Rückenwind für den freien Markt

Engpässe bescheren der Independent Distribution wieder kräftiges Wachstum

9. Juni 2010, 11:34 Uhr | Carmen Skupin

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Most Wanted: die Top 20 der Hersteller

Friedrich Schnürpel, eCOUNT: »Engpässe treten selbst in Produktsegmenten auf, in denen keiner mit Lieferproblemen gerechnet hatte.«.

Die Engpässe erstrecken sich querbeet über das gesamte Bauelementespektrum: sie reichen von linearen ICs über Logik ICs, Mikrocontroller, Transistoren, Dioden bis hin zu Kondensatoren und Filtern. Texas Instruments, ON Semi, STMicroelectronics, Maxim und Vishay führen die Anfragen der Kunden an, aber auch Infineon und zum Teil Freescale sind von der Verknappung stark betroffen. »Die Top 20 der aktiven und passiven Bauelementehersteller werden derzeit am stärksten nachgefragt«, sagt Michael Negel, Vorstand der ce Global Sourcing.

»Engpässe treten selbst in Produktsegmenten auf, in denen keiner mit Lieferproblemen gerechnet hatte«, beobachtet Friedrich Schnürpel. Hierzu zählen beispielsweise SMD-Teile, diskrete und lineare Bauteile - allem voran das so genannte »Hühnerfutter«, das sich auf jeder Platine findet, wie zum Beispiel 0207-Widerstände oder Keramikkondensatoren. »Teilweise werden von den Herstellern gar keine Lieferzeiten mehr gequotet«, berichtet Schnürpel, der zudem befürchtet, dass sich die Situation auch im Bereich der hochwertigen Bauteile wie beispielsweise Prozessoren und Grafikchips noch verschärfen könnte.

Nicht alle Hersteller sind gleichermaßen betroffen. So verfüge z.B. Linear Technology über eine gut sortierte Die-Bank und sei bei Engpässen weitestgehend außen vor, schildert Kornelius Schmitz. Aber immer wieder werde man auch mit schwer nachvollziehbaren Entscheidungen von Herstellern konfrontiert. So blockiere etwa TI die Warenauslieferungen bei Vertragsdistributoren, wenn diese zu Resellern ausgeliefert werden sollen. »Und die meisten der großen, weltweit aufgestellten Distributoren sind logistisch nicht willens oder in der Lage Bestände, die sie beispielsweise in Nordamerika und Asien am Lager haben, für Kundenaufträge nach Europa zu routen«, kritisiert Schmitz.

Die Bauelemente wandern teilweise für ein Vielfaches des ursprünglichen Preises über den Ladentisch: »Cent-Teile werden für zwei Dollar weiterverkauft«, schildert Sasan Tabib. LED-Treiber von Infineon, Normalpreis 80 Cent, werden mittlerweile für fünf Euro gehandelt. Die Preise haben sich zum Teil verzehnfacht, bei einzelnen Produkten liegt die Spanne sogar deutlich höher.

Über mangelnde Aufträge kann sich der freie Markt nicht beklagen. Doch die gesuchten Bauelemente zu beschaffen, führt selbst erfahrene Broker an ihre Grenzen. Während bei Engpässen in der Vergangenheit viel aus den Lagerbeständen der OEM-und EMS-Firmen geschöpft werden konnte, sind deren Läger nach eigenem Bekunden mittlerweile nahezu vollständig geleert. Das bekommt auch der freie Markt zu spüren. »Zwar läuft unser Geschäft sensationell, aber es gestaltet sich inzwischen schwierig an die gesuchten Waren zu kommen«, schildert Friedrich Schnürpel.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+

  1. Engpässe bescheren der Independent Distribution wieder kräftiges Wachstum
  2. Most Wanted: die Top 20 der Hersteller
  3. Vernetzung ist im Brokerage-Markt ein absolutes Muss
  4. »Broker« aus dem Vokabular gestrichen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Intertec Components GmbH, IXES AG, Chip 1 Exchange GmbH & Co. KG