Avnet Abacus: Charging im Mittelpunkt

»Wichtig, die Infrastruktur mit einzubeziehen«

17. November 2022, 8:00 Uhr | Karin Zühlke
Jeck Matthias
Matthias Jeck, Avnet Abacus: »Wir wollen uns in der Tat verstärkt auf Automotive-Kunden konzentrieren, betrachten dabei aber nicht nur den klassischen Automotive-Kunden, sondern auch die Infrastruktur außen herum.«
© Avnet Abacus

In der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge sieht Matthias Jeck, Vice President DACH bei Avnet Abacus, großes Potenzial für seine Division, die in diesem Sektor von der Stromversorgung bis zum Display mit allumfassenden Lösungen punkten kann. Auf der electronica steht das Thema im Fokus.

Markt&Technik: Avnet Abacus setzt verstärkt auf Automotive. Lange Zeit galt dieser Markt für die Distribution doch eher als Fulfillment-Geschäft, das wenig Spielraum bot. Was macht diesen Markt gerade jetzt so interessant?

Matthias Jeck: Wir wollen uns in der Tat verstärkt auf Automotive-Kunden konzentrieren, betrachten dabei aber nicht nur den klassischen Automotive-Kunden, sondern auch die Infrastruktur außen herum. Wir – gemeint ist ganz Avnet – sind der Ansicht, es ist wichtig, dass wir die Infrastruktur miteinbeziehen, wir wollen sozusagen das Gesamtbild betrachten. Im Zuge dessen setzen wir einen starken Fokus auf die Ladeinfrastruktur von E-Fahrzeugen – EV Charging. Das ist eines unserer Kernthemen, das wir derzeit auch über sämtliche Kanäle promoten. Im Zuge dessen sehen wir, dass sich viele Startups mit der Ladeinfrastruktur beschäftigen.

Geht es dabei um den öffentlichen Raum oder auch die Ladebox für zuhause?

Beides. Aber darüber hinaus ist es wichtig, wie sich die großen Tankstellenkonzerne aufstellen, um sich für die Zukunft zu rüsten. Für Langdistanzen braucht es schließlich Ladeinfrastruktur entlang der Autobahn, die das Fahren – privat und auch im beruflichen Umfeld – unterstützt, ohne dass man sich 30 km weit weg von der Autobahn nach einer Lademöglichkeit umsehen muss. Daher stehen für uns drei Ansatzpunkte im Fokus: öffentlicher Raum, die Ladebox daheim und die Tankstellenbetreiber.

Auf welcher Ebene finden diese Gespräche statt? Das Thema ist ja sehr stark abhängig von den politischen Vorgaben und Rahmenbedingungen in den Kommunen.

Das sind die Hersteller, die in Richtung Automobil-OEMs vernetzt sind oder auf politischer Ebene den Dialog führen, um entsprechende Ladeinfrastrukturen zu schaffen. Wir sind auf Ebene Tier-One und Tier-Two unterwegs, wir sprechen speziell mit den Herstellern, darunter wie gesagt immer mehr Startup-Unternehmen, die sich mit diesen Themen beschäftigen, auch immer mehr EMS-Dienstleister. Hinzu kommen Firmen, die Schnellladetechnik entwickeln, die eine immer größere Rolle spielen wird. Mithilfe der Schnellladetechnik kann das Auto innerhalb von fünf bis sechs Minuten aktuell für 100 bis 130 km geladen werden. Das gilt es in Zukunft weiter zu verbessern, und genau dabei können wir unsere Kunden unterstützen.

Und auf welcher Ebene läuft die technische Unterstützung vonseiten Avnet Abacus’ ab?

