Sanierungsfall »Supply Chain«

Pflaster auf die alte Infrastruktur kleben hilft nicht!

16. Februar 2022, 12:30 Uhr | Von Jens Gamperl, CEO und Gründer von Sourceability
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Es ist 2022 und die Lieferkette kämpft immer noch damit, wieder auf die Beine zu kommen. Die Branche muss jetzt dringend handeln und mit der Digitalisierung der gesamten Lieferkette beginnen.

Unerwartete Herausforderungen durch die Pandemie sowie Naturkatastrophen, Klimawandel und mehr tragen die Schuld daran, dass immer noch kein Ende der Beeinträchtigungen in den Lieferketten in Sicht ist, die für Unternehmen möglicherweise Einkommenseinbußen in Billionenhöhe bedeuten.

Weltweit bringen die Regierungen zwar Gesetze auf den Weg, um die Unterbrechungen der Lieferkette zu bekämpfen und sich besser auf die kommenden Jahre vorzubereiten. Doch wie kann die Lieferkettenbranche diese hochgesteckten Ziele umsetzen und gleichzeitig sicherstellen, dass die Lieferkette modernisiert wird, anstatt einfach neue Pflaster auf die alte Infrastruktur zu kleben? Die Branche muss mit der Digitalisierung der gesamten Lieferkette beginnen, um sie widerstandsfähiger gegen Beeinträchtigungen zu machen.

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Digitalisierung der Lieferkette

Die Abrechnung mit der globalen Lieferkette hat lange auf sich warten lassen, denn die Pandemie hat lediglich bereits bestehende Schwachstellen offengelegt. Ein Teil der Antwort auf dieses Problem liegt in der Digitalisierung der Supply Chain, um ein transparenteres, einheitlicheres Ökosystem zu schaffen.

Die Digitalisierung ist zweifelsohne kostspielig, aber einfach weitermachen mit »Business as usual« ist keine Option mehr. Gartner hat vorausgesagt, dass mindestens 50 Prozent der großen globalen Firmen bis 2023 KI, fortschrittliche Analytik sowie IoT in der Lieferkette einsetzen werden. Durch den Einsatz von KI, Automatisierung und Machine Learning können Firmen einen 360-Grad-Blick auf die bestehende Lieferkette und mögliche Störungen entwickeln. Dazu gehören das Verständnis und die Vorhersage des Kunden- und Lieferantenverhaltens sowie die Optimierung von Bestands- und Beschaffungsentscheidungen. Intelligente Lieferketten können schnell auf Störungen wie Unwetter reagieren, da sie im Voraus wissen, wie sich das Ereignis auf die bestehende Lieferkette auswirkt, und dadurch Engpässe vermeiden. Diese Technologien können Engpässe vermeiden, indem sie vorhersagen, wo sie auftreten, und in Echtzeit Vorschläge machen, wie man ihnen entgegenwirken kann. Dieses Maß an Reaktionsfähigkeit war in dieser Form in der Vergangenheit nicht möglich.

Diversifizierung
der Produktion

Die übermäßige Abhängigkeit eines Teils der Welt bei der Versorgung mit wichtigen Materialien erwies sich als untragbar, als Covid-19 die ganze Welt lahmlegte. Auch wenn ein weltweiter Shutdown nicht mehr zu erwarten ist, drohen bei neuen Varianten immer noch regionale Shutdowns und dadurch Auswirkungen auf die Produktion. Die Diversifizierung der Produktionsstandorte kann dazu beitragen, dass dieses Problem in Zukunft entschärft wird. Auch wenn bestimmte Produktionsstandorte mit sehr hohen Kosten verbunden sind, sollte man die extrem hohen Kosten, die durch die gegenwärtigen Verknappungen in der Lieferkette entstehen, gegeneinander abwiegen.

Halbleiter zum Beispiel sind für fast jeden Wirtschaftssektor von Energie über Unterhaltungselektronik bis hin zur Fertigung von entscheidender Bedeutung. Länder in Ostasien wie Südkorea, Japan, China und Taiwan haben sich zu einigen der wichtigsten Akteure in der Halbleiterbranche entwickelt. Doch trotz aller Vorteile, die die Produktion von Halbleitern in dieser Region mit sich bringt, ist es auf kurze Sicht problematisch, sich zu sehr auf nur einen Teil der Welt zu verlassen; es kann weiterhin zum globalen Halbleitermangel beitragen.

Die Branche hat das Potenzial, in den nächsten zehn Jahren eine widerstandsfähigere, autarkere Lieferkette der Zukunft zu schaffen. Dies kann jedoch nur erreicht werden, indem wir uns auf die Digitalisierung der Lieferkette fokussieren sowie Unternehmen bei der Investition in Automatisierung unterstützen und Produktionsstandorte diversifizieren.


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