Mit Originalbauteilen vom Stock Market

»Umsatz versechsfacht«

10. Oktober 2022, 15:07 Uhr | Karin Zühlke
Markt&Technik
Christian Peter, Intertec Components (hier im Gespräch mit Karin Zühlke, leitende Redakteurin Markt&Technik): »Fürs kommende Jahr haben wir eine Neugründung am Start sowie Zukauf-Optionen. Wir wollen uns auf dem aktuellen Umsatzniveau festigen, auch wenn der Markt sich wieder normalisiert.«
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Die schwierige Marktsituation der letzten beiden Jahre schuf großes Potenzial für unabhängige Distributoren: »Den Kunden ist klar geworden, dass die freie Distribution ein wichtiger Beschaffungskanal ist«, sagt Christian Peter, CEO von Intertec Components.

Markt&Technik: Inwieweit hat die Verfügbarkeitssituation Ihr Geschäft beflügelt?

Christian Peter: So einen Schub, den wir in den letzten zweieinhalb Jahren erleben durften, haben wir noch nie gehabt. Durch unsere Beschaffungsmöglichkeiten haben uns die Kunden deutlich mehr in Anspruch genommen als in der Vor-Corona-Zeit. Mithilfe unserer engagierten Mitarbeiter konnten wir diesen Ansturm bewältigen.

Möchten Sie das Wachstum bzw. den Umsatz etwas genauer beziffern?

Wir haben den Umsatz in den letzten beiden Jahren versechsfacht und werden in diesem Jahr, wenn sich der Markt nicht signifikant dreht, deutlich über 50 Millionen Euro ankommen. Das sind starke Zahlen. Aber natürlich mussten wir auch Schwierigkeiten und Probleme meistern. Wenn eine Firma ein überproportionales Wachstum hinlegt, muss sie strukturell und finanziell investieren. Es gab Prozessänderungen, z. B. wurden Customer Service & Operations und Finance & Controlling zu einer großen Abteilung zusammengeführt. Dadurch konnten wir Prozesse straffen. Gleichzeitig sind die Kosten für den Transport und alle Versicherungen immens gestiegen.

Wir hatten offen gesagt ein bisschen Glück, dass wir unser neues ERP-System im März 2020 nach zweieinhalb Jahren Evaluieren, Testen und Implementieren gestartet haben, als der Ansturm losging. Zugleich hatten wir auch die Digitalisierung all unserer Prozesse fast abgeschlossen. Wir können mit Stolz sagen, dass wir jetzt sowohl von den Abläufen als auch von der Technik her in der Distribution ganz vorne dabei sind.

Was verstehen Sie unter Digitalisierung? 

Bei uns kann seit Anfang 2020 jeder Mitarbeiter remote arbeiten und ist nicht mehr auf einen eigenen PC angewiesen. Außerdem gehen bei uns so gut wie alle Arbeitsschritte papierlos vonstatten. Das reicht von der digitalen Eingangs- und Ausgangsrechnungsverarbeitung bis zum ERP-System, das die digitale Schnittstelle aller Abteilungen ist. Früher wurden Arbeitsschritte teils mehrmals gemacht, weil jede Abteilung ihren eigenen Workflow hatte. Jetzt geben wir jeden Datensatz einmal ein und der kann abgerufen werden, wo er gebraucht wird. Abgesehen von kleinen Anfangs-Problemchen hat die Umstellung sehr gut funktioniert.

Auch das Lager ist entsprechend digitalisiert?

Wir haben ein zentrales Lager in der Hallertau, und auch da verfolgen wir einen digitalen Ansatz. Natürlich haben die Spediteure ihre Lieferpapiere dabei. Und bislang haben wir noch einen Packzettel, da wird eingetragen, wer geprüft hat. Aber der soll voraussichtlich bis Ende des Jahres verschwinden.

Seit wann gibt es das Lager in der Hallertau?

Im Januar 2015 haben wir das Lager in Niederbayern eröffnet. Darüber hinaus haben wir noch einen Hub in Hongkong. Dort wird die Ware konsolidiert für Kunden in Asien bzw. für den Transport nach Europa. Aktuell ist der Durchlauf wesentlich schneller als vor Corona. Früher hatten wir 80 Prozent Rahmenaufträge oder Aufträge, die mit Lieferzeit behaftet waren. Jetzt sind es 20 Prozent Rahmenaufträge. Bei 80 Prozent der Aufträge kommt die Ware und wird sofort wieder ausgeliefert.

Die Akzeptanz in der freien Distribution hat sich schon verstärkt in den letzten Jahren, so zumindest mein Eindruck. Liege ich da richtig?

Wer uns kennt, weiß, was wir können und was wir liefern.

Was macht Intertec für die Kunden aus Ihrer Sicht interessant?

Wer bei uns kauft, erhält Originalware mit umfangreichen Serviceleistungen, ohne sich von irgendwelchen Herstellervorgaben abhängig zu machen. Die Kunden haben begriffen: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht es einen Mix an Quellen. Dazu gehört auch die freie Distribution. Es kann kriegsentscheidend sein, wenn beispielsweise ein Bestücker ein spezielles Bauteil woanders sehr viel günstiger erhält und dadurch einen Auftrag gewinnt bzw. halten kann.

Wie würden Sie sich im Vergleich zum Mitbewerber sehen?

Wir sprechen grundsätzlich nicht über Mitbewerber. Ich denke, in dieser Krisenzeit überlegt sich jeder Kunde genau, kauft er bei jemandem ein, den er schon kennt, oder geht er zu einem neuen Lieferanten. Wir freuen uns darüber, häufig weiterempfohlen zu werden und viele Neukunden zu haben, auch im Automotive-Segment.

Auch Automotive OEMs oder Tier-Ones? Die sind ja besonders preissensitiv.

Viele Kunden kommen aus dem Elektroauto-Segment. Die Kunden merken, dass wir uns bei den Geschäften nicht die Taschen vollstopfen. Unser Aufschlag bleibt gleich.

Welches Gebiet umfasst Ihr Vertriebsradius?

Den Großteil umfasst Deutschland mit etwa 70 Prozent, dann kommen Österreich und Schweiz mit 10 Prozent. 20 Prozent entfallen auf Osteuropa und Asien.

Spielt Regionalität mitunter auch eine Rolle bei Ihrem Kundenzuwachs?

Teils ja. Aber viele Neukunden haben auch die Erfahrung gemacht, dass Bauteile, die sie einmalig bei uns angefragt haben – erst mal noch aus der Not heraus – schnell und reibungslos geliefert wurden. Die Kunden haben also gemerkt, da ist ein Distributor, bei dem bekomme ich das, was ich brauche. Dann wurden zunehmend mehr Teile angefragt und das Ganze ist ein großes Ding geworden. Die klassischen Vorurteile, die es vorher gab, konnten wir substanziell entkräften.

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