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Interview

»Technologiepartnerschaften werden wichtiger«

09. November 2020, 11:44 Uhr   |  Corinna Puhlmann-Hespen

»Technologiepartnerschaften werden wichtiger«
© Phoenix Contact

Torsten Janwlecke, Phoenix Contact: Single Pair Ethernet oder die DC-Anschlusstechnik zeigen eindrucksvoll, welche große Bedeutung die Verbindungstechnik in den Bereichen Automatisierung und Energietechnik hat.

Welche Trends gibt es bei Steckverbindern, die in industriellen Anwendungen zum Einsatz kommen? Torsten Janwlecke, Mitglied der Geschäftsführung von Phoenix Contact, zeigt auf, wo sich derzeit ein Wandel vollzieht.

Markt&Technik: Was sind Themen und Technologien, mit denen sich Phoenix Contact derzeit intensiv auseinandersetzt?

Torsten Janwlecke: Wir sehen aktuell zwei wichtige Trends im Bereich der industriellen Verbindungstechnik: Erstens fokussieren wir uns auf Produkte, die über eine große Datentragfähigkeit verfügen. Dazu gehören die Anschlusstechnik für die LWL-Verkabelung, RJ45-basierte Anschlusssysteme, Board-to-Board-Steckverbinder und – als jüngste Entwicklung – unsere Produkte für Single Pair Ethernet.

Zweitens sehen wir einen großen Trend im Bereich der Gleichstrom-Anschlusstechnik. Getrieben durch den Ausbau der regenerativen Energien und der Weiterentwicklung der Speichermedien wird die DC-Anschlusstechnik einen immer höheren Stellenwert einnehmen. Hier arbeiten wir aktuell an technologischen Herausforderungen, wie dem Stecken und Ziehen unter Last.  Diese Entwicklungen überführen wir aktuell in vermarktungsfähige Produkte.

Single Pair Ethernet oder die DC-Anschlusstechnik zeigen eindrucksvoll, welche große Bedeutung die Verbindungstechnik in den Bereichen Automatisierung und Energietechnik hat. Ohne Fortschritte bei den Steckverbindern ist zum Beispiel die Umsetzung eines Industrial Internet of Things oder die All Electric Society nicht möglich.

Um neue Technologien am Markt zu etablieren, arbeiten zunehmend auch Wettbewerber der Steckverbinder-Branche zusammen. Ist das ebenfalls eine Neuerung, die Bestand haben wird?

Die Fähigkeit, den Markt durch Allianzen zu beeinflussen, sehe ich als eine große Chance. Neben den Standardgremien, die etwa in der Normierung von Steckverbindern unterwegs sind, schließen sich vermehrt Unternehmen in Technologiepartnerschaften zusammen, um gemeinsam an technologischen Herausforderungen zu arbeiten und Standards zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist unsere Arbeit in der SPE System Alliance, in der wir gemeinsam mit unseren Partnern das Ziel verfolgen, Single Pair Ethernet für das Industrial Internet of Things weiter voran zu treiben.

Welche Applikationen bzw. Absatzmärkte sind aktuell ein Wachstumsmotor für ihr Geschäft?

Für uns haben insbesondere die regenerativen Energien an Bedeutung gewonnen – vor allem verbunden mit dem Bereich der Energiespeichersysteme. Außerdem spielt das gesamte Geschäft rund um die E-Mobilität eine entscheidende Rolle. Hier geht es nicht nur um Ladesysteme am Auto, sondern insbesondere auch um Wallboxen und Kleinladestationen, die vermehrt installiert werden.

Bezogen auf unser Gesamtunternehmen gewinnt auch der Bereich Smart Building an Bedeutung. In diesem Segment sind wir nicht nur mit unseren Steckverbindern vertreten, wir unterstützen auch die Digitalisierung von Gebäuden mit unseren Automatisierungsprodukten.

Wie schätzen Sie derzeit die allgemeine Situation am Steckverbinder-Markt ein. Wie gut ist die Branche durch die letzten Monate der Pandemie gekommen?

Den einen Steckverbinder-Markt gibt es natürlich nicht, dafür sind die Anforderungen der verschiedenen Absatzmärkte zu unterschiedlich. Das Geschäft der Automotive-Steckverbinder ist in den vergangenen Monaten deutlich rascher eingebrochen als wir es etwa im Industriebereich erlebt haben. Und der Markt der Steckverbinder für medizinische Anwendungen boomt regelrecht. So unterschiedlich die Situationen in den jeweiligen Branchen sind, so verschieden sind auch die damit verbundenen Herausforderungen. Während es in einem Bereich um die reine Sicherung des Geschäfts geht, schauen wir in anderen Bereichen, dass wir Marktanteile gewinnen und die Lieferfähigkeit aufrechterhalten.

Generell spüre ich aber überall, dass sich Unternehmen in Lauerstellung bringen. Keiner möchte eine möglicherweise bald schon wieder eintretende Phase des Aufschwungs verpassen.

Und wie genau sehen die Zahlen und Erwartungen in Hinblick auf das Geschäftsjahr 2020 bei Phoenix Contact aus?

Covid-19 hat auch uns nicht unbetroffen gelassen. Auch wir mussten in den vergangenen Monaten Absatzeinbußen hinnehmen, allerdings im niedrigen einstelligen Bereich. Im Ergebnis sehen wir uns auf dem Vorjahresniveau. Was wir jedoch deutlich merken: Durch die Reisebeschränkungen und den Ausfall wichtiger Präsenzmessen erzielen wir bei der Generierung von Neuprojekten nicht mehr die gleiche Dynamik wie in den Vorjahren. Der fehlende persönliche Kontakt zu unseren Kunden bremst unsere Wachstumsgeschwindigkeit sicherlich noch eine Zeit lang aus.

Die Fragen stellte Corinna Puhlmann-Hespen

 

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