Akquisition

MicroVision übernimmt Ibeo Automotive Systems

2. Dezember 2022, 12:21 Uhr | Irina Hübner
Ibeo erprobt LiDAR-Systeme: In Berlin und Peking validiert das Unternehmen seinen Real-Solid-State-ibeoNEXT-Sensor für den chinesischen SUV-Hersteller Great Wall Motor
Ibeo bei der Erprobung von LiDAR-Systemen.
© ibeo Automotive System

MicroVision übernimmt Teile des deutschen Zulieferers Ibeo Automotive Systems aus Hamburg für bis zu 15 Millionen Euro. Die Akquisition soll die Kombination des Mavin-LiDAR-Sensors mit Funktionen der Erfassungssoftware von Ibeo in den für Automobilhersteller gedachten MicroVision ASIC ermöglichen.

Darüber hinaus will Microvision mit diesem Schritt seine marktübergreifende Strategie mit einem Fokus auf Industrie, smarte Infrastruktur, Robotik und den Nutzfahrzeugbereich um Ibeos Flash-LiDAR-Sensor erweitern. Das gemeinsame Unternehmen soll Umsätze aus bestehenden und neuen Produktlinien generieren. Dazu zählen Software, der Flash-basierte LiDAR-Sensor von Ibeo und der MEMS-LiDAR-Sensor von MicroVision sowie weitere Kombinationen aus Hardware und Erfassungssoftware.

Ibeo Automotive System hat vor einiger Zeit Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen ist ein etablierter Anbieter für Lidar-Hardware und Software. Das Unternehmen hat den Scala-Sensor entwickelt und gemeinsam mit einem Tier-1 zur Serienfertigung gebracht, so dass er bei führenden Herstellern wie Audi, Mercedes und Stellantis zum Einsatz kommt. Die Software-Lösungen werden unter anderem von BMW und VW verwendet. Das Team von Ibeo hat zudem Automotive-freigegebene Software für automatische Annotation, Validierung und Erfassung entwickelt. Zudem haben die Spezialisten eine fortgeschrittene Software für autonomes Fahren entwickelt. Das Unternehmen verfügt über mehr als 700 Patente weltweit.

Laut Kaufvereinbarung wird MicroVision bestimmte Assets von Ibeo erwerben, ferner IP sowie Teams übernehmen, die zum Zeitpunkt des Abschlusses bei MicroVision arbeiten werden. Durch die Akquisition gewinnt MicroVision hochtalentierte und erfahrene Entwicklerteams, Hard- und Software sowie Spezialisten für Vertrieb und Business Development mit Fokus auf Automotive und weitere Märkte.
 
»Dies ist eine sehr spannende Zeit für uns, in der wir das Team von Ibeo bei MicroVision willkommen heißen. Wir glauben, dass dies eine vielversprechende Konstellation ist, um unseren strategischen Plan zur richtigen Zeit umzusetzen. Wir können bestehende Perception-Funktionen unserem ASIC hinzufügen. Zusammen mit unserer Hardware können wir OEMs ein hochentwickeltes Lösungspaket anbieten. Hersteller profitieren zudem von der Expertise von Ibeo bei der Qualifizierung von Automotive Software«, erklärt Sumit Sharma, CEO von MicroVision. »Ich bin außerdem sehr gespannt auf die sofortige Ausweitung unserer marktübergreifenden Strategie mit den Sensoren und der Hardware von Ibeo. So können wir in neue Märkte jenseits der Automobilindustrie vorstoßen und unseren Umsatz diversifizieren.«

Der Abschluss der Akquisition wird für die erste Hälfte des Jahres 2023 erwartet und unterliegt einer Freigabe durch das Bundeswirtschaftsministerium.

Komplettlösung für Lidar-Hardware und Erfassungssoftware

Mit Hilfe der Akquisition beabsichtigt MicroVision, den Zeitplan zur Lieferung einer Komplettlösung für LiDAR und Erfassungssoftware zu verkürzen. Dieses Jahr hat MicroVision Mavin DR vorgestellt, einen Lidar-Sensor mit dynamischem Sichtfeld und minimalem Formfaktor. Zusammen mit der hochauflösenden Punktwolke bei geringer Latenz ist dieser Sensor sehr gut geeignet zur Installation im Fahrzeugdach.

Die ausgereifte Erfassungssoftware von Ibeo soll in den digitalen ASIC von MicroVision portiert werden. Demonstrationen zur Kompatibilität sollen zum Anfang des zweiten Quartals 2023 zur Verfügung stehen. Die Erfassungssoftware von Ibeo hat bereits Qualifizierungsprozesse bei verschiedenen OEMs erfolgreich durchlaufen, wodurch MicroVision den Weg zum fertigen Produkt erheblich beschleunigen kann.

Durch die Kombination aus der Mavin- LiDAR-Hardware und der ausgereiften Software von Ibeo will sich MicroVision als führender Partner für Hardware und Erfassungssoftware bei Automobilherstellern positionieren.

Umsätze aus erweiterter Produktlinie generieren

Durch die Akquisition und die sich daraus ergebenden Synergien erwartet MicroVision Umsätze aus Hardware-Verkäufen des Mavin-Sensors, dem existierenden Sensormodell LUX sowie der ersten Generation des Flash-LiDAR. Hinzu kommen Lizenzgebühren des Sensormodells Scala und ebenso Lizenzgebühren von Ibeos Auto-Annotations-, Validierungs-, Erfassungs- sowie AD-Software, die sowohl von OEMs als auch anderen Partnern eingesetzt wird.

Der prognostizierte Umsatz zwischen 8 und 15 Millionen Dollar soll aus dem Geschäft mit neuen und bestehenden Kunden generiert werden, darunter führende deutsche und US-amerikanische OEMs sowie Kunden aus verschiedenen anderen Märkten.

Tier-1-Partnerschaften für die Produktion

MicroVision plant, Ibeos Beziehungen mit ZF Friedrichshafen weiterzuführen und auszubauen. Im Zuge der Zusammenarbeit soll die Produktion des Mavin-LiDAR-Sensors erfolgen.

ZF produziert bereits seit 2020 LiDAR-Sensoren für Ibeo und beliefert den chinesischen Automobilhersteller Great Wall Motor. Die hochautomatisierte Fertigung ist in der Lage, Automotive-OEMs und Kunden aus anderen Branchen mit Sensoren zu versorgen.

Die weltweite Präsenz von Microvision ausbauen

Die Erweiterung um die Expertise von Ibeo in den Bereichen Engineering, Vertrieb und Marketing sowohl in Deutschland als auch in den Vereinigten Staaten stärkt die Position von MicroVision als weltweiten Anbieter von LiDAR- Hard- und Software-Lösungen. Die Entwicklerteams in Hamburg, Nürnberg und Redmond/USA werden weiterhin Lidar-Hardware, Erfassungssoftware, ASIC, Auto-Annotation Software und weitere innovative Produkte für Fahrerassistenzsysteme und autonomes Fahren entwickeln.


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