Auf einer 10 km langen Wegstrecke vom Funkturm bis zum Kottbusser Tor hat der Tagesspiegel das Sensorsystem erprobt. Eines der Ergebnisse: Bei 123 Überholvorgängen wurde 31mal der Mindestabstand von 1,5 m unterschritten, also bei ungefähr jeder vierten Überholung. Der geringste gemessene Überholabstand betrug 58 cm. Besonders kritisch waren sog. Radfahrstreifen, die auf der Fahrbahn abmarkiert sind.

Die Testfahrt wurde von einer einzelnen Person durchgeführt. Der Tagesspiegel will nun wissen, ob die Ergebnisse auf anderen Strecken ähnlich ausfallen. Er will 100 Testfahrer mit dem Arduino-System ausstatten um mehr Daten zu sammeln. Dabei geht es nicht darum, die Verstöße zu ahnden, sondern herauszufinden, wo Berlins Straßen für Radfahrer besonders gefährlich sind. Nach einem Volksentscheid hat Berlin seit diesem Jahr ein Radgesetz. Der Senat muss für mehr Sicherheit und bessere Infrastruktur für den Radverkehr sorgen. In einem datenjournalistischen Projekt berichtet der Berliner Tagesspiegel über die Umsetzung des Radgesetzes.