Schwerpunkte

Ursache und Wirkung in der Lieferkette

"Mitten im perfekten Sturm!"

27. Mai 2021, 10:48 Uhr   |  Karin Zühlke

© Bild: Digi-Key

Wir befinden uns inmitten dessen, was man als „perfekten Sturm“ bezeichnen könnte: Die Folge sind erhebliche Engpässe in der Lieferkette für elektronische Komponenten. Eine Einschätzung von Margaret Cunha, Director für regionale Lieferkettenlösungen bei Digi-Key.

Schon vor der Covid-19-Pandemie zeigten sich in den Lieferketten erste Anzeichen von Engpässen, und die weitreichenden Auswirkungen der globalen Pandemie ab 2020 verlangsamten oder stoppten die Produktion essenzieller Komponenten für Tage, Wochen oder sogar Monate am Stück. Mit der Markteinführung der Impfstoffe gegen das Coronavirus hat die Industrie ihre Produktion wieder hochgefahren und die Nachfrage nach elektronischen Bauteilen ist sprunghaft angestiegen.

Die Nachfrage steigt

Die Nachfrage nach Komponenten steigt in fast allen Branchen gleichzeitig an, einschließlich der Automobil-, Smartphone-, Medizin- und IoT-Märkte, die immer größere Mengen an Komponenten für fertige Produkte be­nötigen. So werden beispielsweise in den Motoren von Elektro­fahrzeugen bis zu 22.000 keramische Vielschichtkondensatoren (MLCCs) verwendet, und allein die Hersteller von Smartphones nutzen etwa 1,5 Billionen MLCCs, was 50 Prozent der weltweiten Produktion ausmacht.

Darüber hinaus berichtet Gartner, dass der IoT-Markt um mehr als das Sechsfache von 212 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 auf 1319 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 wachsen soll. IoT-Produkte wie Smart-Home-Thermostate, Türklingeln, Alarmanlagen, Kameras, Haushaltsgeräte, Fitnessgeräte und mehr benötigen Sensoren und mehrere Komponenten, um zu funktionieren. Während diese erhöhte Nachfrage sicherlich Druck auf die Zulieferer ausübt, ist sie insgesamt ein positives Zeichen der Erholung.

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Margaret Cunha, Director von Digi-Key für regionale Lieferkettenlösungen

Zulieferer versuchen mitzuhalten

Ein wichtiger Faktor, der viele Hersteller betrifft, ist die reduzierte Personalkapazität aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz. Darüber hinaus dauert der Transport von Gütern in allen Branchen und Ländern aus ähnlichen Gründen länger. Hinzu kommen weniger verfügbare kommerzielle Flüge und Probleme in den Häfen, die zu Verzögerungen bei Produkttransfers und dem Erhalt von Materialien führen, darunter natürlich auch die jüngste Blockade des Suezkanals, die für mehrere Wochen einen Welleneffekt im globalen Handel verursacht hat.
Systembedingte Probleme, wie z.B. zu geringe Investitionen in 8-Zoll-Fabriken, haben dazu geführt, dass es schwierig ist, die Produktion hochzufahren. Wenn in den frühen Stadien einer Fertigung nicht viel investiert wird, kann die Lieferkette viele Jahre später beeinträchtigt werden. Leider wurde vor Jahren zu wenig in diese Standardgröße investiert, was jetzt zu erheblichen Problemen führt. Der Klimawandel hat auch zu immer extremeren Wettermustern geführt, die lokale Gebiete belasten, wie z.B. die Dürre in Taiwan, die einige Hersteller dazu zwingt, Wasser per LKW anzuliefern, was zu Verzögerungen führt, die bis Juni 2021 andauern könnten.

Es gab auch mehrere größere Fabrikbrände, die die Rohstoffproduktion beeinträchtigten, wie die Brände in den Werken von Asahi Kasei Micro (AKM) und Renesas Electronics in Japan sowie der Fabrikbrand bei Panjit International in Kaohsiung, Taiwan. Alle diese Fabriken waren entscheidend für die Produktion bestimmter Oszillatoren, Halbleiter und Chips, und es könnte mehrere Monate dauern, bis sie wieder betriebsbereit sind. Trotz dieser Herausforderungen tun die Zulieferer ihr Bestes, um mit der Nachfrage Schritt zu halten, und arbeiten rund um die Uhr, um Komponenten in die Hände von Ingenieuren auf der ganzen Welt zu bringen.

Dem Sturm trotzen

Die gute Nachricht ist, dass viele Distributoren wie Digi-Key diese starke Nachfragespitze schon vor einigen Monaten vorhergesehen haben und proaktiv in den Lagerbestand investiert haben, während sie eng mit den Lieferanten zusammenarbeiten, um die Bestellungen zu beschleunigen, um sicherzustellen, dass trotz der weltweiten Knappheit genügend Produkte für die Kunden vorrätig sind.

Mit einer großen Bandbreite ­an Komponenten einschließlich 2,6 Millionen vorrätiger Produkte von mehr als 1700 Herstellern stellt die Zusammenarbeit mit globalen Distributoren wie Digi-Key sicher, dass die Kunden unter den 11,8 Millionen verfügbaren Produkten wahrscheinlich das finden, was sie brauchen.

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