Beispielsweise im EV-Charging-Bereich verfügen wir über ein sehr breites Produktportfolio, und genau das gibt unseren FAEs die Möglichkeit, unsere Kunden bei ihren Projekten zu unterstützen. Das beginnt bei Produkten, die auch jeder Endverbraucher sehen kann, wie ein Ladekabel, komplette Displaylösungen bis hin zu unserem klassischen Komponentengeschäft mit z. B. Power, Relais oder speziellen Sensoren. Mit der Integration der Avnet Embedded in unseren Sales Channel sind wir in der Lage, dem Kunden die komplette Intelligenz z. B. mit einem SMARC-Modul und einer kundenspezifischen IOT-Lösung anzubieten. Unsere Kunden schätzen diese One-Stop-Möglichkeit und tiefe technische Expertise.

Zur kompletten Lösung gehört der Power-Bereich. Hierin hat Avnet Abacus massiv investiert. Was ist neu?

Das Power Management ist sehr wichtig, um das Schnellladen möglich zu machen. Wir haben unsere Ressourcen im Power-Sektor aufgestockt und uns hier auch personell verstärkt. Das wird dem Bereich sicherlich auch neue Impulse und Ideen geben.

A propos Displays: Das hätte ich eher bei der Avnet Embedded verortet.

Das stimmt nur zum Teil. Die Avnet Abacus selbst verfügt über ein Portfolio im Displaybereich. Dieses haben wir nun verstärkt, indem uns die Avnet Embedded als Lieferant bei den Designs unterstützt. Den entsprechenden technischen Experten dagegen findet man jetzt bei Avnet Abacus. Somit haben wir unser Portfolio mit dem Produkt- und Services-Portfolio der Avnet Embedded erweitert. Dass dies für uns und unsere Kunden passt bzw. ein sehr interessantes Thema ist, hat sich auch bei unseren Hausmessen im Rahmen unserer 50-Jahre-Jubiläumstour gezeigt.

Hier haben wir unseren Kunden die Möglichkeit gegeben, sich bei uns über die neusten Technologien zu informieren. Wir konnten dabei fundierte neue Kontakte knüpfen, darunter auch ein Kunde, der bisher das Display-Design selbst gemacht hat und nun mit uns die Möglichkeit sieht, eine smarte Lösung zu finden und damit sein Angebot zu erweitern.

Das heißt, Display-Subsysteme bekommt der Kunde bei Ihnen nicht nur in Zusammenhang mit EV Charging?

Das ist korrekt. Wir bieten derartige Lösungen in allen Konstellationen, in denen Sie ein Display finden.

Wie entwickelt sich das Geschäft in Zentraleuropa insgesamt?

Der Outlook ist schwierig. Wir hatten einen schwächeren Juli erwartet, der aber sehr gut abgeschlossen hat. Im August gab es schon immer das klassische Sommerloch, aber wir sehen einen sehr starken September auf uns zukommen. Die Kundenanfragen spiegeln das wider. Es gibt einige Kunden, die relativ gut bevorratet sind. Nach wie vor ist es die Halbleiter-Verfügbarkeit, die sprichwörtliche goldene Schraube, die am Ende fehlt. Aber jeder Kunde sagt uns, wenn die Halbleiter wieder entsprechend verfügbar sind, würde das Lager sehr schnell abgebaut, und daher braucht er die Pipeline bei uns. Und wenn wir mit OEMs sprechen, sehen wir, dass der Request nach wie vor sehr hoch ist. Insbesondere Automotive, EV Charging, Renewable Energy mit dem Solarmarkt nehmen wieder massiv zu.

Natürlich ist das auch in den Bereichen Industrial Automation oder Connectivity zu spüren. Deshalb bin ich vorsichtig optimistisch, dass wir bei Avnet Abacus für unser Geschäftsjahr ein starkes Q1 sehen und ein sehr solides, stabiles Q2. Weiter würde ich aber erst einmal nicht schauen wollen, denn es gibt so viele Unsicherheitsfaktoren weltweit von Ukraine bis China. Niemand hier weiß, was da passiert, und zu guter Letzt dürfen wir Covid auch nicht außer Acht lassen – das wird global weiter ein Thema bleiben. Aber wir sehen einen starken Markt mit einer guten Tendenz und sehr vielen Technologien, die sich in die richtige Richtung entwickeln.

Avnet Abacus Halle C2, Stand 101

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