Rückenwind für den freien Markt

Engpässe bescheren der Independent Distribution wieder kräftiges Wachstum

9. Juni 2010, 11:34 Uhr | Carmen Skupin

Fortsetzung des Artikels von Teil 3

»Broker« aus dem Vokabular gestrichen

Sven Nauke, IXES: »Texas Instrument, On Semi und STMicroelectronics haben derzeit die größten Probleme, die Bedarfe zu decken. Aber auch im passiven Bereich sind die Lieferzeiten stark angestiegen.«

Der Begriff »Broker« wurde nach der letzten großen Allokation im Jahr 2000, die von einer massiven Zunahme an Produktfälschungen begleitet war, dem tiefen (Aktien)-Fall der ce consumer electronic und dem Platzen der Internet-Blase, die vielen Online-Plattformen zu einem kurzen Hype verhalf, konsequent aus dem Vokabular der hier ansässigen Firmen gestrichen. Das Image der selbsternannten Broker war beschädigt. Hinter dem Begriff Independent Distribution verbergen sich heute diverse Geschäftsmodelle. Da Beschaffung in den letzten Jahren nur in wenigen Ausnahmefällen noch lukrativ war, haben sich viele Firmen nach neuen Aktivitäten umgesehen und ihre Geschäftstätigkeit um weitere Standbeine ergänzt. Nicht wenige Independent Distributoren sind nun auch im Franchise-Geschäft tätig, besitzen ein eigenes Lager, setzen auf das sogenannte Long-term-Business und haben ihre Aktivitäten um diverse Services erweitert.  

»Durch die momentane Marktsituation mit der aktuellen Bauteileverknappung entwickelt sich das Shortage-Geschäft natürlich positiv«, beschreibt Sven Nauke, Ixes. »Trotzdem trägt dieser Bereich 2010 nur mit rund 40 Prozent zu unserem Geschäft bei. Den Großteil unseres Umsatzes erzielen wir mit unseren Franchise-Linien sowie Langfristgeschäft«. Darüber hinaus setzt Ixes schon seit einigen Jahren auf ein 3-Säulen-Geschäftsmodell, um konjunkturell unabhängiger zu sein. Der größte Anteil entfällt dabei auf längerfristiges Projektgeschäft mit OEM-Kunden. Außerdem ist der Distributor mit Hauptsitz in Dreieich, Frankfurt, Franchisepartner der Hersteller Akker, KEC und Amulet. »Der Bereich Brokerage hat in 2009 marktbedingt nur ca. 20 Prozent unseres Geschäfts ausgemacht«, beschreibt Nauke.

Brokerage und Franchise-Geschäft stellen auch für die Putzbrunner Electronic Direct keinen Gegensatz dar. »Wir betrachten dies als gebündelte Kompetenz und beherrschen beide Disziplinen«, sagt  Kornelius Schmitz. Auf einen der beiden Teile verzichten will man nicht - im Gegenteil: Elektronik direkt sei dabei die Spezialisierung in beiden Bereichen zu vertiefen und stärker miteinander zu vernetzen um daraus entstehende Synergien zu nutzen. Die Münchner eCOUNT, als Broker gegründet, kann u.a. mit Herstellern wie Raltron, ASIX, Etron Technology und Lyontek mittlerweile ein respektables Franchise-Portfolio in Bereich ASSP’s, Memories und Elektromechanik vorweisen. Intertec hat mit »Smart-Distribution« gar einen eigenen Begriff kreiert, um das Geschäftskonzept – die Kombination aus Franchise- und Non-Franchise – zu beschreiben.

Sogar die selbsternannten Erfinder des Chip-Brokerage suchen Heil und Umsatz inzwischen auch in anderen Geschäftsaktivitäten: die ce Distribution besitzt Distributionsverträge mit den Halbleiterherstellern  Amazing und AME, vertreibt als Vertragsparnter »Special Memories« der Transcend sowie die Software-Datenbank »Caps« von Partminer Information Systems. Doch über drei Jahrzehnte Broker-Historie gehen an einer ce nicht spurlos vorbei: »In neun von zehn Fällen«, so Michael Negel über die gegenwärtige Allokation, »können wir die begehrte Ware beschaffen, im zehnten Fall finden wir eine Alternative.«

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